Pandemie

So verändert Corona das Leben prominenter Hamburger

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Am Freitag meldete die Gesundheitsbehörde 360 Neuinfektionen

Am Freitag meldete die Gesundheitsbehörde 360 Neuinfektionen

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

„Die Lage ist ernst“ – Peter Tschentscher appelliert, die Corona-Regeln zu beachten. Doch was bedeutet das für den Alltag?

Hamburg. Es ist ein trauriger Rekord: 360 Neuinfektionen meldete die Gesundheitsbehörde am Freitag. Der Senat verschärfte die Corona-Regeln. Ohnehin machen sich seit Wochen immer mehr Menschen intensiv Gedanken, wie sie ihr privates wie berufliches Leben den Corona-Bedingungen anpassen. Soll man noch Verwandte und Freunde treffen? Wie riskant sind Besuche in Restaurants oder kulturellen Einrichtungen? Was zeigt die Corona-Warn-App an? Das Abendblatt befragte prominente Hanseaten.

Katharina Fegebank (43), Zweite Bürgermeisterin: „Beruflich arbeite ich ‚hy­brid‘, habe nicht weniger Termine, sie finden aber mehr digital statt. Private Treffen beschränken sich auf die Familie oder einzelne Freunde, wir gehen immer noch gerne in Restaurants. Die Warn-App habe ich natürlich installiert, und in den letzten Monaten wurden mir einige Begegnungen mit niedrigem Risiko angezeigt. Das Führen eines Kontakttagebuchs, wie es Christian Drosten vorgeschlagen hat, ist eine gute Idee. Bisher mache ich das aber noch nicht.“


Marcell Jansen
(34), Präsident des HSV: „Videokonferenzen ziehen sich seit der Corona-Krise wie ein roter Faden durch alle meine Tätigkeiten. Mein tägliches Leben versuche ich ganz normal weiterzuführen, so wie es die Hygienevorschriften ermöglichen. Wichtig ist, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Natürlich treffe ich noch Freunde und meine Familie, und ich gehe auch noch in Restaurants. Ich halte es für wichtig, die Gastronomie weiter zu unterstützen. Ein Kontakttagebuch führe ich nicht, aber ich kann über meinen Kalender alle Termine rückverfolgen. Die Corona-App habe ich installiert. Bislang hat sie mir aber noch keine Warnungen angezeigt.“

Andy Grote (52), Innensenator: „Die Maske ist über die Monate ein fester Begleiter geworden, ohne den es nirgendwo mehr hingeht. Mittlerweile habe ich wie viele nahezu in jeder Tasche eine Maske. Ich arbeite zwar noch an meinem Schreibtisch in der Behörde, sehr viele Besprechungen finden aber digital statt. Das ist auch ein Vorteil, denn es spart lange Fahrtwege und gibt mir mehr Zeit am Schreibtisch, um mich in Vorgänge einzulesen. Gewisse Runden wie die wöchentliche Senatssitzung finden zwar noch persönlich, aber mit dem gebotenen Abstand statt. Aktivitäten an den Wochenenden beschränken sich dagegen häufig auf notwendige Einkäufe und die Zeit mit der Familie. Wir versuchen aber zumindest auch unserem Sohn hier und da ein paar soziale Kontakte mit Freunden zu ermöglichen.“

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Amelie Deuflhard (61), Intendantin der Kulturfabrik Kampnagel: „In der Tat scheint es paradox, dass die Politik auffordert, soziale Kontakte zu meiden, und alle Theater und Veranstaltungsorte trotzdem geöffnet sind. Aber es ist gerade in Krisenzeiten wichtig, dass Kunst und Kultur weiter produziert werden und eine gesellschaftliche Auseinandersetzung in öffentlichen Räumen stattfindet. Wir wissen, dass wir hier in unseren großen Hallen auf Kampnagel und dem riesigen Außengelände Kunst und soziale Begegnungen sicher ermöglichen können. Im Moment verbringe ich viel Zeit auf Sitzungen, um festzulegen, wie wir das Ansteckungsrisiko für unsere Mitarbeiter, Künstlerinnen und Publikum so gering wie möglich halten können.

