Stadtentwicklung

Sieht so die Zukunft der Hamburger Innenstadt aus?

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Juliane Lauterbach

Alsterpromenade, Untertunnelung und Markthalle mit Gastronomie: Die CDU will die Belebung der City zur Chefsache machen.

Hamburg. Gerade einmal eine Woche, nachdem die Handelskammer Hamburg ihren Zukunftsplan für die City vorgestellt hat, hat die CDU-Fraktion nun mit einem eigenen Konzept nachgelegt. Dieses weist in einigen Punkten Parallelen auf, setzt aber auch neue Impulse.

Klar ist: Die vergangenen Monate der Corona-Pandemie haben die teils schon seit Jahren bestehenden Probleme der Innenstadt weiter verstärkt und Schwachstellen sichtbar werden lassen: zunehmender Leerstand, ein verändertes Kaufverhalten und der Faktor, dass die City als Anziehungspunkt immer weiter ins Abseits gerät. Der Handlungsdruck ist vielleicht so groß wie nie.

Hamburger CDU definiert sechs Handlungsfelder

Und so setzt das Konzept der CDU neben Langfristplanungen den Fokus auch auf Punkte, die zeitnah – am besten noch in diesem Sommer – umsetzbar sind. Außerdem macht Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, deutlich: „Das Thema muss Chefsache werden. Wir fordern einen Innenstadtbeauftragten, der sich mit konzentrierter Kraft für das Herzstück Hamburgs einsetzt.“

Sechs Handlungsfelder sind in dem Konzept definiert, mit denen die City einen Aufschwung erfahren soll. Erster Punkt: der Einzelhandel. Dieser soll durch besondere Angebote wie Einkauf in der Nacht und zusätzliche Öffnungszeiten attraktiver gemacht werden. Auch Autofahrer werden bedacht. So soll etwa das Parken in den besucherarmen Zeiten subventioniert werden.

Gutes Stellplatzangebot für Autos

Die CDU betont: „Wir begrüßen es, wenn viele Menschen mit Bus und Bahn oder mit dem Rad in die Innenstadt kommen. Aber gleichzeitig bedarf es auch weiterhin eines guten Stellplatzangebots für Menschen, die mit dem Auto kommen möchten oder auf ein Auto angewiesen sind“, so CDU-Fraktionschef Dennis Thering.

Weitere Vorschläge zu diesem Themenfeld finden sich unter dem Handlungspunkt Mobilität. Neben einem eigenen Verkehrskonzept für die Innenstadt sollen demnach auch innovative Möglichkeiten wie automatisiert fahrende Pendeldienste genutzt werden.

Maßnahmen für Hamburgs Gastronomie

Verkehrsberuhigte Bereiche und Nachbesserungen im Fuß- und Radverkehr stehen ebenfalls im Programm: So sollen Stolperfallen beseitigt, Velorouten fertiggestellt und Schutzkonzepte für Fußgänger entwickelt werden. Weitere Idee: Mit der Wiederbelebung des Linienbetriebs der Alsterschifffahrt soll die Innenstadt zusätzlich angebunden werden.

Auch für die Gastronomie sieht das Konzept eine Reihe von Maßnahmen vor. Hier geht es um mehr Flexibilität und freie Konzepte wie Food-Events und Pop-up-Restaurants. Zentral ist aber auch die Idee einer innerstädtischen Markthalle wie es sie etwa in Barcelona gibt. „Durch ein größeres und vielfältigeres gastronomisches Angebot wollen wir auch mehr Belebung in den Abendstunden erreichen“, heißt es in dem Papier.

Neue Veranstaltungshalle und Sportplätze

Unter dem Punkt Kultur/Aktivitäten/Tourismus bündelt die CDU weitere Maßnahmen: Neben einem neuen Hammaburgplatz, der die frühen Ursprünge der Stadt sichtbar machen soll, ist eine Kernidee, dass im Grunde die ganze Innenstadt bespielt und Plätze für kulturelle Angebote genutzt werden sollen. Ein neu eingesetzter Kurator soll die Koordinierung des Kulturprogramms übernehmen.

