Flughafen Hamburg

Lufthansa plant Rekordflug von Hamburg bis ans Ende der Welt

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Edgar S. Hasse
Mit dieser A350-900 will die Lufthansa nonstop von Hamburg auf die Falkland-Inseln fliegen.

Mit dieser A350-900 will die Lufthansa nonstop von Hamburg auf die Falkland-Inseln fliegen.

Foto: Lufthansa

Ein Airbus A350-900 hebt in Fuhlsbüttel ab – und landet erst nach 13.700 Kilometern. Was hinter dem Rekordversuch steckt.

Hamburg. Die Lufthansa-Flotte liegt zum größten Teil am Boden – doch sie hebt zu einem neuen, positiven Rekord ab: Am 1. Februar startet in Hamburg der längste Lufthansa-Flug in der Unternehmensgeschichte. Vom Flughafen Hamburg aus geht es über den Atlantik Richtung Südamerika bis zu den Falklandinseln (argentinisch: Malvinas). Die Inselgruppe liegt östlich von Südamerika und gehört nach dem Falklandkrieg zu Großbritannien. Die Maschine wird auf der britischen Militärbasis Mount Pleasant landen.

„Der Airbus A350-900 startet am 1. Februar um sieben Uhr morgens in Hamburg und fliegt nonstop 13.700 Kilometer nach Mount Pleasant“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Donnerstag dem Abendblatt. Die Flugzeit wurde mit 15 Stunden berechnet. Kalkuliert sind 92.600 Kilogramm Kerosin.

Airbus-Jet der Lufthansa: eines der nachhaltigsten Flugzeuge weltweit

Das sei wenig um Vergleich zu herkömmlichen Langstreckenflügen, denn die A350-900 zähle bei Lärm und Verbrauch zu den nachhaltigsten Flugzeugen überhaupt. „Wir fliegen mit einer der neueren A350 Maschinen. Diese verfügen über eine weitere Verbesserung. Sie heißt Performance Improvement Package und spart im Vergleich zu älteren Flugzeugen noch einmal 3000 Kilogramm auf dieser Strecke.“

Ziel des Rekordfluges mit 92 Passagieren und einer 17-köpfigen Crew ist der Mannschafts- und Wissenschaftler-Wechsel für den Forschungseisbrecher „Polarstern“ und die Neumeyer III-Station in der östlichen Antarktis.

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Beide gehören zum Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut. Wie das Abendblatt berichtete, befindet sich die „Polarstern“ derzeit an der Schelfeiskante, zehn Kilometer von der Forschungsstation entfernt. Sie wird danach Kurs auf Port Stanley auf den Falklandsinseln nehmen, wo der Personalwechsel erfolgt. Von dort aus sind es nur wenige Kilometer bis zur britischen Militärbasis.

Ein "Forschungsflug" – Wissenschaftler auf Hin- und Rückflug

Wie eine Sprecherin des Alfred-Wegener-Instituts sagte, bringt der Charterflug der Lufthansa 92 Mitarbeitende auf die Falklandinseln, gut die Hälfte wissenschaftliches Person, die andere Hälfte Schiffsbesetzung.

Bei dem Rückflug der Maschine, der für den 3. Februar nach München geplant ist, werden rund 50 Personen von der „Polarstern“ an Bord des Flugzeugs gehen, darunter sind auch die „Überwinterer“ der antarktischen Forschungsstation Neumeyer III. Sie mussten rund einen Monat länger auf den Wechsel und damit die Heimreise warten – die Pandemie hatte zu Verzögerungen geführt.

Lufthansa-Rekordflug: Besatzung zwei Wochen in Quarantäne

Die Pandemie drückt auch diesem ungewöhnlichen Lufthansa-Flug ihren Stempel auf. Derzeit befinden sich die gesamte LH-Crew und alle Passagiere für den Charterflug LH2574 ab Hamburg in Quarantäne. Sie sind in Bremerhaven untergebracht, erst in Einzelisolierung, danach in einem Hotel. Die Quarantäne dauert 14 Tage.

„Trotz der Einschränkungen für die Crew haben sich allein 600 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter um diesen Flug beworben“, sagt Flugkapitän Rolf Uzat. Mit Bussen werden sie schließlich nach entsprechenden Tests bis zum Hamburger Flughafen gebracht, wo die Maschine aus München kommend erwartet wird.

Flughafen Hamburg hat "besonderes Hygienekonzept"

„Der Hamburger Flughafen ist schon seit Längerem in enger Abstimmung mit Lufthansa und dem Alfred-Wegener-Institut, um für Crew und Reiseteilnehmer einen möglichst kontaktlosen Ablauf der Flughafenprozesse wie Kontrollen und Boarding sicherzustellen“, sagte Flughafen-Sprecherin Janet Niemeyer dem Abendblatt. „Dazu gehört ein besonderes Hygienekonzept und dass die Teilnehmer stillgelegte Terminalbereiche nutzen, damit sie nicht in Kontakt zu anderen Reisenden kommen.“

Bei der Lufthansa sind die Vorbereitungen für den Flug enorm. Das beginnt mit zusätzlichen Trainings für Piloten, über spezielle Flug- und Landekarten bis zu Fragen, dass auf der Militärbasis Mount Pleasant geeignetes Kerosin für den Rückflug zur Verfügung steht.

Airbus-Jet ist eigentlich in München stationiert

Der Airbus A350-900 ist in München stationiert und wird dort für den Flug vorbereitet. In Hamburg erhält die Maschine weitere Fracht und Gepäck – hier erweist sich die Nähe zwischen Bremerhaven und Hamburg als Vorteil. Und genau deshalb wurde auch der Hamburger Flughafen für den Rekordflug gewählt.

Um die Ruhezeiten einzuhalten, verbringt die Flugzeug-Crew zwei Übernachtungen auf den Falklandinseln. Dort blühen gerade die Lupinen, der Ginster und weitere Pflanzen, denen stürmisches Wetter und Sommertemperaturen von 12 Grad nichts anhaben können. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben auf den Falklandinseln müssen sich die LH-Crew, aber auch die Antarktis-Rückkehrer abermals in Quarantäne begeben. Ein entspanntes Sightseeing in Port Stanley, wo sie in einem Hotel untergebracht werden, ist daher nicht möglich.