Hamburg

So sieht Hamburgs Radweg der Zukunft aus

| Lesedauer: 6 Minuten
Andreas Dey
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Harburgs Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen testeten am Freitag Hamburgs erste "Protected Bike Lane", mit der das Radfahren sicherer werden soll.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Harburgs Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen testeten am Freitag Hamburgs erste "Protected Bike Lane", mit der das Radfahren sicherer werden soll.

Foto: Behörde für Verkehr und Mobilitätswende

Eine Erhöhung trennt die "Protected Bike Lane" von der Straße. Noch in diesem Jahr soll es zwei weitere solcher Radwege geben.

Hamburg. Die Zukunft des Radverkehrs in Hamburg sieht auf den ersten Blick recht schlicht aus: Ein 2,10 Meter breites Asphaltband mit den üblichen, weißen Piktogrammen, daneben eine 50 Zentimeter breite und rund zwölf Zentimeter hohe Barriere aus Kantensteinen und grauer Pflasterung.

Doch genau diese unscheinbare Erhöhung ist der Clou der Geschichte: Sie trennt den Radweg von der daneben liegenden Straße – optisch und physisch. Überfahren mit dem Auto? Mal kurz auf dem Radweg parken? Das ist hier an der Hannoverschen Straße in Harburg nicht mehr möglich. Daher gilt dieses 550 Meter lange und insgesamt 2,60 breite Band als „Protected Bike Lane“, zu deutsch „geschützter Radweg“.

Verkehrssenator weiht Protected Bike Lane ein

Und weil es der erste dieser Art in Hamburg ist, ist an diesem Freitagmorgen mächtig Auftrieb an dieser sonst entlegenen Ecke zwischen Harburger Bahnhof und der Alten Harburger Elbbrücke. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) ist da – wie üblich ist er mit Rad aus Altona angereist. Auch Harburgs Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen ist die kurze Strecke vom Harburger Rathaus hierher geradelt. Diverse Planer, Marketingleute und fast alle Hamburger Medien sind da.

Die Fragen wiederholen sich: Warum braucht Hamburg geschützte Radwege? Warum an dieser Stelle? Wo wird es noch welche geben?

Tjarks twittert Video zum geschützten Radweg:

Die erste Frage ist relativ einfach zu beantworten. „Wir wissen aus diversen Umfragen, dass sich rund 45 Prozent der Radfahrer unsicher fühlen – weil sie noch jung oder schon älter sind oder aus anderen Gründen“, erklärt Tjarks. Eine der meistgeäußerten Wünsche sei, Radweg und Fahrbahn baulich voneinander zu trennen – daher setze man das nun um.

„Wir bauen in Hamburg Radwege, die die Menschen wollen und auf denen sie – unabhängig von Alter, Tempo oder Ziel – sicher sind und sich sicher fühlen“, so Tjarks. Natürlich wünsche er sich, dass durch solche Maßnahmen noch mehr Menschen animiert fühlen, aufs Rad zu steigen.

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Radfahrstreifen auf der Straße bei Familien unbeliebt

Zur Wahrheit dazu gehört, dass vor alle die Hamburger Grünen lange die Strategie verfolgt hatten, Radwege auf die Straße zu legen – und sich dabei auf Experten beriefen, die diese Verkehrsführungs als besonders sicher lobten, weil die Radler dadurch im Sichtfeld von Auto- und Lkw-Fahrern unterwegs sind und nicht so leicht übersehen werden können.

Insbesondere bei Familien mit Kindern und älteren Verkehrsteilnehmern stoßen diese „Radfahrstreifen“ aber auf wenig Gegenliebe. „Möglichst im Sichtfeld des Kfz-Verkehrs zu fahren, bleibt richtig“, sagt Tjarks. Dennoch nehme man den Wunsch nach getrennter Führung ernst und setze ihn um. Überzeugen ließ er sich davon unter anderem schon vor Amtsantritt bei einem Besuch in Kopenhagen, wo es fast nur „Protected Bike Lanes“ gibt und der Radverkehr oft seine eigenen Trassen hat, inklusive eigener Brücken.

