Ausflugstipps

Die besten Osterspaziergänge an Hamburgs unbekannten Flüssen

| Lesedauer: 6 Minuten
Edgar S. Hasse
Entlang der Bille lassen sich schöne Osterspaziergägnge unternehmen.

Entlang der Bille lassen sich schöne Osterspaziergägnge unternehmen.

Foto: picture alliance

In diesem Jahr locken Entdeckertouren abseits von Alster und Elbe. Tipps für Routen an Wandse, Flottbek, Bille und anderen Flüssen.

Hamburg. Auf zu neuen Ufern! Wer beim Osterspaziergang diesmal ungewohnte Pfade gehen will, ist an kleinen Flüssen und Bächen genau richtig. Sie stehen nicht im Rampenlicht von Elbe und Alster, sondern heißen Flottbek, Wandse, Bille, Wedeler Au und Trave. Das Abendblatt stellt fünf Touren entlang dieser Fließgewässer vor. Schließlich sind, frei nach Goethe, vom Eise befreit nicht nur Strom, sondern auch Bäche.

Wandse: Von Alster nach Rahlstedt

Jahrelang galt die Wandse, die in Siek bei Rahlstedt entspringt und an der Schwanenwikbrücke in die Alster mündet, als Sorgenkind der Umweltschützer. Inzwischen hat sich die Wasserqualität verbessert. In diesen Tagen sprudelt in dem Flüsschen reichlich klares Wasser, in dem sich sogar Bachforellen tummeln. Los geht die 14 Kilometer lange Tour durch den „Wandsegrünzug“ am Schwanenwik.

Sie führt weiter zum Eilbekkanal, in dem Hamburgs erste Hausboote schwimmen, über Friedrichsberg bis zu den Tonndorfer Feuchtwiesen. Dort leben Eisvögel und Fledermäuse. Staunend können die Spaziergänger schließlich in Alt-Rahlstedt eine alte Feldkirche aus dem 11./12. Jahrhundert entdecken, während unweit ihrer Gemäuer die Wandse wild über die Steine plätschert.

Flottbek: Auf nach Teufelsbrück

Leicht hatte es die nur 2,4 Kilometer lange Flottbek nicht. Sie wurde vielerorts begradigt und teilweise verrohrt. Allerdings ist sie einen Pakt mit dem Teufel eingegangen: Die Teufelsbek ist ihr einziger natürlicher Zufluss. Professor Ernst Schaumann ist ehrenamtlicher Wander- und Reiseleiter beim Naturschutzbund Nabu in Hamburg. Er empfiehlt, die gut drei Kilometer Wandertour entlang der Flottbek im Botanischen Garten der Universität in Klein Flottbek zu beginnen.

„Denn das Quellgebiet lässt sich hier lokalisieren“, sagt er. Weiter geht es Richtung Jenischpark. Gleich am Anfang nimmt die Flottbek die von Bahrenfeld kommende Teufelsau (Teufelbek) auf, was einen Stausee erfordert. Hier lohnt der Blick auf Enten, Bläss- oder Teichhühner. Auch Graureiher wurden schon gesehen, sagt Schaumann. Weiter geht es durch das Naturschutzgebiet „Unteres Flottbektal“ im Jenischpark. Bis die Flottbek im Teufelsbrücker Hafen in die Elbe mündet.

Bille: Reif für die Insel

Hier wird nicht gewandert, sondern flaniert. Wir sind auf einer Insel, mitten in der City – der Billerhuder Insel. In Ro­thenburgsort umspült die 65 Kilometer lange Bille, die bei Trittau entspringt, das rund 38 Hektar große Eiland. Die Billerhuder Insel ist fest in der Hand der Kleingärtner, aber öffentlich auf zahlreichen Wegen zugänglich. Fichten, Pappeln und Birken ragen keck in den Himmel, der in diesen Tagen nur selten blau ist. In den Gärten blühen Narzissen und Forsythien um die Wette.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flutkatastrophe von 1962 fanden hier zahlreiche Hamburger in Behelfsheimen ein neues Zuhause. Es sind feste Häuser, knapp 80 Quadratmeter groß. Heutzutage liegen 80 Grundstücke direkt an der Bille, die der Spaziergänger von außen bestaunen kann. Der Ausschläger Billdeich ist die Zufahrtsstraße zum Bille-Kleinod, in dem Eisvögel, Nutrias, schwarze Flusskrebse und wohl auch in diesem Frühjahr viele Nacktschnecken leben.

Wer partout nicht reif für die Insel ist, sollte den Billewanderweg absolvieren. Er führt von Bergedorf entlang der in natürlichen Mäandern fließenden Bille und am Reinbeker Schloss vorbei nach Aumühle. Das eiszeitlich geprägte Billetal mit Gleithängen, Quellmooren, Teichen, Stillwasser-, Bruch- und Röhrrichtzonen bietet Tieren und Pflanzen einen einzigartigen Lebensraum und Wanderern schöne Fotomotive.

Wedeler Au: Bis zu den Seglern

Dass 12,5 Kilometer lange Flüsschen gilt als das wichtigste Freizeitrevier in Hamburgs Westen. An Land sind Reiter, an der Mündung in die Elbe Segler unterwegs. Nabu-Wanderleiter Ernst Schaumann empfiehlt als Startpunkt die Sülldorfer Feldmark, die vom S-Bahnhof Sülldorf leicht zu erreichen ist. Ziel der zwölf Kilometer langen Wanderung ist die Mündung der Wedeler Au in die Elbe. „Die Tour führt uns durch landschaftlich besonders ansprechende Beispiele von Marsch und Geest“, sagt er.

In Wedel ist die Au zum Mühlenteich gestaut. Schließlich geht es hinunter bis zum Elbdeich. Dort thront unübersehbar das Gebäude des Sperrwerks auf dem Deich, „und wir können zuschauen, wie sich unser Fluss in die große Elbe ergießt“, sagt Chemie-Professor Ernst Schaumann, der an der Technischen Universität Clausthal gelehrt hat.

Trave: Rendezvous mit Pilgern

Bernd Lohse, Pilgerpastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, steht auf einem rund 800 Meter langen Holzsteg, der durch das Brenner Moor bei Wolkenwehe (Schleswig-Holstein) führt. In unmittelbarer Nähe fließt gemächlich die Trave.

Sie kreuzt den Jakobsweg. Wer in Wolkenwehe bei Bad Oldeloe sein Fahrzeug parkt, kann einige Kilometer weit entlang der Trave wandern und damit einen kleinen Teil des Pilgerweges zurücklegen. Im Brenner Moor, wo aus rund 500 Meter Tiefe salziges Wasser an die Oberfläche sprudelt, wachsen Schilfröhricht und Pflanzen wie die Bottenbinse und der Stranddreizack, die sonst nur an den Gestaden der Nordsee gedeihen.

Nur wenige Kilometer von der Kreisstadt Bad Oldesloe entfernt, erstreckt sich zwischen Hamburg und Lübeck dieses einzigartiges Naturschutzgebiet an der Trave. „So nah – und doch so weit weg“, sagt Pilgerpastor Lohse. Und meint damit, dass man hier, mitten im Moor, bei weitem Blick in den Himmel und fernab vom Lärm der Metropolen Entspannung und Ruhe finden kann.

Es lohnt ein Zwischenstopp im Kloster Nütschau und in der Fischerei Kneeden Quell (Kneeden 8, Bad Oldesloe). Dort können Besucher frischen oder geräucherten Fisch kaufen. Wo er herkommt? Natürlich aus der Trave.

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