Sieben Forderungen

Hamburg: Die Metropole der Zukunft neu denken

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Karin Loosen
Karin Loosen ist Präsidentin der Architektenkammer.

Karin Loosen ist Präsidentin der Architektenkammer.

Foto: Hamburgische Architektenkammer

Der Hamburg-Konvent diskutiert über die Zukunft der Stadt. Hier schreibt dazu Karin Loosen, Präsidentin der Architektenkammer.

Hamburg. Jeder Wandel bringt Chancen für Neues! Wir stehen mit Klimawandel, Wohnungsmangel und sozialer Segregation vor gewaltigen Herausforderungen, die Pandemiekrise verstärkt viele der Pro­bleme.

Daher benötigen Städte als Orte des Zusammenlebens ein neues Selbstverständnis, eines das auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und kulturellem Austausch beruht. Veränderungen werden in demokratischen Gesellschaften durch Aushandlungsprozesse erreicht: Wem gehören welche Räume? Welchen Nutzern stehen sie zur Verfügung? Von diesen Diskussionen können wir lernen, wie unsere Stadt lebenswerter, sozialer und stabiler werden kann.

Raum schaffen!

Abstandsregeln sind in dicht bebauten Quartieren schwer einzuhalten: Die Bürgersteige sind schmal, und Menschen können einander kaum ausweichen. Es wird deutlich, wie viel Raum parkende Autos einnehmen.

Ein Bürgersteig ist aber auch ein Ort, auf dem sich städtisches Leben abspielt, und so muss er dimensioniert werden. Zudem sollten flexible Flächen geschaffen werden, Raum zum Spielen, Treffen oder auch für gas­tronomische Angebote – Maßnahmen wie diese steigern die Qualität des öffentlichen Raumes sehr.

Grünräume ausbauen!

Das Bedürfnis nach Ausgleich in Parks ist groß, und die verschiedenen Interessen der Nutzerinnen bergen Konflikte. Daher müssen Erholungsflächen vergrößert, besser gepflegt und ausgebaut werden. Sportflächen sollten nicht mehr nur den Vereinen zur Verfügung stehen und genauso wie Schulhöfe als Orte mit Aufenthaltsqualität für alle geöffnet werden.

Wohnen vielfältiger machen!

Viele Wohnungen sind unpassend für Homeoffice und -schooling, es fehlt an Flexibilität und an Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Räume sollten nutzungsneutral geplant werden, damit sie entsprechend den wechselnden Bedarfen genutzt werden können.

Erdgeschosse müssen Flächen für nachbarschaftliche Nutzungen anbieten: zum Arbeiten, Treffen, Waschen, für Besuch oder als Werkstatt. So ergänzen gemeinschaftliche Flächen auch kleine Wohnungen um neue Qualitäten. Wohnquartiere sollten besser durchmischt werden, Einkaufsmöglichkeiten und Einrichtungen für die Freizeit dürfen nicht fehlen. Quartierstreffs können helfen die Bedürfnisse vor Ort frühzeitig zu registrieren und Unterstützung anzubieten.

Verkehr integrieren!

So wichtig der weitere Ausbau des ÖPNV und des Radwegenetzes ist – Mobilitätswende bedeutet darüber hinaus, dass sich alle Menschen ungefährdet und gleichberechtigt bewegen können. Ziel ist eine störungsfreie, möglichst klimaneutrale Fortbewegung und die Schaffung von Straßenräumen, die nicht nur Verkehrs- sondern auch attraktive Lebensräume sind. Verkehrsplanung ist immer auch Stadtplanung.

Innenstadt neu denken!

Die Pandemie beschleunigt die Krise des Einzelhandels. Der Wandel in der Innenstadt braucht die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wenn sich Händler zurückziehen, muss die Chance für neue Nutzungen und innovative Konzepte wie Start-ups, offene Manufakturen und digitale Produktionen ergriffen werden.

So kann ein attraktiver Ort mit mehr Angeboten auch ohne Konsumbezug für alle Hamburger entstehen. Einige Büros sollten zu Wohnungen umgebaut werden, dann können auch Läden für den täglichen Bedarf, Kitas und Gaststätten entstehen. All dies trägt zu einer vitalen Innenstadt bei, die auch nach Ladenschluss lebendig bleibt.

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Metropolregion schaffen!

Mobiles Arbeiten führt zu einer größeren Attraktivität der Umlandgemeinden, es bedarf daher dringend einer übergreifenden Raumplanung: Wo sollen sinnvollerweise Wohngebiete, wo Arbeitsstätten, Freizeit- und Naherholungsorte liegen? Manches ist in der Stadt besser aufgehoben, manches im Umland.

Miteinander gestalten!

Die Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplaner/-innen gestalten Lebensräume in der sich wandelnden Gesellschaft und beeinflussen, wie wir alle in Zukunft leben. Daher haben die Mitglieder der Hamburgischen Architektenkammer die Gründung einer Stiftung für Baukultur beschlossen, die zum besseren Miteinander zwischen Stadtgesellschaft und Experten beitragen soll. Ziel ist ein Netzwerk für den Austausch aller gesellschaftlichen Akteure, um gemeinsam die Zukunft unserer Stadt zu gestalten.

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