Corona Hamburg

Schulsenator Rabe erleichtert über neue Quarantäne-Regeln

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Schulsenator Ties Rabe (SPD) ist erfreut über die neuen  Quarantäne-Regeln für Hamburger Schülerinnen und Schüler (Archivbild).

Schulsenator Ties Rabe (SPD) ist erfreut über die neuen Quarantäne-Regeln für Hamburger Schülerinnen und Schüler (Archivbild).

Foto: dpa/Markus Scholz

Künftig müssen auch in Hamburg nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne, wenn ein Kind an Corona erkrankt ist. Daran gibt es auch Kritik.

Hamburg. Auch an Hamburger Schulen sollen nicht mehr automatisch ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden, wenn bei einem Kind das Coronavirus nachgewiesen wird.

Schulsenator Ties Rabe zeigte sich erleichtert: „Ich freue mich darüber, dass die praxisfremden Quarantäneregelungen des Robert-Koch-Instituts für die Schulen jetzt von der Gesundheitsministerkonferenz geändert wurden“, sagte er am Dienstag. „Die vom Robert-Koch-Institut festgelegten pauschalen 14-tägigen Quarantänen für ganze Schulklassen ohne Freitest-Möglichkeit waren im Vergleich zu anderen Lebensbereichen weit überzogen, weil die Krankheit bei Kindern und Jugendlichen milder und ungefährlicher verläuft als bei Erwachsenen“, so der SPD-Politiker.

Einfachere Quarantäne-Regeln auch an Hamburger Schulen

Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich am Montagabend mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Corona-Fällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, heißt in dem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund.

Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. „Im Interesse eines möglichst verlässlichen Schulunterrichts in Präsenz und zur Gewährleistung einer Betreuung der Kinder in den Kindertageseinrichtungen“ sei die Quarantäne, soweit infektiologisch vertretbar, „auf möglichst wenige Personen zu beschränken“, heißt es im Beschluss.

Künftig weniger Schülerinnen und Schüler in Quarantäne

Dank der neuen Regeln würden künftig wesentlich weniger Schülerinnen und Schüler in Quarantäne geschickt, so Schulsenator Rabe. Überdies können sie bereits nach fünf Tagen mit einem negativen Test die Quarantäne beenden.“

Hamburgs Gesundheitsämter, die für die Quarantäneanordnungen an den Schulen zuständig sind, werden die Neuregelung übernehmen, bestätigte die Sozialbehörde am Dienstag. Allerdings müssten noch einige Einzelheiten geklärt werden. Unklar sei etwa, ob die Schüler und Schülerinnen, die als Kontaktpersonen in Quarantäne sind, einen Antigen-Test nutzen könnten, um bei einem negativen Ergebnis wieder in die Schule gehen zu können – oder ob sie einen aufwendigeren, aber präziseren PCR-Test machen müssten. Auch werde derzeit geprüft, wie sich die Kinder überhaupt testen lassen können, da sie ja in Quarantäne sind und ein zu Hause gemachter Selbsttest nicht ausreicht, um die Quarantäne zu beenden. Diese Punkte würden derzeit intern mit den Gesundheitsämtern abgestimmt, sagte eine Sprecherin der Sozialbehörde.

Hamburger Grundschulleiterin: Konzept realitätsfern

Kritik an der Neuregelung kommt indes von einer Hamburger Grundschulleiterin: Gudrun Wolters-Vogeler nannte die Vereinbarung der Gesundheitsminister am Dienstag im RBB-Inforadio „realitätsfern“. Die Regeln gingen von einem „völlig veralteten Schulbild“ aus, sagte Wolters-Vogeler, Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland. „Sie gehen davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler ständig an festen Plätzen arbeiten“, kritisierte sie. Das entspreche nicht moderner Pädagogik: „Wenn wir gucken in dem Bereich Grundschule und Sekundarstufe 1, dann geht es da relativ viel um zum Beispiel Gruppenarbeit, Partnerarbeit“, so Wolters-Vogeler. Das heiße, die Schülerinnen und Schüler hätten im Laufe eines Schultags enge Kontakte nicht nur zu immer denselben Schülern. Die Gesundheitsminister hatten beschlossen, dass Schulkinder, die nicht in der Nähe der Infizierten saßen und deshalb nicht als enge Kontaktpersonen gelten, lediglich für eine gewisse Zeit intensiver getestet werden sollen – aber eben nicht in Quarantäne gehen müssen.

Die Vorsitzende der Dachorganisation der Schulleitungsverbände sprach sich dafür aus, dass Lehrerinnen und Lehrer nach ihrem Impfstatus befragt werden dürfen. Davon halte sie „sehr viel“, denn es bedeute, dass ein Lehrer nicht mit in Quarantäne müsse, wenn es einen Fall in einer Klasse gebe.

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