Münzviertel

Warum Viva con Agua in Hamburg ein Hotel eröffnen will

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Juliane Lauterbach
Die gemeinnützige Organisation Viva con Agua will in Hamburg ein zwölfstöckiges Hotel eröffnen.

Die gemeinnützige Organisation Viva con Agua will in Hamburg ein zwölfstöckiges Hotel eröffnen.

Foto: Villaviva

Die zwölfstöckige Villa Viva soll 2023 fertig sein. Was neben einer Campingetage und Art-Rooms noch geplant ist.

Hamburg. Von einem Hotel will hier eigentlich niemand sprechen. Lieber von einem Gasthaus. Einem inspirierenden Ort für alle, der ein ganz besonderes Lebensgefühl vermittelt und Gutes tut. Und so wurde bei der Projekt-Präsentation, die gestern in einem Zirkuszelt stattfand, schnell klar, dass dieses Hotel – nennen wir es ausnahmsweise so – etwas anders funktionieren wird als sonst üblich.

Hier im Münzviertel zwischen Deichtorhallen und Hauptbahnhof beginnt in diesen Tagen der Bau der sogenannten Villa Viva, ein soziales Gasthaus, das von Viva con Agua und Heimathafen Hotels erdacht wurde und nun gemeinsam umgesetzt wird. Mit dem Geld, das hier quasi im Schlaf erwirtschaftet werden soll, sollen Wasserprojekte auf der ganzen Welt unterstützt werden. Die Initiatoren sprechen von einem „Haus, das Brunnen baut“.

Viva con Agua eröffnet Hotel in Hamburg

Und so wird deutlich: Trotz der geplanten 12,5 Stockwerke und Platz für rund 300 Übernachtungsplätze: Eine reine Bettenburg wird die Villa Viva, die 2023 eröffnet werden soll, keinesfalls werden Neben Gästezimmern – auch eine „Camping-Etage“ mit einfachen Betten gehört dazu – soll es eine Vielzahl künstlerisch gestalteter Art-Rooms geben, Konferenz- und Galerieräume, eine RoofDrop Bar, das Restaurant Viva Cantina und viele weitere Extras.

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Die Villa Viva ist nach dem Mineralwasser, dem Kunstverkauf über die MillerntorGallery, dem sozialen Klopapier und der Seife von Goldeimer insgesamt das vierte soziale Geschäftsmodell im Ökosystem von Viva con Agua.

Spektakulär ist auch die Finanzierung

Spektakulär bei diesem Vorhaben ist auch die Finanzierung. Denn: „Obwohl Viva con Agua selbst keinen Cent investiert und alle nötigen Investitionen von einer Gruppe von Investoren getätigt wurden, die ihr Geld lieber sozial- als profitorientiert anlegen, erhalten die Viva con Agua Stiftung und der Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. die Mehrheit der Anteile an dem Geschäftsmodell“, so Carolin Stüdemann, geschäftsführender Vorstand bei Viva con Agua.

Für Besucher verspricht sie neben einem „inspirierenden Erlebnis“ durch das Eintauchen in die Welt von Viva con Agua auch, dass mit jeder Übernachtung Trinkwasserprojekte auf der ganzen Welt unterstützt werden.

Ein Ort für Kreativität und Nachhaltigkeit

Jens Sroka, Geschäftsführender Gesellschafter der Heimathafen Hotels, musste nicht lange zum Mitmachen überredet werden. „Wir freuen uns, diesen Weg gemeinsam mit Viva con Agua zu gehen und Bestandteil dieses einzigartigen Projekts zu sein.“

Auch die Stadt Hamburg unterstützt das soziale Gästehaus. „Mit der Vergabe des Grundstücks über eine Konzeptausschreibung haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dass sich im Herzen Hamburgs ein Ort entwickeln kann, der für Kreativität, Nachhaltigkeit und Weltoffenheit steht”, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), der das Vorhaben als „Leuchtturm der Gemeinwohlökonomie“ bezeichnete.

Auch die Belange des Münzviertels mit ins Boot geholt

Bei den Planungen, das machten alle Initiatoren deutlich, habe man auch die Belange des Münzviertels mit ins Boot geholt. Ein Vorgehen, dass bei den Bewohnern vor Ort offenbar gut ankam. So betonte Günter Westphal von der Stadtteilinitiative Münzviertel, dass man zwar eigentlich keine Hotels mehr möge, weil diese in der Regel kein Interesse am Gemeinwesen zeigen würden. In diesem Fall aber sei man optimistischer: „Wir haben uns gegen dieses Projekt nicht gewehrt, und wir haben erfahren, dass man auf Augenhöhe mit uns gesprochen hat.“

Auch optisch wird die Villa Viva neue Akzente setzen. „Die Fassade ist mit Künstlern entwickelt worden, ist zum Teil begrünt und wird mit aufgefangenem Regenwasser bewässert“, erklärt Leon Roloff, Geschäftsführer der Urban Future Development GmbH. Aspekte der Nachhaltigkeit ziehen sich durch den gesamten Bau: von Dreifachverglasung über den Einsatz von Solarenergie und nachhaltigen Materialien bis hin zu wassersparenden Duschsystemen.

Namhafte Künstler unterstützen das Projekt

Für das Gesamtprojekt haben Viva con Agua und Heimathafen auch namhafte Künstler für die Unterstützung gewinnen können. So übernimmt etwa Moderatorin Barbara Schöneberger die Gestaltung der gehobenen Zimmerkategorie „Dicke Hose 1“, die Gestaltung von „Dicke Hose 2“ übernimmt Rapper Jan Delay. Wer nicht auf dicke Hose machen kann oder möchte, soll in der Villa Viva aber genauso gut unterkommen können. Die günstigsten Preise liegen bei 19 Euro pro Nacht.

Wer nicht bis 2023 warten möchte, um sich einen Eindruck von dem Villa-Viva-Konzept zu verschaffen, der sollte bei seinem nächsten Kapstadt-Besuch daran denken. Dort wurde nämlich Anfang des Jahres die erste Villa Viva eröffnet. Das Modell sei „weltweit skalierbar“, so die Initiatoren. Und in Zukunft sollen noch möglichst viele weitere Standorte hinzukommen.

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