Start-ups

Wie Hamburg jungen Hightech-Firmen hilft

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Marc Hasse
Bürgermeister  Peter Tschentscher (SPD, r.) im Gespräch mit Frank Holtrup, Geschäftsführer des Start-ups Haystack Oncology.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, r.) im Gespräch mit Frank Holtrup, Geschäftsführer des Start-ups Haystack Oncology.

Foto: Christian Charisius / dpa

Neues Gründerhaus Start-up Labs Bahrenfeld am Desy bietet auf 2700 Quadratmetern Labore und Werkstätten für Wissenschafts-Unternehmer.

Hamburg.  „Hanseatisches Understatement sieht anders aus“, sagte Hamburgs Bürgermeister mit Blick auf die Architektur des neuen Gebäudes. Das meinte Peter Tschentscher (SPD) allerdings nicht abwertend – im Gegenteil: „Man muss zeigen, dass hier die Innovationen der Zukunft stattfinden sollen“, erklärte er am Montag bei der offiziellen Eröffnung der Start-up Labs Bahrenfeld.

Er lobte die Idee, an der Luruper Hauptstraße den Campus des Forschungszen­trums Desy für ein Gründerzentrum zu öffnen, dessen Mieter wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung von Hightech-Anwendungen nutzen. „Wenn das auch noch so schick ist, macht es vielleicht ein bisschen mehr Freude“, sagte Tschentscher, während auf den Rängen des dreistöckigen Atriums einige Firmengründer zuhörten.

Acht Start-ups im neuen Hamburger Gründerhaus

Acht Start-ups arbeiten bereits in der Einrichtung. Sie soll Gründern dienen, deren Ideen mit bestimmten Disziplinen am Desy und an der Uni Hamburg zu tun haben, insbesondere mit Lasertechnologie, Materialwissenschaften, Biotechnologie und Medizintechnik. Dazu zählt etwa Haystack Oncology: Die junge Firma entwickelt personalisierte Tests für die Krebsdiagnostik. Ein weiterer Mieter ist das Unternehmen DiNAQOR. Es arbeitet an Gen-Therapien für Patienten, die an schweren, vererbten Formen von Herzkrankheiten leiden.

Dagegen entwickelt das Start-up Class 5 Photonics Femtosekundenlaser. Diese sollen etwa Bewegungen von Biomolekülen „filmen“ können, um beispielsweise nachzuvollziehen, wie Medikamente wirken. Ebenfalls in dem neuen Gründerhaus arbeitet die junge Firma myprintoo, die mit ihrer Expertise für Drei-D-Drucker erfolgreich sein will.

Günstige Mieten sollen Gründern den Start erleichtern

Die Start-up Labs Bahrenfeld sind ein Gemeinschaftsprojekt des Desy, der Universität Hamburg und der Stadt. Der Neubau hat rund 17,5 Millionen Euro gekostet. Davon übernahm die Stadt 14,2 Millionen Euro. Den Rest bezahlen das Desy und die Universität. Auf einer Fläche von insgesamt 2700 Quadratmetern bietet die neue Einrichtung nun Labore, Werkstätten und Büros. Frei sind nur noch 150 Quadratmeter. Je nach Größe könnten noch zwei bis drei Unternehmen einziehen, sagte Arik Willner vom Desy. Er ist Geschäftsführer der GmbH, die als Betreiber der Start-up Labs fungiert.

Willner zufolge bietet das Gründerhaus jungen Firmen vergleichsweise günstige Mieten, um den Entwicklern ihr Fortkommen zu erleichtern. Die Mietpreise sind gestaffelt nach Unternehmensalter und unterscheiden sich zudem je nach technischer Ausstattung und abhängig davon, ob etwa eine Werkstatt oder ein Laserlabor benötigt wird. Jeder Mieter soll nur das bezahlen, was er wirklich braucht. Inklusive sind Dinge, ohne die kaum ein Gründer auskommt: reichlich Kaffee etwa und Räume zum Entspannen und Konferieren.

Alle Projekte sind wissenschaftsgetrieben

Die Gemeinsamkeit, dass alle hier bearbeiteten Projekte wissenschaftsgetrieben sind, sei ein weiterer großer Vorteil, sagte Desy-Chef Helmut Dosch: „So können sich die Gründerinnen und Gründer untereinander über die fachlichen Grenzen hinweg austauschen und viele Synergieeffekte erzielen.“

Wenig überraschend lobten anlässlich der Eröffnung am Montag auch Mieter in dem Gründerhaus das Konzept. „Dass wir hier einziehen konnten, ist für uns ein echter Glücksfall“, sagte Julian Becker, Chef der X-Spectrum GmbH, die Highend-Detektoren für die Forschung baut. „Wir haben zur Unterstützung jederzeit kompetente Ansprechpartner.“ Becker hob auch die Anbindung an den Desy-Campus hervor, wo so renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie und das Center for Free-Electron Laser Science ihren Sitz haben.

Hamburg soll mit Berlin und München konkurrieren können

Das neue Gründerhaus soll auch dazu beitragen, dass Hamburg mit Start-up-Metropolen wie Berlin und München konkurrieren kann. Oppositionspolitiker in der Bürgerschaft hatten in der Vergangenheit oft kritisiert, die Hansestadt fördere insbesondere Hochschulausgründungen viel zu wenig.

Der rot-grüne Senat bezeichnete die Eröffnung der Start-up Labs am Montag als „Meilenstein“ für die Science City Bahrenfeld. Die Pläne für dieses 2019 vorgestellte Großprojekt sehen vor, dass auf einer Fläche von etwa 125 Hektar am Altonaer Volkspark ein neuer Stadtteil entsteht, in dem Wissenschaft, Wirtschaft und Wohnen verzahnt werden.

Weitere Einrichtung für Start-ups in Hamburg geplant

Voraussichtlich im Jahr 2023 soll der Bau der „Desy Innovation Factory“ beginnen, einer weiteren Einrichtung für Start-ups und Unternehmenskooperationen in der Science City. Der Bund unterstützt das Vorhaben mit 95 Millionen Euro, die Stadt Hamburg zahlt 10,56 Millionen Euro dafür. Geplant sind zwei neue Gebäude, die zusammen eine Fläche von fast 11.000 Quadratmetern bieten werden. Davon profitieren sollen Firmen, die Erkenntnisse aus den Biowissenschaften und aus der Materialforschung für die Entwicklung neuer Anwendungen nutzen wollen.

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