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Bundesweiter Radfahr-Test: Hamburg wieder nur "ausreichend"

| Lesedauer: 4 Minuten
Friederike Ulrich
Bei dem bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 hat Hamburg erneut nur mittelmäßig abgeschnitten. Bemängelt werden unter anderen die Radwege (Archivbild).

Bei dem bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 hat Hamburg erneut nur mittelmäßig abgeschnitten. Bemängelt werden unter anderen die Radwege (Archivbild).

Foto: adfc hh/ Bernd Reipschläger

4257 Hamburger Fahrradfahrer haben an der ADFC-Umfrage teilgenommen. Was besonders schlecht bewertetet wurde.

Hamburg.  Trotz des Ausbaus der Velorouten und dem Versprechen „Hamburg wird Fahrradstadt“ kommt die Hansestadt aus dem Mittelfeld nicht heraus. Bei dem bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 liegt Hamburg mit der Durchschnittsnote 4,1 unter den 14 teilnehmenden Städten über 500.000 Einwohnern auf Platz sieben.

Das ist eine leichte Verbesserung zu 2018, als die Stadt die Gesamtnote 4,2 erreichte. An der Befragung im vergangenen Herbst hatten 4257 Hamburger Radfahrer und Radfahrerinnen teilgenommen und zu mehr als 30 Detailfragen Stellung bezogen, die sich unter anderem auf das Verkehrsklima und die Infrastruktur, den Stellenwert des Radfahrens sowie Sicherheit und Komfort für Radfahrer bezogen.

Radfahren in Hamburg – oft zu schmale Radwege

Unzufrieden sind sie vor allem mit ofẗ viel zu schmalen Radwegen, mit der Gefährdung durch zu schnell fahrende und falsch parkende Autofahrer sowie mit unvorteilhaften Ampelschaltungen, die das Überqueren von Kreuzungen häufig nur in mehreren Grünphasen ermöglichen.

Gut dagegen schneiden, wie schon in den vorherigen Umfragen, das StadtRad-System ab, die Möglichkeit, in Bussen und Bahnen Fahrräder mitnehmen zu können, sowie die Werbung fürs Fahrradfahren. In einem 2020 erstmals abgefragten „Index der Wichtigkeit“ wünschen sich Hamburgs Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem eine höhere Akzeptanz als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer und mehr Sicherheit auf den Straßen. Die beste vergebenen Note war eine 2,4, mit der die Zugänglichkeit öffentlicher Leihfahrräder bewertet wurde. Die schlechteste Note, eine 5, gab es für die Breite der Radwege.

ADFC: Allein durch Werbung verbessert sich Sicherheit beim Radfahren nicht

Es ist bereits das achte Jahr, in dem die Hamburgerinnen und Hamburger das Verkehrsklima und die Infrastruktur in ihrer Stadt mit der Note „ausreichend“ bewerten. Die Maßnahmen des Senats zur Radverkehrsförderung haben aus Sicht des ADFC trotz steigendem Radaufkommen nicht zu mehr Zufriedenheit oder einer besseren Stimmung geführt.

„Allein durch Werbung für den Radverkehr verbessern sich Sicherheit und Komfort beim Radfahren noch nicht“, sagt Tom Jakobi, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg. „Hamburg schneidet im Fahrradklima-Test weiterhin nicht gut ab, während andere Großstädte wie Bremen zeigen, dass deutlich bessere Ergebnisse erzielbar sind.“

Hamburg unter 14 Städten nur auf Platz sieben

Tatsächlich liegt die Stadt Bremen bei dem ADFC-Test auf Platz eins, gefolgt von Hannover, Frankfurt, München, Leipzig und Dresden. Schlechter als Hamburg schnitten die Großstädte Düsseldorf, Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Essen Dortmund und Köln ab.

Hamburgs Velorouten im Überblick

  • Route 1: City–Altona–Othmarschen–Blankenese–Rissen
  • Route 2: City–Eimsbüttel–Stellingen–Eidelstedt
  • Route 3: City–Rotherbaum/Uni–Niendorf
  • Route 4: City–Harvestehude–Winterhude–Alsterdorf–Fuhlsbüttel–Langenhorn
  • Route 5: City–Uhlenhorst–Barmbek–Bramfeld–Poppenbüttel–Duvenstedt
  • Route 6: City–Hohenfelde–Dulsberg–Farmsen–Berne–Volksdorf
  • Route 7: City–St. Georg–Eilbek–Wandsbek-Markt–Jenfeld–Rahlstedt
  • Route 8: City–Borgfelde–Hamm–Billstedt–Bergedorf
  • Route 9: City–Hammerbrook–Rothenburgsort–Moorfleet–Allermöhe–Bergedorf
  • Route 10: City–HafenCity–Veddel–Wilhelmsburg–Harburg–Neugraben
  • Route 11: City–Alter Elbtunnel–Wilhelmsburg–Harburg–TU Hamburg
  • Route 12: City–St. Pauli-Landungsbrücken–Altona
  • Route 13: Innere Ringroute: Altona–Eimsbüttel–Winterhude–Barmbek–Eilbek–Hamm
  • Route 14: Äußere Ringroute: Othmarschen–Schnelsen–Niendorf–Poppenbüttel–Billstedt

Aus Sicht des ADFC gebe es in Hamburg mit den Protected Bike Lanes oder den geplanten, baulich vom Fuß- und Autoverkehr abgetrennten Kopenhagener Radwege durchaus Fortschritte. „Doch wo wenig Verkehrsraum ist, wird bei Neuplanungen in der Regel nach wie vor zuerst an der Radwegebreite gespart“, so der ADFC. Hier müsste Hamburg sich deutlich mehr vornehmen.

Fahrradklima-Test 2020 ist größte Befragung weltweit

Die Situation der Radfahrer ließe sich aber auch durch kostengünstige ergänzende Maßnahmen deutlich verbessern: etwa durch die konsequente Ahndung von Falschparkern auf Radwegen, Tempo 30 auf allen Straßen mit Mischverkehr und mit deutlich mehr Fahrradstraßen. „Hamburg wird seinem Anspruch auf eine Vorreiterrolle in Sachen Fahrradstadt nicht gerecht“, sagt Cajus Pruin, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg: Darüber könnten auch die umfangreichen Kampagnen der letzten zwei Jahre nicht hinwegtäuschen.

Am ADFC-Fahrradklima-Test 2020 hatten sich 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer aus 1024 Städten beteiligt, mehr als je zuvor. Damit ist der ADFC-Fahrradklima-Test, der alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums stattfindet, die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. 2020 fand er zum neunten Mal statt.

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