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Immer mehr Hamburger Leihräder werden achtlos weggeworfen

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StadtRad: In Hamburg werden die Leihräder immer häufiger achtlos in Hecken geworfen und nicht an die Station abgestellt.

StadtRad: In Hamburg werden die Leihräder immer häufiger achtlos in Hecken geworfen und nicht an die Station abgestellt.

Foto: Alexander Josefowicz

Neben vielen Fahrradruinen an Bahnhöfen und Parkanlagen tauchen verstärkt kaputte Leihräder auf. Das sagt die Deutsche Bahn.

Hamburg. Hat das Fahrrad von Stadtrad ein Problem? Immer mehr der rot lackierten Leihfahrräder werden in Hamburg achtlos in Hecken geworfen und nicht mehr da abgestellt, wo sie nach Gebrauch hingehören: an die Station.

Die wenig pflegliche Behandlung der Fahrräder führt über den erhöhten Reparaturaufwand hinaus auch dazu, dass die Deutsche Bahn als Verleiher ihre Fahrzeuge suchen muss. Denn die irregulär „abgestellten“ Fahrräder sind nicht per GPS zu orten, sondern per Funktechnik nur im unmittelbaren Umkreis der Stationen auffindbar. Es bleibt also weitgehend dem Zufall überlassen, ob bzw. wann sie gefunden und ihrer Bestimmung wieder zugeführt werden können.

Fahrräder von Stadtrad werden häufig falsch abgestellt

„Ich beobachte immer wieder, dass Stadträder achtlos irgendwo hingeworfen worden sind, so dass klar ist: diese Räder wurden nicht ordnungsgemäß abgegeben, sondern nach Gebrauch quasi weggeworfen“, sagt der Hamburger Dieter Obele. „Seit dem Modellwechsel 2019 nimmt das langsam, aber stetig zu. Oft liegen die Räder wochenlang an der gleichen Stelle herum.“ Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bestätigte auf Abendblatt-Nachfrage Obeles Beobachtung.

Die gut 3300 Fahrräder von Stadtrad sind an mehr als 230 festen Stationen per App, Karte oder Schlüsselanhänger zu entleihen, aber eben auch wieder zurückzugeben. Sie sind mit dem Stationsseil fest mit der Station verbunden, bis ein zahlender Kunde sich identifiziert und das Rad entriegelt. Die ersten 30 Minuten sind frei, danach kostet es. Für den ganzen Tag werden zwölf Euro fällig.

ADFC hält Verlustquote von zehn Prozent für hoch

Die Bahn sieht in der Entwicklung kein Problem. Es gebe nur „vereinzelt Fälle, wo die Räder nicht korrekt an den Stationen abgestellt werden“, sagte eine Bahnsprecherin. Insgesamt seien seit Einführung der neuen Räder im Februar 2019 rund 300 Stück wegen Totalschaden oder Verlust neu angeschafft worden. Die Räder seien aber so robust, dass sich auch mutwillig beschädigte Bikes in der Regel wieder Instand setzen ließen.

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Der ADFC hält eine Verlustquote von zehn Prozent für hoch. Da liegt die Bahn noch nicht. Angaben zu Schadenshöhen machte die Bahn nicht. Auch die Kosten für die Wiederbeschaffung eines Rades wollte sie unter Hinweis auf den harten Wettbewerb der Verleiher nicht nennen.

Stadtrad – regulär eingeloggte Nutzer nachverfolgbar

„Wir verzeichnen vereinzelt Betrugsfälle beim Registrieren von Accounts“, sagte die Bahnsprecherin. Dann versuchen „Kunden“, gebührenfrei an ein Kundenkonto zu kommen, um die Räder umsonst entkoppeln und fahren zu können. Die Bahn bringt diese Fälle „konsequent zur Anzeige“, sagte die Sprecherin. Probleme mit Sicherheitslücken seien ihr „nicht bekannt“.

Es waren Vermutungen laut geworden, dass die Codes der Räder geknackt und die Räder so entriegelt werden oder Sicherheitscodes der Techniker in Umlauf geraten sein könnten, die es Unbefugten erlauben, die Räder unerkannt und kostenfrei zu nutzen. Die zuletzt regulär eingeloggten Nutzer sind laut Bahn nachverfolgbar und folglich zu identifizieren, wenn sie Schäden an den Rädern produzieren.

Sie würden die Unregelmäßigkeiten aber in der Regel melden. Zur Kasse gebeten werden sie laut Bahn allenfalls dann, wenn die Beschädigungen nachweisbar auf den Entleiher zurückgehen. Verschließteile ersetzt die Bahn routinemäßig auf eigene Kosten.

Hamburgs Velorouten im Überblick

  • Route 1: City–Altona–Othmarschen–Blankenese–Rissen
  • Route 2: City–Eimsbüttel–Stellingen–Eidelstedt
  • Route 3: City–Rotherbaum/Uni–Niendorf
  • Route 4: City–Harvestehude–Winterhude–Alsterdorf–Fuhlsbüttel–Langenhorn
  • Route 5: City–Uhlenhorst–Barmbek–Bramfeld–Poppenbüttel–Duvenstedt
  • Route 6: City–Hohenfelde–Dulsberg–Farmsen–Berne–Volksdorf
  • Route 7: City–St. Georg–Eilbek–Wandsbek-Markt–Jenfeld–Rahlstedt
  • Route 8: City–Borgfelde–Hamm–Billstedt–Bergedorf
  • Route 9: City–Hammerbrook–Rothenburgsort–Moorfleet–Allermöhe–Bergedorf
  • Route 10: City–HafenCity–Veddel–Wilhelmsburg–Harburg–Neugraben
  • Route 11: City–Alter Elbtunnel–Wilhelmsburg–Harburg–TU Hamburg
  • Route 12: City–St. Pauli-Landungsbrücken–Altona
  • Route 13: Innere Ringroute: Altona–Eimsbüttel–Winterhude–Barmbek–Eilbek–Hamm
  • Route 14: Äußere Ringroute: Othmarschen–Schnelsen–Niendorf–Poppenbüttel–Billstedt
( Axel Ritscher )

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