Hamburger Lernferien

Pauken im Sommer – zusammen mit dem Schulsenator

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Ties Rabe in der Helmuth-Hübener-Stadtteilschule.

Ties Rabe in der Helmuth-Hübener-Stadtteilschule.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Wie laufen die „Lernferien“? Ties Rabe spricht mit Mädchen und Jungen, zieht eine erste Bilanz und beharrt auf Präsenzunterricht.

Hamburg.  Lernen in den Ferien – wie das funktioniert, schaute sich Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag in der Barmbeker Helmuth-Hübener-Stadtteilschule an. In der Aula traf er Schü­lerinnen und Schüler. Sie saßen an Tischen, hielten ihre Aufgabenblätter und Stifte in der Hand – auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Bild, denn noch sind Sommerferien. „Was lernst du?“, fragte Rabe den 13 Jahre alten Saif Algasam.

„Verben, Nomen und sonstige Wörter ...“, sagte der Jugendliche, als Rabe sich über sein Arbeitsheft beugte. Saif lernt in den Ferien Deutsch, Englisch und Mathe. Wie viele Mitschülerinnen und Mitschüler nimmt er an den „Hamburger Lernferien“ teil und möchte den Schulstoff nachholen, den er wegen der coronabedingten Schulschließungen verpasste oder nicht verstand.

Mehr als 240 Hamburger Schulen beteiligen sich an den Lernferien

An der Barmbeker Stadtteilschule begann das Ferienprogramm erst am Montag, andere Einrichtungen hatten bereits ein bis zwei Wochen zuvor Kurse angeboten. Nach Angaben der Schulbehörde sind es mehr als 240 Hamburger Schulen, die sich an den Lernferien beteiligen. Das ermögliche mehr als 9000 Kindern und Jugendlichen die Teilnahme, schätzte Schulsenator Rabe, 120 davon an der Stadtteilschule Helmuth
Hübener.

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Am Montag waren es allerdings nur 80 Jugendliche, die den Weg ins Schulgebäude gefunden hatten. „Morgen werden es mehr sein“, sagte Schulleiterin Barbara Kreuzer. Dafür hatte sie gesorgt, denn am Vormittag rief sie die Eltern der fehlenden Ferienschülerinnen und -schüler an. „Jedes Kind, das hier was lernt, lohnt sich“, sagte sie.

Unterricht in den Ferien übernehmen Honorarkräfte

Als die Schulleiterin die Jugendlichen aus der Aula ins Klassenzimmer rief, wartete sie bereits oben. „Ihr werdet einen besseren Schulstart haben, als viele eurer Kolleginnen und Kollegen“, so Kreuzer. „Ich wünsche euch, dass ihr ganz viel mitnehmen könnt und am Donnerstag in einer Woche gut ins neue Schuljahr starten könnt.“

Den Unterricht in den Ferien übernehmen Honorarkräfte, die die Schulleiterin eingestellt hat. Nach Angaben des Senators sind es vor allem Lehramtsstudierende, die sich zuvor mit den Lehrkräften abgesprochen haben. „Diese Verzahnung ist sehr, sehr wichtig. Die Themen sollen kein Fremdkörper sein.“

Senator Rabe hält an Schulöffnungen fest

Rabe zufolge sei die Stadtteilschule hinsichtlich des Ferienprogramms eine Vorreiterin. Schon vor acht Jahren habe die Schule Ferienkurse angeboten. Die coronabedingten Lernferien gingen dabei hamburgweit erst ins zweite Jahr und würden insgesamt zum vierten Mal angeboten. Das Programm soll zunächst bis 2022 fortgesetzt werden. Eine Verlängerung schließt der Schulsenator nicht aus.

Das neue Schuljahr beginnt am Mittwoch, 4. August. Trotz steigender Infektionszahlen möchte Rabe den Schulbesuch nicht nur für Ferienschüler ermöglichen. Er pocht weiterhin auf eine generelle Öffnung. „Ich glaube, wir können in Hamburg sehr zuversichtlich sein, dass wir die Schulen ordentlich öffnen.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 557 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 113.604), 196 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 50), 1888 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert: 246,5 (Stand: Sonntag)
  • Schleswig-Holstein: 443 neue Corona-Fälle (94.836), 173 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 42). 1788 Todesfälle (+1). Sieben-Tage-Wert: 150,8; Hospitalisierungsinzidenz: 4,36 (Stand: Sonnabend).
  • Niedersachsen: 2151 neue Corona-Fälle (372.432), 202 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung in Krankenhäusern, 6327 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert: 212,2; Hospitalisierungsinzidenz: 7,2 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 795 neue Corona-Fälle (71.700), 352 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 77), 1325 (+3) Todesfälle, Sieben-Tage-Wert: 389,3; Hospitalisierungsinzidenz: 9,8 (Stand: Sonnabend).
  • Bremen: 119 neue Corona-Fälle (39.504), 71 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 22), 543 Todesfälle (+3). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 214,3; Bremerhaven: 242,2; Hospitalisierungsinzidenz Bremen: 6,53, Bremerhaven: 9,69 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzwerte getrennt nach beiden Städten an).

Es gibt Unterricht nach Stundenplan. Da fällt nichts aus, und die Kinder können im Klassenverband lernen“, sagte er am Montag. Das Sicherheitskonzept sei viel umfangreicher als in anderen Lebensbereichen: Masken, Abstände und bis zu den Herbstferien auch Luftfilter. Gänzlich ausschließen könne er erneute Einschränkungen aber nicht.

Anders als im vergangenen Jahr wünscht sich Rabe, dass Kinder und Jugendliche demnächst zuerst drankommen – und ist in dieser Hinsicht zu­versichtlich. Er spricht von einem Umdenken unter Wissenschaftlern und Politikern, was mögliche coronabedingte Schließungen angeht: „Die Schulen zu allerletzt – und wirklich zu allerletzt.“

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