Corona-Krise

Maskenpflicht in Hamburg könnte ausgeweitet werden

An einigen Orten in Hamburg gilt nun auch draußen die Maskenpflicht.

An einigen Orten in Hamburg gilt nun auch draußen die Maskenpflicht.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Senatorin Leonhard (SPD) verteidigt die neue Corona-Regel. Sollte es notwendig sein, werde man weitere Straßen miteinbeziehen.

Hamburg. Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) hat die umstrittene Einführung der Maskenpflicht auf besonders belebten Straßen und Plätzen in Hamburg verteidigt. „Es ist grundsätzlich so, dass wir die Maskenpflicht gezielt dort ausgeweitet haben, wo wir wissen, dass Abstände nicht eingehalten werden können“, sagte Leonhard in der Landespressekonferenz. Der Schritt diene dazu, „Risikominimierung“ zu betreiben.

Die Straßen und Plätze auf St. Pauli, in Altona, im Schanzenviertel und in Winterhude seien danach ausgewählt worden, „wo nachweislich über einen längeren Zeitraum hohe Personenkonzentrationen stattgefunden“ hätten, so die Senatorin. „Danach sind auch die Uhrzeiten ausgewählt worden. Es mag sein – wir sammeln jetzt erste Erfahrungen –, dass man auch noch einmal zu einer anderen Regelung bei den Uhrzeiten oder zu anderen Straßenabschnitten kommt“, sagte Leonhard.

Viele Passanten halten sich nicht an die Maskenpflicht

Die Opposition hatte die seit Montag geltenden Regelungen als „realitätsfernes Flickwerk“ und „chaotisch“ bezeichnet. Erste Stichproben ergaben, dass viele Passanten der Maskenpflicht noch nicht folgten, möglicherweise auch, weil ihnen die Regelung gar nicht bekannt war. In den nächsten Tagen sollen noch mehr Hinweisschilder angebracht werden. Leonhard sagte, für eine Zwischenbilanz sei es noch zu früh.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann zu einer Ausweitung der Maskenpflicht kommen müssen. Unser Wunsch ist das nicht. Wir wollen das so kleinräumig wie möglich machen“, sagte Leonhard. Die Erfahrungen würden in den kommenden Wochen ausgewertet. „Sollte es sich zeigen, dass mehr erforderlich ist, kann man mehr nachziehen“, so die Gesundheitssenatorin.

Stagnierender Trend bei Corona-Neuinfektionen

Unterdessen hält der stagnierende Trend der vergangenen Tage bei den Corona-Neuinfektionen an. Am Dienstag meldete die Gesundheitsbehörde zwar 112 neue Infektionen (Montag: 77), dennoch liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert weiterhin bei 37 und damit deutlich unter der kritischen Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, der in den meisten deutschen Großstädten inzwischen erreicht ist. Am vergangenen Freitag hatte der Hamburger Inzidenzwert noch bei 39,5 gelegen.

Dennoch hält die Gesundheitssenatorin es für zu früh, von einem positiven Trend zu sprechen. „Ob es dazu kommt, werden wir erst in ein, zwei Wochen wissen. Es ist auch möglich, dass die Verstetigung ein kurzfristiger Effekt bleibt“, sagte Leonhard. Ein Großteil der neu gemeldeten Fälle umfasst nach wie vor die Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen. „Wir verzeichnen allerdings auch eine wachsende Zahl von infizierten Menschen in höherem Alter, was uns nicht unbesorgt macht mit Blick auf die nächsten Wochen“, sagte die Senatorin.

Höchster Inzidenzwert in Bergedorf

In der vergangenen Woche wurden keine größeren einzelnen Ausbrüche registriert, allerdings seien drei Pflegeeinrichtungen von mehreren Corona-Fällen betroffen. Die große Zahl kleinerer Ausbrüche der Krankheit sind auf Feiern im privaten und familiären Bereich zurückzuführen. Derzeit werden 62 Corona-Erkrankte (52 Hamburger) stationär behandelt, von ihnen müssen elf intensivmedizinisch versorgt werden.

Lesen Sie auch:

Nicht der Bezirk Wandsbek, wo die meisten neuen Corona-Infektionen in der vergangenen Woche festgestellt wurden, sondern Bergedorf, der Bezirk mit den – absolut gesehen – wenigsten Infektionen, hat den höchsten Inzidenzwert. Dort wurden 45 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner festgestellt. Die niedrigsten Wert weist mit 25 der Bezirk Eimsbüttel auf. Es folgt Hamburg-Nord mit 28,6. Eimsbüttel und Nord sind die einzigen Bezirke in Hamburg, in denen der Inzidenzwert unter 35 liegt. Knapp über der Marke liegen die Bezirke Altona mit 35,1 und Harburg mit 35,4. Die Bezirke Mitte und Wandsbek haben einen Inzidenzwert von 40,4 und 42,5.

