Hamburger Innenstadt

Sozialprojekt: Die Rathauspassage soll sichtbarer werden

Björn Dobbertin und Carola Veit in der Rathauspassage. Die Sitzecke deutet an, wo später die Gastronomie mit Blick auf das Wasser einziehen wird.

Björn Dobbertin und Carola Veit in der Rathauspassage. Die Sitzecke deutet an, wo später die Gastronomie mit Blick auf das Wasser einziehen wird.

Foto: Michael Rauhe

Richtfest für millionenschweren Umbau mit neuem Konzept. Was in der Rathauspassage an der Kleinen Alster künftig stattfinden soll.

Hamburg.  Es hallt in dem leeren Rohbau, als eine Sektflasche an der kahlen Wand zerschlägt. Denn statt der ursprünglich geladenen 200 Gäste kann am Mittwoch coronabedingt nur ein kleiner Besucherkreis am Richtfest der Rathauspassage teilnehmen. Die Sekttaufe durch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) wird als Video aufgezeichnet wie auch die Grußbotschaften von Verwaltungsleiter Jürgen Preine vom Kirchenkreis Hamburg-Ost und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), die die Baustelle nacheinander besuchten. Ab 1. Advent soll das „digitale Richtfest“ online für die Öffentlichkeit zu sehen sein.

Sichtbar war die Rathauspassage selbst bisher nur bedingt. Sie liegt angrenzend an der S- und U-Bahn-Station Jungfernstieg unter dem Rathausmarkt. „Wahrscheinlich würden 50 Prozent der Passanten sagen, dass sie die Rathauspassage Hamburg nicht kennen“, sagt Geschäftsleiter Björn Dobbertin. Die Passage ist ein vom Diakonischen Werk betriebenes Sozialprojekt, das seit 1998 Langzeitarbeitslosen hilft, in eine geregelte Beschäftigung zurückzukehren.

Jobcenter Hamburg vermittelt geeignete Menschen an die Passage

Das Jobcenter Hamburg vermittelt geeignete Menschen an die Passage, die dort bis zu fünf Jahre lang in der Logistik, im Handel oder in der Gastronomie arbeiten können. Qualifizierte Fachanleiter, etwa zwei Buchhändler und ein Koch, begleiten die ehemaligen Langzeitarbeitslosen. „Ihnen wird geholfen, ihre Fähigkeiten neu zu entdecken und Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Einen wesentlichen Teil unserer Arbeit in der Rathauspassage Hamburg erledigen Beschäftigte aus dem geförderten Sektor“, sagt Dobbertin.

Durch den Umbau, der im September 2019 begann, soll das Projekt in der Stadt nun sichtbarer werden. Eine alte, früher nicht nutzbare Treppenanlage wurde ersetzt. An dieser Stelle sind inzwischen zehn Fenster und zwei Türen entstanden, die direkt zur Kleinen Alster führen. Zwei provisorische Sitzecken mit Sofa und gepolsterten Stühlen deuten beim Richtfest am Mittwoch an, wo später Küche und Theke eines ausgebauten Gastronomiebetriebs und eine Bühne für Veranstaltungen mit Blick aufs Wasser entstehen sollen. Etwa 80 Menschen werden in dem offenen Raum nach dem Umbau Platz finden, in dem auch eine Touristeninformation und ein Buchhandel angesiedelt sein werden.

Podiumsdiskussionen, Konzerte und Poetry-Slams

In der Passage haben bereits vor dem Umbau Veranstaltungen stattgefunden. Auf der neuen Bühne soll es nach der Wiedereröffnung aber mehr Podiumsdiskussionen, Konzerte und Poetry-Slams geben. Interessierten Hamburgern wird die Bühne nach Anmeldung zeitweise für eigene Veranstaltungen offen stehen. Dobbertin kann sich vorstellen, dass in der Passage künftig auch Gesprächsrunden mit Jugendgruppen stattfinden werden, durch die Nähe zum Rathaus könnten sich auch Begegnungsmöglichkeiten mit Politikern ergeben. Dazu sagt Bürgerschaftspräsidentin Veit: „Jeder Ort, der Politik und Bürgerinnen und Bürger zusammenbringt, an dem man ins Gespräch kommen kann mit Jung und Alt, ist für uns als Bürgerschaft von großem Interesse.“

Die Stadt Hamburg hat den Umbau der Rathauspassage mit 2,5 Millionen Euro unterstützt und machte damit den neuen Durchbruch zur Alster möglich. 4,394 Millionen Euro kostet der Bau insgesamt, 1,2 Millionen Euro davon sollen über Spenden finanziert werden. Die Rathauspassage verkauft dafür sogenannte Empathie-Aktien. Aktuell kann das Projekt bereits auf eine Spendensumme von 336.300 Euro zurückgreifen.

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Für Dirk Ahrens, Landespastor und Leiter des Diakonischen Werks Hamburg, hat der Umbau der Rathauspassage eine „gute Signalwirkung“. Zum einen für die Beschäftigten, die künftig an „einem schönen Ort mit Ausblick“ tätig sein können. Aber auch für Bürger und Unterstützer der Passage: „Ringsherum glitzert und funkelt es, der Reichtum der Stadt und die Macht sind in Form des Rathauses sichtbar“, sagt Ahrens. „Dort bauen wir nun kein Luxusrestaurant hin, sondern einen Ort gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Jeder, der dieses Projekt unterstützt, unterstützt das symbolhaft.“ Die Eröffnung der umgebauten Rathauspassage ist für die zweite Jahreshälfte 2021 geplant.