Verkehrssenator lobt den "sehr innovativen" Bezirk Harburg

Auch das möchte er gern auf Hamburg übertragen und verweist auf positive Beispiele im Süden wie eine Drehbrücke im Binnenhafen oder die Alte Harburger Elbbrücke, die schon seit Jahrzehnten nur Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist: „Dafür müssen wir gar nicht nach Kopenhagen fahren.“

Ohnehin sei das Bezirksamt Harburg sehr „innovativ“, wenn es um gute Lösungen für den Radverkehr gehe, lobte der Verkehrssenator und verwies auf das geplante unterirdische Fahrrad-Parkhaus am Bahnhof – mit 1200 Stellplätzen und eigener Werkstatt wird es das größte in Hamburg. Bezirksamtsleiterin Fredenhagen nahm den Ball auf und freute sich über die „Vorreiterrolle“ ihres Bezirks für die Hansestadt: „Wir alle wollen Hamburg zur Fahrradstadt machen. Diese Protected Bike Lane ist ein Beitrag dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger sicher radfahren können.“

Hannoversche Straße: Gesamtbaukosten 2,6 Millionen Euro

Die Antwort auf die Frage, warum gerade hier, ist überraschend schlicht: In erster Linie stand für die Hannoversche Straße ohnehin eine Grundinstandsetzung samt neuer Entwässerungsanlagen an – daher hat man die Chance genutzt, in dem Zuge gleich einen geschützten Radweg anzulegen.

Die Gesamtbaukosten lagen bei 2,6 Millionen Euro. Zweitens ist die Straße aber auch Teil der Veloroute 11, einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung zwischen Harburg und der Hamburger Innenstadt, und drittens hat sie nötige Breite für so einen Radweg.

Hamburgs Velorouten im Überblick

  • Route 1: City–Altona–Othmarschen–Blankenese–Rissen
  • Route 2: City–Eimsbüttel–Stellingen–Eidelstedt
  • Route 3: City–Rotherbaum/Uni–Niendorf
  • Route 4: City–Harvestehude–Winterhude–Alsterdorf–Fuhlsbüttel–Langenhorn
  • Route 5: City–Uhlenhorst–Barmbek–Bramfeld–Poppenbüttel–Duvenstedt
  • Route 6: City–Hohenfelde–Dulsberg–Farmsen–Berne–Volksdorf
  • Route 7: City–St. Georg–Eilbek–Wandsbek-Markt–Jenfeld–Rahlstedt
  • Route 8: City–Borgfelde–Hamm–Billstedt–Bergedorf
  • Route 9: City–Hammerbrook–Rothenburgsort–Moorfleet–Allermöhe–Bergedorf
  • Route 10: City–HafenCity–Veddel–Wilhelmsburg–Harburg–Neugraben
  • Route 11: City–Alter Elbtunnel–Wilhelmsburg–Harburg–TU Hamburg
  • Route 12: City–St. Pauli-Landungsbrücken–Altona
  • Route 13: Innere Ringroute: Altona–Eimsbüttel–Winterhude–Barmbek–Eilbek–Hamm
  • Route 14: Äußere Ringroute: Othmarschen–Schnelsen–Niendorf–Poppenbüttel–Billstedt

Weitere Protected Bike Lanes an Esplanade geplant

Wo die nächsten geschützten Radwege entstehen, ist auch schon klar: an der Esplanade sowie dem Dammtordamm in der Innenstadt, und zwar noch in diesem Jahr. „Es werden nicht die letzten sein“, orakelt Tjarks – wobei ihm und den Verkehrsplanern klar ist, dass nicht übermäßig viele Straßen in Hamburg für diese recht aufwendige Lösung geeignet sind.

Immerhin: Wenn kommende Woche der nationale Radverkehrskongress in Hamburg stattfindet, auf dem es unter anderem darum geht, wie der Bund bis 2030 rund 1,5 Milliarden Euro in den Radverkehr investieren will, kann Hamburg in Harburg ein kleines Vorzeigeprojekt vorweisen. Das ist übrigens noch nicht ganz fertig: Bis Ende 2021 wird die „Protected Bike Lane“ an der Hannoverschen Straße noch einmal um 220 Meter verlängert.

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