Hamburg-Mitte

SPD-Mann will sich in den Bundestag schwindeln und scheitert

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Täuschung bei der SPD Hamburg-Mitte: Yannick Regh hat bei der Aufstellung der Delegierten im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Täuschung bei der SPD Hamburg-Mitte: Yannick Regh hat bei der Aufstellung der Delegierten im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Foto: Yannick Regh

Der Jung-Politiker Yannick Regh bewarb sich in der SPD Mitte um die Kandidatur. Eine List sollte ihm einen Vorteil verschaffen.

Hamburg. Erst vor wenigen Wochen postete Yannick Regh auf Facebook, dass er nun den Titel Steuerberater trägt. Am 14. März war ein weiterer Beitrag zu sehen, in dem sich der 29-Jährige gemeinsam mit seinem Lebenspartner zeigt. Darunter ist zu lesen: „Seit einem Jahr verlobt, und nach Corona kommt dann irgendwann mal die Hochzeitsplanung.“ Nicht nur beruflich und privat lief es bei Yannick Regh – auch politisch.

Seit 2019 war der SPD-Politiker Vize-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Mitte, in die er 2014 zum ersten Mal eingezogen war, und er war einer der vier Bewerber um die Direktkandidatur für den Wahlkreis Hamburg-Mitte für den Bundestag. Es geht um das politische Erbe von Johannes Kahrs, der vergangenen Sommer sein Bundestagsmandat aufgegeben hatte.

Yannick Regh räumte Täuschungsversuch ein

Doch Yannick Regh hat sich jetzt selbst aus dem Rennen katapultiert. Bei der Aufstellung der Delegierten im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 hat er vergangene Woche einen Täuschungsversuch begangen. Der umtriebige Politiker räumte sein Vergehen inzwischen ein und beendet seine politische Karriere. Er habe nach eigenen Angaben versucht, sich mit „unangebrachten Mitteln einen Vorteil im Wahlverfahren“ zu verschaffen.

„Ich bitte dafür um Entschuldigung“, teilte Regh auf seinem Facebook-Account mit – nun, da der Schmu bekannt wurde. „Auch wenn die Wahl schlussendlich korrekt abgelaufen ist, ziehe ich hieraus die persönlichen Konsequenzen", führte Regh weiter aus. Er habe seinem Kreisvorsitzenden mitgeteilt, dass er seine politische Arbeit beende.

„Ich lege alle Ämter und Mandate mit sofortiger Wirkung nieder und ziehe meine Bewerbung um die Kandidatur für den Bundestag zurück.“ Auf Abendblatt-Anfrage stand Yannick Regh für „weitergehende Stellungnahmen nicht zur Verfügung".

Wie Yannick Regh in der SPD Mitte täuschen wollte

Bei der digitalen Versammlung im Distrikt Hamm-Borgfelde sollten acht Delegierte bestimmt werden, die auf einer Wahlkreiskonferenz darüber entscheiden, wer zur Bundestagswahl antreten wird. Wie die „Bild“ berichtet, soll der Steuerberater im Vorfeld vier Parteimitglieder angesprochen und um ihre Anmeldedaten gebeten haben, damit er an ihrer Stelle für sich selbst abstimmen könne. Die List flog auf, weil sich einer der Angesprochenen noch vor der Wahl Kreischef Hansjörg Schmidt anvertraute.

„Natürlich habe ich sofort reagiert, als ich von der versuchten Manipulation erfahren habe. Ich habe Yannick Regh unmissverständlich klar gemacht, dass er hier eine rote Linie überschritten hat und dass das natürlich nicht geht. Natürlich bin ich auch persönlich enttäuscht von seinem Verhalten", sagte Schmidt dem Abendblatt. "Aber mit seinem Rücktritt von allen Ämtern hat Yannick Regh umgehend auf sein Fehlverhalten regiert.“

Drei SPD-Bewerber in Mitte für Bundestagswahl 2021

„Die Wahl der Delegierten ist wie geplant abgelaufen, ohne dass hier manipuliert werden konnte", sagte Schmidt, der auch Bürgerschaftsabgeordneter ist, weiter. Die Mitglieder erhielten alle noch einen Brief, um der letzlich festgelegten Liste der Delegierten schriftlich zuzustimmen.

Nun sind es also nur noch drei Bewerber, die für die SPD im Wahlkreis Hamburg-Mitte für den Bundestag in Berlin kandidieren wollen: Als Favorit gilt Falko Droßmann, der 47-Jährige ist seit fünf Jahren Bezirksamtsleiter in Mitte. Außerdem bewerben sich Meryem Dagmar Celikkol, Präsidentin der Bezirksversammlung und bis 2020 Grünen-Politikerin, sowie Mahmut Cinar – wie Regh selbst aus dem SPD-Distrikt Hamm-Borgfelde – um die Direktkandidatur.

Nach Abendblatt-Informationen wird die Delegiertenversammlung Ende April entscheiden, welcher der drei Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September aufgestellt wird.

78-Jährige rückt in Bezirksversammlung nach

Unterdessen steht bereits fest: Die 78-Jährige Elke Kuhlwilm aus Hamm wird in die Bezirksversammlung für Regh nachrücken. Die Krankenschwester war bereits von 2014 bis 2019 Mitglied der Bezirksversammlung und sagte dem Abendblatt. „Ich gehe voller Elan an diese Aufgabe.“

Die SPD-Fraktion muss nun einen Nachfolger für Regh als Vize-Fraktionschef wählen, und auch sein Posten als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses muss neu besetzt werden. Wer diese Ämter übernimmt, „werden wir in Ruhe schauen“, sagte SPD-Fraktionschef Tobias Piekatz dem Abendblatt und sagte zum politischen Aus von Regh: „Der Rücktritt von allen Ämtern ist konsequent und war notwendig.“

Turbulenzen in der SPD Mitte seit Kahrs-Abgang

Seit dem abrupten Abgang von Johannes Kahrs, der im Juni vergangenen Jahres nach mehr als 20 Jahren den Kreisvorsitz und sein Bundestagsmandat aufgab, kommt die SPD Mitte kaum zur Ruhe. Zuletzt erschütterte die nicht Corona-konforme Party, die Innensenator Andy Grote (SPD) mit Parteifreunden aus der SPD-Mitte nach seiner Wiederwahl in einer Bar in der HafenCity gefeiert hatte, den Kreisverband.

Einer der Gäste auf der Veranstaltung war übrigens Yannick Regh.

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