Mediendialog Hamburg

Tschentscher würdigt Bedeutung der Medien in Corona-Krise

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Wer bestimmt die öffentliche Meinung?

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Die 400 Teilnehmer diskutierten über Herausforderungen des Medienwandels. Der Mediendialog Hamburg war hochkarätig besetzt.

Hamburg. Jedes Jahr treffen sich beim Mediendialog Hamburg Hunderte Verantwortliche aus Medien- und Kommunikationsunternehmen, Verbänden, Medienaufsicht und Wissenschaft. Im Fokus der Veranstaltung im Hamburger Rathaus: die Herausforderung des Medienwandels. Wegen der Corona-Pandemie fand der Senatsempfang am Mittwoch digital statt, die Konferenz im kleineren Kreis direkt im Anschluss.

Zur Eröffnung des Mediendialogs Hamburg 2021 sprach die "Tagesthemen"-Moderatorin Pinar Atalay mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor rund 400 Gästen über die Bedeutung der Medien in der Corona-Krise. Eine zweite Runde mit Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, Google-Deutschland-Chef Philipp Justus und RBB-Intendantin Patricia Schlesinger diskutierte darüber, wer inzwischen den öffentlichen Diskurs bestimmt.

Tschentscher: Medien haben in Corona-Krise besondere Verantwortung

„In einer demokratischen Gesellschaft sind Aufklärung über die Infektionsrisiken, das Bewusstsein für die Bedeutung des Infektionsschutzes und die Akzeptanz der erforderlichen Beschränkungen entscheidend für die Pandemiebekämpfung", sagte Tschenstcher. Als Vermittler von Informationen trügen die Medien in dieser Zeit eine besondere Verantwortung.

"Die Nachfrage nach Unterhaltungsangeboten, aber auch das Bedürfnis nach verlässlichen und aktuellen Informationen sind in der Corona-Pandemie gestiegen – das ist gut für die Branche", so Tschentscher. Er betonte zugleich, dass Medienhäuser neue digitale Prozesse organisieren und Umsatzeinbußen in klassischen Geschäftsfeldern kompensieren müssten.

Mediendialog Hamburg mit Julia Becker und Mathias Döpfner

Im zweiten Teil der Konferenz diskutierte eine hochkarätige Runde zu der Frage, welche Rolle soziale Medien in unseren Gesellschaften einnehmen. Unter den Teilnehmern waren unter anderem ZDF-Intendant Thomas Bellut, Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer, Rainer Beaujean, Vorstandssprecher ProSiebenSat.1 Media, Bernd Reichart, Geschäftsführer RTL Deutschland, Petra von Strombeck, CEO New Work, Hannes Ametsreiter, Chief Executive Officer von Vodafone Deutschland, sowie der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.

Zugeschaltet wurden beim Mediendialog Hamburg auch Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, zu der auch das Hamburger Abendblatt gehört, sowie Kommunikationswissenschaftler Uwe Hasebrink und ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Studie #UseTheNews: Informationskluft zwischen Jugendlichen

Während der Konferenz stellte Hasebrink, Direktor des Leibniz-Instituts für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut Hamburg, die Ergebnisse einer Studie zu Nachrichtennutzung und -kompetenz junger Menschen vor. Partner aus Medien, Wissenschaft, öffentlichen Institutionen und Zivilgesellschaft haben in dem langfristig angelegten Projekt #UseTheNews erforscht, wie die Nachrichtennutzung und -kompetenz im digitalen Zeitalter erfolgt. Im Mittelpunkt stehen Menschen unter 30 Jahren.

Laut Studie gibt es zwischen den 14- bis 24-Jährigen erhebliche Unterschiede: Die einen nutzen auch journalistische Quellen regelmäßig, andere können mit herkömmlichen Nachrichten nur wenig anfangen. „Journalistische Anbieter sollten Wege entwickeln und erproben, die Alltagsrelevanz ihrer Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene herauszustellen und gleichzeitig zu zeigen, dass sie aufgrund ihrer Kompetenzen und Arbeitsweisen besser als andere Informationsanbieter in der Lage sind, relevante Informationen zu liefern“, so das Fazit von Hasebrink.

Funke-Aufsichtsratsvorsitzende: Wellenlänge junger Menschen treffen

Die Funke-Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker, die per Videoschalte an dem Mediendialog Hamburg teilnahm, sitzt dem #UseTheNews-Kuratorium vor. „Gerade weil Jugendliche die sozialen Medien so intensiv nutzen, braucht es solide recherchierten, verlässlichen Journalismus, der auf Fakten und Vielstimmigkeit setzt, nicht auf eine Agenda, die Algorithmen oder Influencer festgelegt haben", sagte sie.

Mehr denn je leisteten Verlage diese demokratiebewahrende Arbeit. Becker: „Wir müssen bei aller Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit jedoch auch die Wellenlänge junger Menschen treffen – etwa durch digitale Formate wie Podcasts, Videos oder Online-Beiträge direkt aus der Lebenswelt dieser Generation.

Soziale Netzwerke für viele Jugendliche Informationsquelle

Auch Hamburgs Kultursenator Brosda hob hervor, dass die Bedeutung sozialer Netzwerke für den öffentlichen Diskurs kaum mehr zu überschätzen sei. "Für große Teile der Jugend sind sie zur zentralen Informationsquelle geworden", sagte er. "Zugleich nehmen die Plattformbetreiber über ihre Nutzungsbedingungen deutlich Einfluss darauf, wer was in der digitalisierten Öffentlichkeit sagen kann.

Es sei zudem wichtig, zu verstehen, wie Medien heute rezipiert werden. Brosda: "Hier gibt uns die Studie #UseTheNews wichtige Hinweise und will auf differenzierte Weise wachrütteln. Das Bemühen um mehr Nachrichtenkompetenz in Deutschland kann nur auf eine längere Sicht verfolgt werden." Diese Langfristigkeit zeichne das Projekt #UseTheNews besonders aus.

( HA )

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