Hamburg

Stadt schützt Bäume an der Esplanade für 590.000 Euro

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Andreas Patrick
Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (r.) und Uwe Florin auf den neuen Parkplätzen an der Esplanade.

Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (r.) und Uwe Florin auf den neuen Parkplätzen an der Esplanade.

Foto: Michael Rauhe / HA

50 alte Linden stehen an den Parkplätzen der Hamburger Verkehrsader. Um sie zu schützen, wurde jetzt ein Pilotprojekt gestartet.

Hamburg. Die Flutkatastrophe in einigen Teilen Deutschlands hat gezeigt, wie unberechenbar Regen sein kann. Damit das Regenwasser in Zukunft besser im Boden versickert, sorgt der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im Rahmen einer allgemeinen Umbaumaßnahme der Esplanade für eine nachhaltige Erneuerung der dortigen Parkplätze. Es ist bereits das dritte Pilotprojekt dieser Art in Hamburg.

Die Auswahl des Ortes geschah nicht willkürlich: Zunächst sind die Parkplätze der Esplanade die Heimat von rund 50 Linden, die jeweils ein stolzes Alter von 100 bist 150 Jahren aufweisen. „Alle Hamburger lieben zu Recht unsere vielen Bäume an der Straße“, betonte Grünen-Verkehrssenator Anjes Tjarks. Gerade deswegen sei es wichtig, der Frage nachzugehen, wie es den bestehenden Bäumen geht, statt sich nur mit der Neupflanzung oder Fällung von Bäumen zu beschäftigen, erklärte er. Ziel sei es, „Lebensraum zu schaffen, wo bisher keiner war, und diesen Lebensraum dann auch erhalten zu können“, betonte Uwe Florin, Projektleiter und Verantwortlicher für den Schutz von Straßenbäumen beim LSBG.

Bäume an Esplanade brauchen mindestens 13 Prozent Luft im Boden

Das Projekt ist aufwendig: Zuerst werden bei den Bauarbeiten die bestehenden Betonflächen entfernt, um den darunterliegenden Boden mit Luftdruck aufzubrechen. Die dadurch entstandenen Risse werden mit einem organischen Gemisch, in dem Pilzsporen und Pflanzenkohle enthalten sind, ausgefüllt. So gelangen mehr Luft und Wasser in den Boden. Die Absicht dahinter beschreibt Flick wie folgt: „Wir vitalisieren dadurch diese Bereiche. Wir brauchen mindestens 13 Prozent Luft im Boden, damit die Wurzeln nicht absterben; bei bisherigen Parkplätzen liegen wir bei fünf bis zehn Prozent“.

Als finale Abdeckung dienen offenporige Kunststoffplatten. Durch sie kann fast 100 Prozent des Wassers versickern, und gleichzeitig sind sie so tragfähig, dass sich ein Auto darauf problemlos parken lässt. Den Wurzeln der zwischen den Parkplätzen stehenden Lindenbäume bleibt so mehr Platz, um in den Boden wachsen zu können. Günstig ist das Vorhaben nicht: Mit einem Materialeinsatz von 120 bis 180 Litern pro Baum belaufen sich die Gesamtkosten für die Stadt Hamburg auf rund 590.000 Euro.

Für Norbert Müller von der TFI Vitaleres Grün GmbH, der den LSBG bei der Sanierung berät, lohnt sich der Aufwand trotzdem: „Wir benutzen keine Instrumente, die dem Boden schaden. Wir arbeiten sehr bodenschonend.“ In den Niederlanden ist das Verfahren Standard, nun müsse man in Deutschland nachziehen, wobei Hamburg bereits als Vorzeigestadt gelte. Die Hamburger Bevölkerung muss übrigens keine Bedenken haben, dass dadurch Raum zum Parken verschwindet.

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