Radschnellwege

„Fahrrad-Autobahnen“: Das sind die Routen Richtung Hamburg

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Edgar S. Hasse
Solche gut ausgebauten Radwege sollen mehr Pendler zu Fahrradfahrern machen.

Solche gut ausgebauten Radwege sollen mehr Pendler zu Fahrradfahrern machen.

Foto: Metropolregion Hamburg

Die Metropolregion wird bundesweit Vorreiterin für die schnellen Radwege. Jetzt stehen die genauen Routen fest. Alle Infos.

Hamburg. Schnell von Elmshorn bis nach Hamburg. Nicht mit dem Auto. Nicht mit der Bahn, sondern mit dem E-Bike oder Tourenrad auf einer gut ausgebauten, rund 32 Kilometer langen „Fahrrad-Autobahn“ über Tornesch, Pinneberg, Halstenbek bis zum geplanten Fernbahnhof Diebsteich.

Was für die 60.000 Pendler in dieser Region noch nach einer Utopie klingt, hat seit Montag eine reale Basis: Die Metropolregion Hamburg bekommt ein 300 Kilometer langes Netz von Radschnellwegen. Die meisten davon führen direkt in die Hansestadt als Herz dieser Wachstumsregion mit ihren insgesamt fünf Millionen Einwohnern in 1000 Städten und Gemeinden.

Hamburg: Radschnellwege für Fahrradfahrer im Norden

Radschnellwege sind hochwertige, maximal vier Meter breite, innerorts beleuchtete Trassen nur für Fahrradfahrer. Sie dienen dazu, Pendlerverkehre verstärkt mit dem Fahrrad zu realisieren, Staus zu vermeiden und den Verkehr insgesamt zu verflüssigen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums wird in Deutschland zurzeit in zahlreichen Städten und Regionen der Bau von Radschnellwegen mit einer Streckenlänge von insgesamt 1400 Kilometern untersucht. Die prognostizierten Kosten für ihren Bau sind je nach Streckenführung unterschiedlich. Sie betragen zwischen 600.000 bis zu 1,5 Millionen Euro, und das pro Kilometer.

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Für acht von neun Trassen in der Metropolregion liegen jetzt die Machbarkeitsstudien mit der genauen Streckenführung vor. Andreas Rieckhof (SPD), Vorsitzender des Regionalrats der Metropolregion und Staatsrat in der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation, jedenfalls ist begeistert: „Das ist gut für das Klima, für die Umwelt und für die Menschen, die damit etwas für die eigene Fitness tun.“

Radschnellwege von Schleswig-Holstein nach Hamburg

Damit sei erstmals in Deutschland ein regionales Radschnellnetz entwickelt worden, das sich an eine halbe Million Pendlerinnen und Pendler in vier Bundesländern richte. Insbesondere in urbanen Zentren wie Hamburg und Lübeck könnten Radschnellwege Entlastung auf den Straßen bringen. Allein in Niedersachsen sind 140 Kilometer Radschnellweg geplant. „Wir verfolgen bei uns das Ziel, den Anteil des Radverkehrs bis 2025 von 15 auf 20 Prozent zu steigern“, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU).

In Schleswig-Holstein sind es fünf Radschnellwege, vier davon führen direkt nach Hamburg, sagt Pinnebergs Landrätin Elfi Heesch (parteilos). Sie möchte allerdings lieber von einem „Radboulevard“ sprechen, denn man könne auch langsam auf dem Radschnellweg unterwegs sein. In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Trasse zwischen Schwerin und Wismar im Gespräch – allerdings derzeit mit einer „Pause in der Umsetzung“, wie es im Landkreis Nordwestmecklenburg heißt.

Die geplanten Radschnellwege auf einen Blick:

Elmshorn nach Hamburg (rund 32 Kilometer, Anschluss an Hamburger Velo-Routen); Bad Bramstedt nach Hamburg (40 Kilometer, Baumaßnahme altes Gütergleis U1); Ahrensburg nach Hamburg-Wandsbek (10 Kilometer; Strecke heute schon befahrbar, Haltepunkt Volksdorf); Geesthacht nach Hamburg (24 Kilometer, Verbindung mit neuen Stadtteil Oberbillwerder); Lüneburg nach Hamburg (50 Kilometer, bis in die City); Tostedt nach Hamburg (32 Kilometer; Bau von neuen Brücken); Stade nach Hamburg (55 Kilometer, Naturschutzinteressen aufgrund des Wachtelkönigs sind zu berücksichtigen); Radschnellweg Lübeck (11 Kilometer).

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Wer sich schon jetzt darauf freut, demnächst auf den Fahrradsattel zu steigen, um auf einem dieser Radschnellwege zu fahren, muss sich jedoch in Geduld üben. Wie Kirsten Pfaue, Leiterin Koordination Mobilitätswende in der Hamburger Verkehrsbehörde, sagt, kann der Zeitpunkt der Inbetriebnahme nicht seriös geschätzt werden. Es müssten zunächst Planfeststellungsverfahren durchgeführt, die Bürgerinnen und Bürger beteiligt und Fördermittel akquiriert werden. Das brauche Zeit. Zunächst würden daher einzelne Abschnitte einer Trasse gebaut.

Vorbild für Radschnellwege sind die Niederlande

Großes Vorbild für solche Projekte sind die Niederlande. Dort tragen sie nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) erfolgreich dazu bei, den Verkehr vom Auto aufs Fahrrad zu bringen. Das Netz ist inzwischen deutlich über 300 Kilometer lang. Der weltweit erste Radschnellweg hatte übrigens im Jahr 1900 seine Premiere. Er verband die US-Städte Los Angeles und Pasadena. Die erste deutsche Radschnelltrasse entstand in Wuppertal.

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