Retourenbetrieb von Otto

Sozialverband greift Otto-Group in Hamburg scharf an

Eine Mitarbeiterin kontrolliert im Hermes Rücksendezentrum die Ware aus Paketen mit Retouren. Otto hat jetzt angekündigt, den Retourenbetrieb in Barmbek zu schließen (Archivbild).

Eine Mitarbeiterin kontrolliert im Hermes Rücksendezentrum die Ware aus Paketen mit Retouren. Otto hat jetzt angekündigt, den Retourenbetrieb in Barmbek zu schließen (Archivbild).

Foto: picture alliance

Massive Kritik an angekündigter Verlagerung der Retourenabwicklung nach Osteuropa. Sozialverband: Profit wichtiger als der Mensch.

Hamburg. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat die Otto-Group scharf angegriffen. Offenbar zähle für den Versandhändler der Profit mehr als der Mensch, sagte der SoVD-Hamburg-Chef, Klaus Wicher, am Donnerstag. Die für das zweite Halbjahr angekündigte Schließung der Retourenabwicklung des Konzerns raube 840 Hamburgerinnen und Hamburgern die Existenzgrundlage.

Wicher zeigte sich über die Konzernentscheidung auch deshalb empört, weil die Mitarbeiter schon seit Jahren auf Teile ihrer Lohnerhöhungen verzichtet haben, um den Betrieb der Hamburger Tochterfirma abzusichern: „Mit 13,44 Euro ist das Lohnniveau dort relativ niedrig.“ Der Konzern will, wie berichtet, die vorwiegend im Niedriglohnsektor angesiedelten Arbeitsplätze nach Polen und Tschechien verlagern. Der Retourenbetrieb sei in Hamburg nicht mehr rentabel zu betreiben, hieß es von Seiten des Konzerns.

Sozialverband: Gerade in Corona-Zeiten wenig Chancen auf neuen Job

Wicher wies darauf hin, dass sich die Otto-Group gern als humane Alternative zu Amazon präsentiere und der Firmengründer Werner Otto „damals regelmäßig durch die Abteilungen ging und persönlich mit den Angestellten sprach. Dies zeugt für mich von Respekt und Anerkennung gegenüber den Mitarbeitenden und ist heute offenbar verloren gegangen.“

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Bei der Otto-Tochter Hermes Fulfilment arbeiten Menschen aus 69 Nationen. Viele davon sind jenseits der 50, alleinerziehend, alleinstehend oder leben mit einer Behinderung. „Gerade in Zeiten von Corona werden die meisten von ihnen wenig Chancen auf einen neuen Job bekommen“, sagte Wicher.