Die Pandemie hat massive Auswirkungen auf mein Berufs- und mein Privatleben. Meine ansonsten umfassende Reisetätigkeit findet fast nicht mehr statt. Privat sehe ich nur noch meine engste Familie und sehr gute Freunde. In Nicht-Krisenzeiten koche ich an freien Wochenende gern für größere Gruppen, jetzt sitzen wir eher im kleinen Kreis um den Tisch. Ich führe schon immer einen Terminkalender, in dem viele meiner Begegnungen nachzuvollziehen sind. Außerdem nutze ich die Corona-App und achte auf die Abstandsregeln. Und wenn mir trotz aller Vorsichtsmaßnahmen jemand zu nahe kommt, mache ich mir eine Notiz.“

Andreas Bornemann (49), Sportdirektor FC St. Pauli: „Durch die gestiegenen Corona-Zahlen haben wir in der Familie die Freizeitaktivitäten und gegenseitigen Besuche auf ein Minimum heruntergefahren. Das ist im Prinzip aber seit März so, nun achten wir wegen des erhöhten Infektionsgeschehens aber wieder deutlich mehr darauf. Es ist schon ein großer Einschnitt, aber die Quasi-Quarantäne, die man sich auferlegt hat, ist auch schon ein Stück weit Routine geworden. Im Sommer, als man noch draußen sitzen konnte, sind wir auch mal ins Restaurant gegangen, aber jetzt sieht die Freizeitgestaltung so aus, dass ich die Zeit mit meiner Frau und meinen Söhnen zu Hause verbringe. Auf eine Urlaubsreise haben wir in diesem Jahr komplett verzichtet. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Corona in Hamburg, Deutschland und weltweit – die interaktive Karte:

Prof. Dieter Lenzen (72), Präsident der Uni Hamburg: „Ich habe mein berufliches wie privates Leben durch die Pandemie in extremer Weise umgestellt. Ich versuche persönliche Kontakte wenn möglich zu vermeiden, selbst innerhalb der Familie außerhalb Hamburgs. Sitzungen und Konferenzen, die wir verantworten und an denen ich teilnehme, finden ausschließlich in digitaler Form statt. Seit vergangener Woche besuche ich weder Restaurants noch kulturelle Einrichtungen. Angesichts der nicht stattfindenden Kontakte erübrigt sich für mich die Installation der Corona-App wie das Führen des vom Virologen Prof. Christian Drosten empfohlenen Kontakttagebuchs.“

Ralf Martin Meyer (60), Polizeipräsident: „Meine Kontakte sind ziemlich reduziert. Natürlich treffe ich die engere Familie und spiele gelegentlich Tennis, selbstverständlich unter den Bedingungen der hamburgischen Sars-CoV2-Eindämmungsverordnung. Ich besuche kaum noch Veranstaltungen und reduziere Treffen mit Freunden. In Restaurants gehe ich noch, aber weniger als üblich. Weitere Veranstaltungen, vor allem in geschlossenen Räumen, besuche ich zurzeit kaum noch. Die Corona-Warn-App habe ich installiert, bisher hat sie mir nur Begegnungen mit geringem Risiko angezeigt. Außerdem nutze ich die Corona-Datenspende-App des RKI.“

Rainer Moritz (62), Leiter Literaturhaus: „Die Veranstaltungen im Literaturhaus und gelegentliche auswärtige Termine bescheren mir genügend persönliche Begegnungen. Von diesen abgesehen beschränke ich mein Sozialleben auf das Unumgängliche. Sich selbst begegnen kann ja auch interessant sein. Ich ändere ansonsten wenig, verhalte mich zurückhaltend wie bisher und bin manchmal nicht traurig, wenn eine langatmige Sitzung per Zoom abläuft. Die literarische Gattung des Tagebuchs habe ich übrigens seit gut 30 Jahren nicht mehr gepflegt, und dabei bleibt es – also kein Corona- und kein Kontakttagebuch.“

