Stadtentwicklung

Hamburger City: Das steckt hinter dem Millionenprogramm

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Der Gerhart-Hauptmann-Platz kann neues Leben gut vertragen.

Der Gerhart-Hauptmann-Platz kann neues Leben gut vertragen.

Foto: Thorsten Ahlf

Das Thalia Theater könnte demnächst den Gerhart-Hauptmann-Platz bespielen. Welche anderen Ideen bisher gesammelt wurden.

Hamburg.  Geld zumindest ist schon mal da: Erst in der vergangenen Woche präsentierten Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) und Oberbaudirektor Franz-Josef Höing ein Millionenprogramm für die Hamburger Innenstadt: In den kommenden Jahren sollen bis zu 50 Millionen Euro investiert werden, etwa um die Neugestaltung des öffentlichen Raumes am Hopfenmarkt und den Burchardplatz voranzutreiben.

Nun sollen die Ideen hinzukommen: Denn viele Plätze in der Hansestadt erinnern eher an Platzwunden, der Burchardplatz inmitten des Weltkulturerbes und der Hopfenmarkt als Keimzelle der Stadt werden bislang vor allem als Parkraum genutzt.

Gemeinschaftsprojekt mit dem Hamburg Konvent

Zusammen mit dem Hamburg Konvent und der Körber-Stiftung will die Patriotische Gesellschaft mit der Initiative „Altstadt für alle“ Leben auf die Plätz bringen. In einem Onlinebeteiligungsformat suchten am Montagabend 85 Teilnehmer nach Lösungen für den Gerhart-Hauptmann-Platz, den Speers­ort/Bei der Petrikirche und den Gertrudenkirchhof. „Die Folgen der Pandemie haben weltweit das öffentliche Leben in der Stadt erheblich verändert. Auch Hamburg muss seine Innenstadt nach der Pandemie neu erfinden“, sagte Wibke Kähler-Siemssen, Geschäftsführerin der Patriotischen Gesellschaft von 1765. „Darin spielen die Belebung der öffentlichen Räume und der Steigerung der Aufenthaltsqualität oft eine zentrale Rolle.“

Nun gehe es darum, die Bürger stärker einzubeziehen. Die Initiativen wollen einen Startpunkt für eine offene Bürgerbeteiligung setzen, um den Wandel der Innenstadt gemeinsam zu gestalten. „Die Stadt braucht jetzt konkrete Experimente und keine langen Planungsprozesse“, sagte Kähler-Siemssen. „Im besten Fall könnte das schon im Spätsommer zu Reallaboren führen.“ Mit der Initiative „Altstadt für alle“ gelang im Spätsommer 2019 etwas Ähnliches. Das Konzept „Fußgängerfreundliches Rathausquartier“ wurde umgesetzt – einige Straßen waren vorübergehend verkehrsberuhigt, Gastronomen stellten Tische heraus, Parkbuchten wurden zu Treffpunkten.

Verbesserte Aufenthaltsqualität für Hamburger Orte

„Ideen sind uns herzlich willkommen“, sagte denn auch Senatorin Stapelfeldt. Und betonte: „Die Entwicklung der Innenstadt ist ein Gemeinschaftsprojekt. Die Corona-Pandemie hat die Dringlichkeit noch verstärkt, Antworten zu finden.“ An erster Stelle stehe die verbesserte Aufenthaltsqualität der markanten Orte, sagte die Senatorin. Von zentraler Bedeutung seien zudem bessere Fußwege zwischen der Altstadt und der HafenCity: „Es ist eine Innenstadt“. Insgesamt wünsche sie sich eine größere Nutzungsvielfalt, also mehr Wohnen in der Stadt – und eine Entschleunigung über eine Verringerung des Verkehrs. „Deshalb stärken wir den öffentlichen Personennahverkehr, bauen mehr Fahrradwege und schaffen bessere Fußwege.“

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In drei Arbeitsgruppen ging es danach um konkrete Ideen für die Plätze. „Der Gerhart-Hauptmann-Platz hat viel mehr Potenzial“, sagte etwa Thalia-Intendant Joachim Lux und kündigte an, den Platz mit seinem Ensemble bespielen zu wollen. „Das könnte ein großartiger Ort sein, der die Binnenalster mit der HafenCity verbindet.“ Im ersten Lockdown hatten die Schauspieler eine Poesie-Ambulanz erfunden und Gedichte als Rettungsanker im Internet vorgetragen.

Ideen für Hamburg werden gesammelt und aufbereitet

Die Idee: Im Sommer könnten Vertreter des Ensembles auf einer Freiluftbühne kurze Texte vorlesen oder wie ein Trailer Teile aus Schauspielen präsentieren. Weitere Ideen für den Platz zwischen der „Perle“ und dem Karstadt-Warenhaus kamen aus der Runde der Interessierten – ob Kinder-Olympiade, eine Speakers’ Corner, Fassadenbegrünung, eine Verkehrsberuhigung des Alstertors oder ein großes Kunstwerk oder größere Gastronomie für den Platz.

Diese Ideen – wie auch die Anregungen für den Platz bei der Petrikirche und den Gertrudenkirchhof – werden nun gesammelt, aufbereitet und weiterentwickelt und möglicherweise bald Teil eines Reallabors. Denn der Sommer hat schon begonnen ...

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