Ebenso ist von einer neuen Veranstaltungshalle sowie neuen Spiel- und Sportplätzen die Rede. Diese gebe es schließlich bisher nur im Bereich der HafenCity. Anke Frieling bezeichnete dies als ein Defizit sowohl für Anwohnerinnen und Anwohner als auch für Familien. Kleinere Sportmöglichkeiten wie Skateanlagen und Kletterparcours sollen hier Abhilfe schaffen.

Dächer, Wege, Plätze: Mehr Grün wo immer möglich

Der Aspekt, das Wohnen in der City zu stärken, ist ein wesentlicher Teil des Konzeptes. Nach Vorstellungen der CDU-Fraktion soll das Wohnen bei Neubauprojekten demnach künftig immer mitgedacht werden. Weiter sollen vermehrt Gewerbe- in Wohnflächen umgewandelt werden. Einen weiteren Punkt hob Frieling in dem Zusammenhang bei der Präsentation des Konzeptes hervor: Wieso nicht eine Seniorenwohnanlage in der City ansiedeln? „Bisher gibt es altersgerechtes Wohnen gar nicht oder nur kaum im innerstädtischen Bereich.“

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Punkt sechs nimmt unter dem Titel Umgestaltung/ Grün/ Wasser die räumliche Gestaltung und Anordnung der Innenstadt als Ganzes sowie die Verbindungen und Achsen in den Blickpunkt. „In Anbetracht der wachsenden HafenCity wird es immer wichtiger, diesen neuen Teil der Innenstadt mit dem alten zu verknüpfen“, heißt es. So sollen mehr attraktive Routen zwischen dem Dreieck Landungsbrücken, Rathaus und HafenCity geschaffen werden. Hier soll es einen Wettbewerb mit Architekten und Verkehrsplanern geben, um neue Ideen zu entwickeln.

Alsterpromenaden-Konzept wird aufgegriffen

Eingang in das Konzept findet auch der Vorschlag, die Willy-Brandt-Straße zu untertunneln und damit eine Schneise zu schließen. Die Handelskammer hatte dazu vor einigen Jahren ein Konzept entwickelt. Auch das Alsterpromenaden-Konzept von 2018 ist Teil des neuen Ideen-Portfolios. An der Alster soll mehr Platz für Gastronomie, Veranstaltungen und einen Strandclub entstehen. Und ganz grundsätzlich soll für die gesamte City gelten: Mehr Grün wo immer möglich.

Anke Frieling betont: „Natürlich können nicht alle Ideen von jetzt auf gleich umgesetzt werden.“ Bei einigen Punkten aber gebe es keinen Grund zum Warten. „Als kurzfristige Maßnahmen sehen wir die Schaffung flexiblerer Öffnungszeiten, die schnelle und unkomplizierte Genehmigung zusätzlicher Flächen für Außengastronomie, das Sommerprogramm auf Plätzen und Flächen der Innenstadt, Parkrabatte an bestimmten Wochentagen sowie flexible und kurzfristige Genehmigungen für Veranstaltungen, Kunstmärkte und Aktionstage für Kinder.“ Bei der Frage der Finanzierung der Maßnahmen verweist sie auf verschiedene Corona-Hilfstöpfe – etwa den Stabilisierungsfonds – die noch nicht ausgeschöpft seien.

Anke Frieling: Gesamtkonzept für Hamburg fehlt bisher

Nun ist es nicht so, dass sich nicht auch der Senat Gedanken zur Zukunft der Innenstadt gemacht hat. Die Entwicklung der City war schließlich auch Teil der Koalitionsverhandlungen. Zen­trale Projekte sind der autoarme Jungfernstieg, der Umbau des Ballindamms und die Verlagerung des Busverkehrs von der Mönckebergstraße in die Steinstraße. Anke Frieling von der CDU sagt dazu: „Aus unserer Sicht sind es zu viele Einzelmaßnahmen. Was bisher fehlt, ist das Gesamtkonzept für die Innenstadt, das auch die Verkehrsfragen bündelt.“

Welche Schritte nun als Nächstes geplant seien? Laut Dennis Thering sollen die Einzelmaßnahmen nun nach und nach zu Anträgen gemacht und in die Bürgerschaft eingebracht werden.

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