Dennis Thering (36), Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Recht dazu aufgerufen, Sozialkontakte auf das Notwendige zu beschränken. Daher gehören auch Videokonferenzen mittlerweile zu meinem Alltag einfach dazu. Restaurants und kulturelle Einrichtungen besuche ich mittlerweile deutlich seltener. Ich stelle fest, dass sich die Gastronomen große Mühe geben, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Letzte Woche war ich mit meiner Tochter im Zirkus, auch hier wurde das Hygienekonzept vorbildlich eingehalten.

Berufliche Kontakte in den Räumen der CDU-Fraktion werden im Rahmen unseres Hygienekonzepts festgehalten. Ein privates Kontakttagebuch führe ich bisher nicht, aber nutze stattdessen die Corona-Warn-App, die ich am ersten Tag des Erscheinens installiert habe. Hier hatte ich bisher glücklicherweise noch keine Risikobegegnung.“

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Carola Veit (47), Präsidentin der Bürgerschaft: „Ich achte mit meiner Familie schon darauf, dass nur die nötigen Begegnungen stattfinden. Beruflich nehmen bei mir die Video- und Telefonkonferenzen wieder sehr zu. Restaurants und kulturelle Einrichtungen besuche ich beruflich natürlich schon, wenn auch eingeschränkt. Als Präsidentin der Bürgerschaft ist es ja meine Aufgabe, das Parlament nach außen zu vertreten. Privat fast gar nicht. Ein Kontakttagebuch führe ich nicht, aber einen Kalender. Die Corona-Warn-App habe ich selbstverständlich installiert. Mir wurden bisher nur Begegnungen mit niedrigem Risiko angezeigt.“

Harald Vogelsang (61), Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse: „Wir haben bereits frühzeitig in der Haspa Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter*innen und Kund*innen umgesetzt: dazu gehören z. B. Abstandsregelungen, Schutzwände und die regelmäßige Desinfektion der Arbeitsflächen und Geldautomaten. Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, herrscht in allen Bankräumlichkeiten vom Eingang bis zum Arbeitsplatz sowie auf dem Gang in die Kantine oder in die Teeküche die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das gilt selbstverständlich auch für mich. Dienstreisen und interne Meetings habe ich seit März auf das Notwendigste beschränkt.

Dort, wo es möglich ist, arbeiten viele Kolleg*innen nach wie vor auch mobil. Waren Videokonferenzen früher die Ausnahme, sind sie jetzt die Regel. Aufgrund der aktuell stark ansteigenden Infektionszahlen haben wir im Vorstand beschlossen, wieder eine Woche im Home­office und eine Woche im Büro zu sein. Persönliche Kontakte habe ich im beruflichen wie im privaten Umfeld auf ein Minimum reduziert, und meine Familie und ich haben zum Start die Corona-Warn-App heruntergeladen. Zudem gehe ich dem Infektionsrisiko auch aus dem Weg, indem ich auf dem Weg zur Arbeit überwiegend das Fahrrad nutze.“


Michael Westhagemann (63), Wirtschaftssenator: „Die geltenden Regeln sind wichtig, um gut durch die Zeit der Pandemie zu kommen. Ich habe von Beginn an darauf geachtet, die AHA-Regel zu beachten. Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen. Termine finden da, wo der Abstand nicht sicher eingehalten werden kann, virtuell statt. Auch im Büroalltag achten wir alle gemeinsam darauf. Es gab beruflich und privat keine Auslandsreisen, die Kontakte habe ich privat von Beginn der Pandemie an auf Familie und enge Freunde beschränkt.“

( pw/ode/hja/ber/msch )

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