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Corona: In diesen Kernfächern haben Kinder Lernrückstände

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Schulsenator Ties Rabe im Oktober vergangenen Jahres beim Besuch der Grundschule Sterntalerstraße.

Schulsenator Ties Rabe im Oktober vergangenen Jahres beim Besuch der Grundschule Sterntalerstraße.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Erste Studie zeigt: Corona-Lockdown sorgte für erhebliche Lernlücken. Doch in einer Disziplin legten Schüler überraschend zu.

Hamburg. Die Hansestadt legt als erstes Bundesland eine relativ breite wissenschaftlich fundierte Studie zu den Lernrückständen von Schülerinnen und Schüler im Zuge der Corona-Pandemie vor. Ergebnis: Während die Schulschließungen im ersten Lockdown nur zu geringen Lernrückständen bei Hamburgs Schulkindern geführt hat, haben die Schulschließungen im Frühjahr 2021 offensichtlich deutlich mehr Probleme verursacht. Besonders betroffen waren Kinder aus sozial belasteten Elternhäusern.

Die Lernstandsuntersuchung „Kermit 3“ weist nach, was viele Eltern, Pädagogen und Politiker schon befürchtet hatten: Hamburgs Drittklässlerinnen und Drittklässler haben im Vergleich zu früheren Jahrgängen deutliche Lernrückstände. Das gilt vor allem im Bereich Lesen und Mathematik für Kinder aus bildungsfernen Familien. Für „Kermit 3“ wurden mehr als 85 Prozent der Drittklässlerinnen und Drittklässler von ihren Lehrkräften mit einem hamburgweit gleichen Test in den Bereichen Leseverstehen, Hörverstehen, Rechtschreibung und Mathematik geprüft.

Corona: Lernrückstände in Mathe und im Lesen

Bei der Auswertung stellte das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) fest, dass die Gruppe der lernschwachen Kinder im Bereich „Lesen“ um rund 11,1 Prozent größer geworden ist. Dieser Trend falle bei Schulen in schwieriger sozialer Lage noch stärker aus, teilte die Schulbehörde am Freitagnachmittag mit.

Hier hat sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit schwachen Leseleistungen sogar um 13,6 Prozent erhöht. Im Bereich „Mathematik“ stieg der Anteil lernschwacher Drittklässler um 8,7 Prozent, auch hier waren Kinder aus Schulen in schwieriger sozialer Lage mit einem Anstieg von 11,2 Prozent besonders betroffen.

In einer Disziplin konnten sich Kinder überraschend verbessern

Nur bei der Rechtschreibung gab es eine erfreuliche Überraschung: Hier verbesserten sich die Leistungen der Kinder sogar. So sank der Anteil von Schülerinnen und Schüler mit besonders großen Rechtschreibproblemen je nach Schülergruppe um rund sechs bis zu 16 Prozent. Allerdings könne dieser Effekt auch damit zusammenhängen, dass der getestete Jahrgang als erster Jahrgang von der „Rechtschreiboffensive“ an den Hamburger Grundschulen profitierte, die Schulsenator Ties Rabe (SPD) eingeleitet hatte, heißt es aus seiner Behörde.

„Auch wenn ich mich über die ersten Erfolge unserer Rechtschreiboffensive freue, so bestätigen die Ergebnisse insgesamt meine Sorgen in Bezug auf die monatelangen Schulschließungen“, sagt Rabe, der sich im Verlauf der Pandemie stets dafür eingesetzt hatte, die Schulen so weit wie möglich offen zu halten. „Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule, und die Schulschließungen haben gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen zu deutlichen Lernrückständen geführt“, so Rabe.

Schulen machen Angebote, um Lernstoff aufzuholen

Es werde eine schwierige Aufgabe sein, diese Lernrückstände aufzuholen, sagte der SPD-Politiker, verwies aber auf „das größte Lernförderungsprogramm der letzten Jahrzehnte“, das seine Behörde umsetze. Vom Bund erhält Hamburg in diesem und dem kommenden Jahr rund 26 Millionen Euro für zusätzliche Lernförderkurse und weitere rund 26 Millionen Euro für Angebote zur sozialen und psychischen Stärkung der Kinder und Jugendlichen. Die Lernförderung steht auf drei Säulen: So gebe es kostenlose Lernkurse in den Ferien in kleinen Gruppen von rund acht Schülerinnen und Schülern pro Kurs. Rund 8000 Kinder nutzten dieses Angebot, um gerade in den Kernfächern Deutsch und Mathematik Lernstoff aufzuholen.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Im Programm „Anschluss“ können mehr als 20 Prozent aller Kinder der vierten Klassen nachmittags jede Woche von Mentoren vier zusätzliche Förderstunden in kostenlosen Lernkursen mit besonders kleinen Vierer-Lerngruppen erhalten (das Abendblatt berichtete). Bis zu 4000 Kinder können dieses neue Angebot nutzen, das von der „Zeit“-Stiftung unterstützt wird.

Hamburg überprüft Lernstände der Kinder systematisch

I Grund- und an weiterführenden Schulen wurde zudem die Lernförderung am Nachmittag aufgestockt. Die Teilnahme an allen Angeboten ist sowohl freiwillig als auch kostenlos.

Während der Pandemie waren Lernstandserhebungen deutschlandweit praktisch ausgesetzt worden. Gewerkschaften hatten gefordert, die Auswirkungen von Unterrichtsausfall und Homeschooling gezielt zu untersuchen und auch die Bundesregierung regte dies im Hinblick auf die Fördermittel für Lernförderung an. Hamburg überprüft als einziges Bundesland jedes Jahr die Lernstände aller Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 2, 3, 5, 7, 8 und 9 mit landesweiten Lernstandsuntersuchungen. Die Untersuchungen sollen den Lehrkräften Hinweise auf Erfolge, Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten bieten und ihnen bei der Verbesserung der Unterrichtsqualität helfen.

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