Schule Hamburg

Alarmierende Zahlen beim Gesundheitscheck der ABC-Schützen

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Schule in Hamburg: Von den neuen Erstklässlern waren nur weniger als die Hälfte bei der Schuleingangsuntersuchung (Symbolbild).

Schule in Hamburg: Von den neuen Erstklässlern waren nur weniger als die Hälfte bei der Schuleingangsuntersuchung (Symbolbild).

Foto: Jens Büttner / dpa

In Hamburg fiel die früher flächendeckende Schuleingangsuntersuchung weitgehend aus. Ein Bezirk fällt besonders auf. Die Gründe.

Hamburg. Einbruch bei der Gesundheitsvorsorge: Im Untersuchungsjahr 2020/21 wurden statt der sonst üblichen 100 nur 45 Prozent der einzuschulenden Kinder in Hamburg bei der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung durchgecheckt. Das antwortete der Senat auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Besonders wenige ABC-Schützen waren im Bezirk Harburg beim Gesundheitscheck. Hier haben nur rund 13 Prozent aller Kinder an der Schuleingangsuntersuchung teilgenommen, ein Rückgang um mehr als 75 Prozent.

Schule Hamburg – 9151 ABC-Schützen beim Gesundheitscheck

Von den 18.918 für den Gesundheitscheck vorgesehenen Hamburger Kindern wurden nur 9151 untersucht. Die Schuleingangsuntersuchung ermittelt den Gesundheits-, aber auch den Entwicklungsstand der Kinder, um frühzeitig etwaige Förderbedarfe festzustellen und darauf reagieren zu können.

"Die Zahlen machen mich wirklich fassungslos", sagt Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. "Die Schuleingangsuntersuchungen gibt es ja nicht ohne Grund. Nur wenn wir frühzeitig Förder- und Unterstützungsbedarfe der Kinder feststellen, können wir einen gleichberechtigten Schulstart ermöglichen. Ich erwarte, dass das jetzt schnellstmöglich nachgeholt wird."

Weniger Schuleingangsuntersuchungen – wegen Corona

Als Begründung für die schlechten Zahlen gibt der Senat unter anderem an, dass die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern aufgrund der Corona-Pandemie in anderen Dienststellen eingesetzt wurden. Eine größere Zahl offener Stellen im schulärztlichen Dienst gab es laut Senat nicht, auch wurden keine "Überlastungsanzeigen" gestellt, mit denen Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst bei Arbeitsüberlastung die Notbremse ziehen können.

Die Zahlen zu den offenen Stellen geben keinen Hinweis darauf, warum etwa in Harburg nur 13,07 Prozent der Kinder untersucht wurden, im Bezirk Nord dagegen 80,87 Prozent.

Schuleingangsuntersuchungen in den Hamburger Bezirken:

  • Hamburg-Mitte: 58,6 Prozent (Ist-Zahl für das Untersuchungsjahr 2020/2021)
  • Altona: 23,6 Prozent
  • Eimsbüttel: 46,2 Prozent
  • Hamburg-Nord: 80,9 Prozent
  • Wandsbek: 63 Prozent
  • Bergedorf: 28,8 Prozent
  • Harburg: 13,1 Prozent

Linkenfraktion: Gesundheitsdienst wurde kaputtgespart

Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, sagte: "Der öffentliche Gesundheitsdienst wurde jahrelang kaputtgespart und hatte schon vor Corona mit Personalmangel zu kämpfen. Das rächt sich in der Pandemie. Weil das Personal an anderer Stelle gebraucht wird, können die Gesundheitsämter wichtigen Aufgaben nicht mehr nachkommen." Sie müssten finanziell gestärkt werden, so Celik. Die dafür vom Bund bereitgestellten Mittel seien nicht ausreichend, Hamburg müsse da "nachsteuern“.

Laut Senat wurden die Gesundheitschecks im laufenden Jahr "aktuell wieder aufgenommen". Auch sie erfolgen mit eingeschränktem Personaleinsatz. Der Untersuchungszeitraum 2021 sei aber "noch nicht abgeschlossen".

( axö )

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