Berufliche Hochschule

Bundesweit einmalig: Ausbildung mit Studium in Hamburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Peter Ulrich Meyer
Ties Rabe (SPD), seit 2011 Senator für Schule und Berufsbildung, in der Landespressekonferenz.

Ties Rabe (SPD), seit 2011 Senator für Schule und Berufsbildung, in der Landespressekonferenz.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Die einzigartige Berufliche Hochschule Hamburg nimmt Arbeit zum Wintersemester auf – mit deutlich weniger Studierenden als geplant.

Hamburg.  Die staatliche berufliche Bildung startet mit einem bundesweit einmaligen Angebot in das neue Schuljahr: Vom Wintersemester 2021/22 an nimmt die Berufliche Schule Hamburg (BHH) ihre Arbeit auf. In den Räumen der beruflichen Schule Anckelmannstraße (Borgfelde) können junge Menschen parallel zur dualen Ausbildung ein Bachelor-Studium absolvieren.

„Ein Nacheinander von Ausbildung und Studium ist sehr zeitaufwendig und auch häufig mit Wiederholungen verbunden, weil bestimmte Inhalte gleich zweimal gelernt werden müssen. Deswegen ist in Hamburg die Idee geboren worden, beide Ausbildungsgänge mit dem Ziel zusammenzufügen, dass Synergien gehoben werden und es schneller geht“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Die berufliche Ausbildung und das Bachelor-Studium sollen in nur vier Jahren abgeschlossen werden statt wie bislang in der Regel in sechs Jahren.

Bildung: BHH kooperiert mit Berufsschulen

Rabe betonte, dass die beruflichen Schulen und deren Lehrkräfte Partner der BHH seien, auch weil Inhalte der dualen Ausbildung beim Studium angerechnet werden und Lehrer das Konzept mitentwickelt haben. Zum Auftakt bietet die Hochschule fünf Ausbildungsgänge mit zwei Bachelor-Abschlüssen an: Die Ausbildung zu Bank- und Industriekaufleuten sowie zu Kaufleuten für Marketingkommunikation wird mit einem betriebswirtschaftlichen Studium kombiniert.

Die künftigen Fachinformatiker und Fachinformatikerinnen absolvieren parallel ein Informatikstudium. Der fünfte Ausbildungsgang verbindet eine handwerkliche oder gewerbliche-technische Ausbildung wiederum mit einem betriebswirtschaftlichen Studium.

Pandemie: Nur 100 statt 250 Teilnehmende

Die Pandemie hat auch den Auftakt der neuen Hochschule beeinträchtigt: Zum Wintersemester werden nur rund 100 junge Menschen ihr Studium aufnehmen. „Wir hatten uns einen besseren Start erhofft, aber die Corona-Lage hat überall auf das Gemüt und die Perspektiven gedrückt“, sagte Rabe. „Perspektivisch wünschen wir uns, dass in jedem Jahr 250 junge Menschen mit dieser studienintegrierenden Ausbildung beginnen“, sagte der Senator. Die Planungen für die Hochschule sind auf 1000 Studierende ausgelegt, verteilt auf vier Jahre.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch den Ausbildungsmarkt empfindlich getroffen: In Hamburg ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr um 13,5 Prozent oder 1821 Ausbildungsverhältnisse gesunken. Ursache dürfte vor allem eine größere pandemiebedingte Zurückhaltung der Unternehmen und Betriebe im Bereich der Ausbildung sein. Um jungen Menschen dennoch eine Perspektive zu bieten, haben die beruflichen Schulen ihre Angebote ausgebaut.

Kapazität der Ausbildungsvorbereitung erhöht

So wurden die Plätze der Berufsqualifizierung auf 600 verdoppelt. Bei diesem Angebot durchlaufen die jungen Menschen das erste Ausbildungsjahr in einem Beruf ihrer Wahl an der Berufsfachschule in Kooperation mit Betrieben und Bildungsträgern. Vielfach gelingt nach erfolgreicher Teilnahme der Sprung in eine duale Ausbildung in einem Betrieb oder in der Berufsschule. Zum Ende des Schuljahres 2020/21 konnten 302 junge Menschen aus der Berufsqualifizierung in die duale Ausbildung wechseln. Im Jahr zuvor waren es lediglich 147 Jungen und Mädchen.

Lesen Sie auch:

Auch die Kapazität der Ausbildungsvorbereitung (AvDual) wurde um 300 Plätze erhöht. „Die Ausbildungsvorbereitung nimmt diejenigen Schüler auf, die noch minderjährig sind, keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und noch unentschieden sind“, sagte Rabe. Durchschnittlich gelängen 41 Prozent aller AvDual-Schülerinnen und -Schüler der Wechsel in eine Berufsausbildung. Für das laufende Jahr werden die Übergangszahlen erst im Spätherbst ermittelt.

Auch Zahl der schulischen Ausbildungsplätze erhöht

Auch die Ausbildungskapazitäten in den Berufen, die ausschließlich an einer Schule gelernt werden, sind ausgebaut worden. Das betrifft unter anderem die Erzieherinnen und Erzieher, die sozialpädagogische und die medizinisch-technische Assistenz. „Wir haben gesagt, dass wir die Zahl unserer schulischen Ausbildungsplätze in diesen Bereichen so anheben, dass niemand unversorgt bleibt. Das alles hat ein bisschen zur Entspannung der Lage beigetragen“, sagte Rabe. Falls der Druck auf den Ausbildungsmarkt auch in diesem Jahr anhalte, werde der Senat die berufsschulischen Ausbildungskapazitäten erneut erhöhen oder auf dem erhöhten Stand halten.

„Die berufliche Bildung in Hamburg macht junge Menschen fit fürs Arbeitsleben. Das geschieht mit dem neuen Angebot der studienintegrierenden Ausbildung für Schulabsolventen mit Fachabitur oder Abitur. Für junge Menschen, die coronabedingt ohne Ausbildung waren, konnten wir über die Brücke Berufsqualifizierung einen Ausbildungsbetrieb finden“, sagte Sandra Gabarde, Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB).

54 berufsbildenden Schulen in Hamburg

Die 54 berufsbildenden Schulen (davon 30 staatliche) besuchen 50.200 Schülerinnen und Schüler (47.600 an den staatlichen). An den staatlichen Berufsschulen sind 37.007 junge Menschen in der Ausbildung, und 4115 nutzen die Angebote zum Übergang in Ausbildung. In der Weiterbildung zum Beispiel zum Techniker oder Betriebswirt sind 3828 Schülerinnen und Schüler, und 2571 bereiten sich zum Beispiel an einem beruflichen Gymnasium auf das Abitur oder Fachabitur vor.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg