Schule in Hamburg

Geschichtsunterricht für Kinder im Bus mit „Historicus“

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Geschichtsunterricht im Bus: Bei der Fahrt lernen Schulklassen mit dem „Historicus“-Hörspiel von Irene Haarmeyer

Geschichtsunterricht im Bus: Bei der Fahrt lernen Schulklassen mit dem „Historicus“-Hörspiel von Irene Haarmeyer

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Geförderte Stadtrundfahrten sollen Hamburger Schulkindern historische Ereignisse und Fakten mit einem Hörspiel näherbringen.

Hamburg.  „Alster, Michel, Reeperbahn – ich flieg mit euch durch Zeit und Raum. Ich bin Historicus, ich zeige euch, was man wissen muss ...“, schallt es aus den Lautsprechern im blauen Doppel­deckerbus der „Stadtrundfahrt in Hamburg“. Denn am Mittwochmorgen startet am Hauptbahnhof keine normale Busfahrt. Vorbei an der Spitalerstraße und der Binnenalster, am Bahnhof Dammtor und rund um die Außenalster fahren die 44 Schülerinnen und Schüler der zweiten und vierten Klasse aus der Schule Rönnkamp heute – und hören dabei das Hörspiel von „Historicus“: Der lebt nicht in den normalen Regeln von Raum und Zeit.

Er fliegt von Ort zu Ort, von Zeit zu Zeit und liebt Geschichte. Um den Führerschein für seine Zeitmaschine zu machen, muss Historicus wichtige historische Ereignisse in Hamburg besuchen. Dabei helfen ihm die zwei Kinder Lilli und Filip.

Während die echten Grundschüler also auf dem Oberdeck des Busses Äpfel und Toastbrote essen, wundern sich Lilli und Filip im Hörspiel darüber, dass Hamburg im Jahr 845 ein großer Platz mit Soldatenhütten war und von Wikingern überfallen wurde.

Geförderte Stadtrundfahrten für Kinder in Hamburg

Nicht immer sind die Orte, um die es im Hörspiel geht, genau dieselben, die die Kinder auch vor den Busfenstern sehen: Auf den langen Strecken direkt an der Außenalster etwa erfahren sie allgemeine historische Fakten aus Hamburg. So lernen die Kinder, dass Gewürze im Jahr 1619 sehr kostbar waren und Pfeffer sogar reich machen konnte. „Ein Sack voll mit Pfeffer ist in dieser Zeit wertvoller als ein Sack voll mit Gold“, erklärt Historicus über die Buslautsprecher.

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Daher komme auch der Ausdruck „Pfeffersäcke“ für reiche Menschen. Dass die Schulklassen aber wirklich erst etwas über den Michel hören, wenn sie vor der Kirche stehen, dafür sorgt das GPS: Das Band spielt automatisch die entsprechenden Stellen im Hörspiel ab, wenn der jeweils passende der insgesamt 65 GPS-Punkte erreicht ist.

„Ich wollte, dass Kinder Geschichte ganz lebendig erfahren"

Mit an Bord bei der Premierenfahrt am Mittwoch sitzen die Autorin hinter „Historicus“, Irene Haarmeyer, und ihr Mann Jan, der die Lieder für das Hörspiel eingespielt hat. Irene Haarmeyer (64) hat eigentlich als Bauingenieurin gearbeitet und selbst drei Kinder. Als sie anfing, an „Historicus“ zu schreiben, waren Haarmeyers Kinder zwar schon erwachsen. Auf die Idee kam sie aber durch ihre Erfahrungen als Mutter: „Ich war lange Zeit mit meinen Kindern zu Hause. Ein Kind hatte Lernschwierigkeiten, deswegen musste ich mir schon immer überlegen, wie man Dinge einfacher und greifbarer machen kann“, sagt Haarmeyer.

„Ich habe auch neun Jahre ehrenamtlich in der Schule gearbeitet und versucht, Kinder mit Schwierigkeiten zu unterstützen.“ So entstand die Motivation zu „Historicus“: „Ich wollte, dass Kinder Geschichte ganz lebendig erfahren. Dass sie nicht denken: ,Geschichte ist langweilig und hat nichts mehr mit unserer Welt zu tun.‘ Sie ist spannend und kann Spaß machen.“

Seit der Veröffentlichung des 92 Seiten langen Textes vor acht Jahren haben die Haarmeyers das Angebot um „Historicus“ erweitert: Mit Unterstützung des Vereins Seiteneinsteiger, der sich für Leseförderung einsetzt, besuchen sie Schulen für musikalische Lesungen. Außerdem gibt es geförderte Theaterwerkstätten und Arbeitsblätter zum Buch. Seiteneinsteiger bereitet nun auch die geförderten Busfahrten für Schulklassen vor.

90 Minuten dauert eine Tour

Die Tour selbst ist auf Initiative der „Stadtrundfahrt“ entstanden. Das Buch „Historicus“ ist für Kinder ab der vierten oder der fünften Klassen geeignet. Für jüngere Kinder wie die der zweiten Klasse aus Schnelsen, die am Mittwoch auf Premierenfahrt ging, können Hörspiel und Bustour nun aber den Einstieg erleichtern, bevor sie die Inhalte im Unterricht durchnehmen.

90 Minuten dauert eine Tour, neben den über die Seiteneinsteiger geförderten Fahrten können Schulklassen auch einzelne Termine bei der „Stadtrundfahrt in Hamburg“ buchen. „Historicus“ begleitet von jetzt an auch die regulären Busse von „Stadtrundfahrt in Hamburg“, die alle halbe Stunde ab 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr starten. Während die Eltern den Informationen für Erwachsene zuhören, können Kinder auf Anfrage eigene Kopfhörer bekommen – und damit ganz alleine auf Zeitreise gehen.

Mehr zu „Historicus“ unter elbtraum-verlag.de. 3. bis 5. Klassen können sich unter info@ seiteneinsteiger-hamburg.de um eine Fahrt für bis zu zwei Klassen eines Jahrgangs (bis zu 70 Schülerinnen und Schüler) bewerben. Das Angebot ist für die ausgewählten Klassen kostenfrei,

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