Mobilitätswende

Bike+Ride wird in Hamburg auf 40.000 Plätze ausgebaut

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Ulrich Gaßdorf
Das neue Fahrradparkhaus an der U-Bahn-Haltestelle Kellinghusenstraße wurde Ende Mai eingeweiht – genutzt wird es allerdings wenig

Das neue Fahrradparkhaus an der U-Bahn-Haltestelle Kellinghusenstraße wurde Ende Mai eingeweiht – genutzt wird es allerdings wenig

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Abstellplätze für Fahrräder sollen nicht nur an U- und S-Bahn-Haltestellen, sondern auch an Fähranlegern der Hadag entstehen.

Hamburg.  Das Bike+Ride-Angebot in Hamburg soll deutlich ausgebaut werden. Die Zahl der Stellplätze an den U- und S-Bahnhöfen soll von derzeit 24.100 auf mehr als 40.000 bis zum Jahr 2030 steigen. Bis 2025 soll es in der Hansestadt bereits rund 28.000 Stellplätze für Fahrräder geben – dafür sind 31 Millionen Euro eingeplant: „Wir haben ein ehrgeiziges Ziel für die Mobilitätswende in ganz Hamburg. Der Anteil der umweltverträglichen Verkehrsmittel soll bis 2030 von 64 auf 80 Prozent steigen. Dafür bringen wir nachhaltig den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur sowie des ÖPNV voran. Beides denken wir vernetzt und ganzheitlich.

Synchron zum Bau der großen Schnellbahnprojekte S 4, U 5 und U 4 sollen an den neuen Bahnhöfen B+R-Abstellanlagen entstehen“, sagte Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, dem Abendblatt. Der Grünen-Politiker kündigte weiter an: „So ermöglichen wir Pendlerinnen und Pendlern aus der äußeren Stadt sowie dem Umland, aber auch Alltagsradlerinnen und Radlern innerhalb der Stadt einen schnellen und komfortablen Umstieg vom Rad in die Bahn und umgekehrt. Das zahlt auf die Mobilitätswende und auf den Klimaschutz gleichermaßen ein.“

Bike+Ride in Hamburg: Künftig auch an Fähranlegern

Neu ist, dass künftig an den Fähranlegern, an denen die Hadag-Schiffe halten, auch Bike+Ride-Anlagen gebaut werden sollen. Insgesamt sollen in Hamburg im Rahmen des Bike+Ride-Ent­wicklungskonzeptes pro Jahr mindestens 1200 Stellplätze für Fahrräder entstehen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt sieben Anlagen mit rund 1200 neuen Stellplätzen eröffnet: und zwar am S-Bahnhof Alte Wöhr sowie an den U-Bahn-Haltestellen Hammer Kirche, Langenhorn Nord, Lohmühlenstraße, Oldenfelde, Volksdorf und Wandsbek-Gartenstadt.

In diesem Jahr ist Ende Mai das Fahrradparkhaus an der Kellinghusenstraße eröffnet worden (wir berichteten). In dem Parkhaus befinden sich 600 Stellplätze und 400 weitere im Umfeld der Haltestelle. Allerdings: Das erste Hamburger Fahrradparkhaus, das rund drei Millionen Euro gekostet hat, scheint bisher noch nicht so genutzt zu werden, wie erhofft und geplant. Wie berichtet, waren in der vergangenen Woche bei einem Besuch des Abendblatts vor Ort, gerade einmal sieben Stellplätze besetzt. Das obere Stockwerk war sogar komplett leer. Der Sprecher der Verkehrsbehörde, Dennis Heinert, sagte damals: Für ein Zwischenfazit sei es noch zu früh, und das gute Wetter motiviere die Leute, nicht, die Bahn zu nehmen, sondern die gesamte Strecke mit dem Fahrrad zu fahren.

800 neue Abstellplätze an acht weiteren Standorten

An acht weiteren Standorten, unter anderem an den Haltestellen Neugraben, Lattenkamp und Poppenbüttel, entstehen noch in diesem Jahr insgesamt weitere 800 neue Abstellplätze.

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Für Lars Pochnicht, Radverkehrs­experte der SPD-Bürgerschaftsfraktion, steht fest: „Wir sind in Hamburg auf einem guten Weg, die Verbindung von Fahrrad und Nahverkehr weiter zu stärken und damit die Straßen in der Hansestadt zu entlasten. Für uns ist klar, dass der ÖPNV vor allem dann attraktiv ist, wenn er mit anderen Verkehrsmitteln harmoniert.“ Das Bike+Ride-Entwick­lungskonzept, das von 2013 bis 2015 entwickelt wurde, trage diesem Gedanken Rechnung. Auch in Zukunft setze die SPD auf die weitere Verzahnung der Verkehrsangebote und ein Plus an Angeboten, um die Mobilitätswende voranzubringen, so Pochnicht weiter.

Umgesetzt wird das Bike+Ride-Entwicklungskonzept von der städtischen Park+Ride-Betriebsgesellschaft: „Mit der Ausweitung des Bike+Ride-Angebotes schaffen wir einen echten Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden. Einfache Bügel für das schnelle Abstellen, überdachte Stellplätze für Witterungsschutz und zudem gesicherte Mietstellplätze. Aufgrund der steigenden Nachfrage machen wir unser Bike+Ride-Entwicklungskonzept jetzt fit für die Zukunft und die Erfordernisse der Mobilitätswende“, sagte Geschäftsführer Jan Krampe dem Abendblatt.

Der Park+Ride-Chef verspricht: „Für jeden Stellplatz gilt: Wir bieten eine hohe Qualität und sorgen gemeinsam mit unseren Partnern dafür, dass die Abstellanlagen sauber und in gepflegtem Zustand sind.“

1200 neue Stellplätze sollen 2022 gebaut werden

Auch im kommenden Jahr sind 1200 neue Stellplätze geplant, unter anderen an den Standorten Ottensen, Wilhelmsburg, Mittlerer Landweg, Wellingsbüttel und Lutterothstraße.

Aber nicht nur für die Fahrradfahrer wird das Angebot ausgebaut, auch für Autofahrer: Am Bahnhof Harburg soll in Kürze mit der Erweiterung des ­Park+Ride­-Parkhauses gestartet werden. Die Anzahl der Parkplätze soll um 200 auf 1100 steigen.

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