Droßmann weist Vorwürfe zurück

Unterdessen haben die umfangreichen Kontrollen von Polizei und Ordnungsämtern auf Einhaltung der Corona-Regeln in Bars, Clubs und Restaurants zu einem Konflikt zwischen Gas­tronomen und der Verwaltung geführt. So hat sich das Barkombinat, ein Zusammenschluss von Bar- und Kneipenbetreibern, gegen die Vorgehensweise der Prüfer gewandt.

Corona-Verordnung: Scharfe Kontrolle auf St. Pauli

Corona-Krise: Hier gilt die Maskenpflicht in Hamburg (Stand: 10. Oktober)

  • in der Stralsunder Straße, täglich von 12 Uhr bis 22 Uhr
  • auf dem Steintorplatz einschließlich der angrenzenden öffentlichen Wege, Straßen und Plätze, abgegrenzt durch die Bahnüberführung der Straße Steintordamm, dem Gebäude des Museums für Kunst und Gewerbe, dem Gebäude des Zentralen Omnibusbahnhofs, dem Gebäude mit der Hausnummer Steindamm 2, dem Gebäude mit der Hausnummer Steindamm 1, den Gebäuden mit den Hausnummern Steintorplatz 3 und Kirchenallee 57 sowie dem Gebäude des Hauptbahnhofs, täglich von 12 Uhr bis 22 Uhr
  • auf dem Ballindamm im räumlichen Bereich vor dem Gebäude mit der Hausnummer 40, abgegrenzt durch die Straßen Ballindamm und Bergstraße, täglich von 15 Uhr bis 18 Uhr
  • in der Straße Große Freiheit im räumlichen Bereich von der Hausnummer 1 bis zur Hausnummer 47, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag
  • in der Straße Hamburger Berg im räumlichen Bereich der Hausnummern 1 bis 39, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag
  • in der Talstraße im räumlichen Bereich der Hausnummern 1 bis 36, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag,
  • auf dem Hans-Albers-Platz einschließlich der Friedrichstraße im räumlichen Bereich zwischen und einschließlich den Hausnummern 11 beziehungsweise 24 bis 21 beziehungsweise 28, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag
  • auf der Straße Reeperbahn einschließlich der Plätze Nobistor und Spielbudenplatz, abgegrenzt durch den Millerntorplatz, die Straße Zirkusweg, die Holstenstraße und den Finkenpark sowie in der Straße Spielbudenplatz im räumlichen Bereich der Hausnummern 1 bis 31, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag
  • auf der Straße Schulterblatt im räumlichen Bereich zwischen den Straßen Susannenstraße und Rosenhofstraße, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 20 Uhr bis 24 Uhr
  • auf dem Alma-Wartenberg-Platz einschließlich der Bahrenfelder Straße im räumlichen Bereich zwischen und einschließlich den Hausnummern 135 beziehungsweise 146 und den Hausnummern 183 beziehungsweise 188, der Kleinen Rainstraße im räumlichen Bereich bis zu und einschließlich den Hausnummern 3 beziehungsweise 6, der Nöltingstraße im räumlichen Bereich bis zu und einschließlich den Hausnummern 5 beziehungsweise 12, der Friedensallee im räumlichen Bereich bis zu und einschließlich den Hausnummern 7 beziehungsweise 14 sowie der Bergiusstraße im räumlichen Bereich bis zu der Hausnummer 7, freitags und sonnabends von 19 Uhr bis 3 Uhr am Folgetag
  • in der Straße Hohenesch im räumlichen Bereich von und einschließlich den Hausnummern 1 beziehungsweise 6 bis zur Bahrenfelder Straße, freitags und sonnabends von 19 Uhr bis 3 Uhr am Folgetag
  • in der Straße Mühlenkamp im räumlichen Bereich zwischen der Körnerstraße und der Preystraße, täglich von 12 Uhr bis 1 Uhr am Folgetag
  • auf den Sankt-Pauli-Landungsbrücken einschließlich der dort befindlichen Pontonanlage und den Brücken 1 bis 10, montags bis freitags jeweils von 6 Uhr bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr
  • Im Einzelfall kann die Polizei auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen eine räumlich begrenzte Maskenpflicht anordnen, wenn dies aus Infektionsschutzgründen erforderlich ist, beispielsweise, wenn das Abstandsgebot durch einen erheblichen Teil der anwesenden Personen nicht eingehalten wird oder aufgrund der räumlichen Verhältnisse oder der Anzahl der anwesenden Personen nicht eingehalten werden kann.