Pandemie in Hamburg

Wer mit Corona infiziert war, wird vorerst nicht geimpft

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Andreas Dey
Im Hamburger Impfzentrum in den Messehallen.

Im Hamburger Impfzentrum in den Messehallen.

Foto: Michael Rauhe / HA

Impfstoff wird priorisiert. Außerdem: Welche Bezirke als Hotspots gelten würden und warum das Testzentrum am Hauptbahnhof schließt.

Hamburg. Ist das die nicht nur vom Senat heiß ersehnte Trendwende oder wieder nur ein Strohfeuer? Mit 396 Corona-Infektionen vermeldete die Sozialbehörde am Mittwoch den zweiten Tag infolge einen deutlich niedrigeren Wert als in der Vorwoche (579). Die Inzidenz in Hamburg(Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen) sank erneut kräftig, von 146,2 auf 136,5. Am Montag hatte sie noch bei 162,3 gelegen.

Allerdings waren die Infektionszahlen seit dem ersten zarten Lockdown im November schon zweimal über einige Tage gefallen, dann aber, zum Teil aus noch ungeklärten Gründen, wieder angestiegen. Wann man mit einer steigen Abwärtsbewegung rechnen könne, sei daher „schwer zu sagen“, hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) kürzlich gesagt. Sie hoffe aber auch, dass das nun „endlich“ mal geschehe.

Corona in Hamburg: RKI meldet weitere 31 Corona-Tote

Auch die Lage in den Hamburger Krankenhäusern ist trügerisch: Mit 570 Covid-19-Patienten, davon 103 auf Intensivstationen, hat sich die Situation gegenüber dem Vortrag (571 / 102) zwar kaum verändert. Allerdings ist gleichzeitig die Zahl der Hamburger, die an oder mit Corona verstorben sind, nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erneut um 31 auf jetzt 851 angestiegen. Und das bedeutet, dass vermutlich rund 30 neue Covid-Patienten aufgenommen wurden.

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Da es sich dabei in der Regel um ältere Menschen handelt, sehr oft Heimbewohner, setzt die Stadt derzeit alles daran, diese Gruppe vorrangig zu impfen. Von Donnerstag an werden nun auch die Über-80-Jährigen offiziell angeschrieben und aufgefordert, sich einen Termin im Impfzentrum in den Messehallen zu holen, kündigte Leonhard an.

Impfstoffknappheit: Wer Corona-infiziert war, wird vorerst nicht geimpft

Allerdings hat die Sozialbehörde bestätigt, dass Personen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, aufgrund der Impfstoffknappheit vorerst grundsätzlich nicht geimpft werden: Hamburg halte sich damit an die Vorgaben der Ständigen Impfkommission (STIKO), sagte Behördensprecher Martin Helfrich dem Abendblatt: „Weil der derzeit noch außerordentlich knappe Impfstoff stark priorisiert werden muss, werden die Schutzimpfungen damit auf diejenigen Personen konzentriert, bei denen davon auszugehen ist, dass noch keine Antikörper gebildet werden konnten und die volle Schutzwirkung erforderlich ist.“

Diese sei aber ausdrücklich keine dauerhafte, sondern nur eine der Knappheit geschuldete, vorübergehende Regelung: „Sobald mehr Impfstoff vorhanden ist, können auch Personen mit einer bereits durchgemachten Infektion geimpft werden.“

Inzidenz über 200: Zwei Hamburger Bezirke wären Hochrisikogebiete

Wie Daten der Sozialbehörde zeigen, ist das Infektionsgeschehen innerhalb Hamburgs nach wie sehr unterschiedlich. So gab es im Bezirk Hamburg-Nord vom 5. bis zum 11. Januar 396 neue Fälle, was einer Sieben-Tage-Inzidenz von 125,7 entspricht – deutlich unter dem gesamtstädtischen Niveau, das am 11. Januar noch bei 162,3 lag. Auch der Bezirk Wandsbek hatte mit 585 Neuinfektionen und einer Inzidenz von 132,7 einen deutlich positiveren Wert.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Während Bergedorf (196 Fälle / Inzidenz 150,8), Altona (443 / 161,1) und Eimsbüttel (434 / 162,5) in etwa im Schnitt lagen, ragten Harburg (340 / 201,2) und Hamburg-Mitte (689 / 228,1) negativ heraus. Würde Hamburg vom RKI nicht als Einheitsgemeinde betrachtet, wären beide Bezirke aufgrund der Inzidenz von mehr als 200 Hochrisikogebiete, in denen nach dem Beschluss von Bund und Ländern zum Beispiel die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt werden müsste.

Die Corona-Langzeitwerte der Hamburger Bezirke

Allerdings schwanken diese Werte stark. Während Mitte über fast die gesamte Pandemie die höchsten Infektionswerte hatte, rangierte Harburg zeitweise immer mal unter den Bezirken mit der niedrigsten Inzidenz. Aussagekräftiger sind daher die Langzeit-Daten: Seit Beginn der Pandemie haben sich in Mitte 2923 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert.

Mit deutlichem Abstand folgen die Bezirke Harburg (2368), Wandsbek (2230) und Altona (2025). Bergedorf, viele Monate der Primus unter den sieben Bezirken, ist mit 1878 Infektionen pro 100.000 Einwohner auf Rang drei abgerutscht hinter Hamburg-Nord (1779) und Eimsbüttel (1718).

Einnahmeeinbußen: UKE erhält weitere 17,4 Millionen Euro Sonderhilfe

Unterdessen hat der Senat mitgeteilt, dass Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) weitere 17,4 Millionen Euro aus den Corona-Sondermitteln der Stadt erhält. Anlass seien erneut Einnahmeeinbußen des UKE: Die Eindämmung der Corona-Pandemie erfordere seitens der Hamburger Kliniken einen erheblichen finanziellen und personellen Mehraufwand, so der Senat.

So sei das UKE dazu angehalten, seine OP-Kapazitäten zeitweise deutlich herunterzufahren und die Bettenauslastung auf bis zu 65 Prozent der regulären Auslastung zu reduzieren. Im September hatte die Uniklinik daher bereits 40,8 Millionen Euro an Sondermitteln erhalten.

Corona-Testzentrum am Hauptbahnhof wird geschlossen

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) will das von ihr betriebene Corona-Testzentrum am Hamburger Hautbahnhof zum 16. Januar einstellen. Durch neue Regeln zur Testung symptomloser Menschen sei „die Anzahl der Personen, die Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test haben, in den letzten Monaten stark zurückgegangen“, sagte Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KV Hamburg. „Zur Zeit führen wir täglich nur noch etwa 90 Testungen durch.“

Ausgelegt ist das Zentrum auf bis zu 2000 Testungen täglich. Personen, die einen Anspruch auf einen kostenlosen Test haben, könnten diesen künftig telefonisch unter 116117 oder online unter www.116117.de bei einem niedergelassenen Arzt oder ohne Anmeldung in einer der Notfallpraxen der KV Hamburg in Altona und Farmsen durchführen lassen.

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