Hamburg

Friedhof Ohlsdorf: Schranke für Autos startet mit Problemen

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Christian Landbeck (Bezirksamt Hamburg-Nord), Friedhofchef Carsten Helberg und Umwelt-Staatsrat Michael Pollmann (v.l.) freuten sich am Freitag über die Inbetriebnahme der Schranken am Ohlsdorfer Friedhof.

Christian Landbeck (Bezirksamt Hamburg-Nord), Friedhofchef Carsten Helberg und Umwelt-Staatsrat Michael Pollmann (v.l.) freuten sich am Freitag über die Inbetriebnahme der Schranken am Ohlsdorfer Friedhof.

Foto: Andreas Laible/Funke Foto Services

Parkfriedhof soll Autofahrern nicht mehr als Abkürzung dienen. Aufbau kostete knapp 450.000 Euro. Das löst Kritik aus.

Hamburg. Eine Schranke auf dem Ohlsdorfer Friedhof soll künftig den Durchgangsverkehr über die fast 400 Hektar große Grünanlage im Norden Hamburgs verhindern. Die Barriere ist an der Kreuzung Mittelallee/Ida-Ehre-Allee eingerichtet worden, teilte die Umweltbehörde am Freitag mit.

Ohlsdorf: Erste Probleme mit neuen Schranken

Für Gäste von Trauerfeiern, Mitarbeiter des Friedhofsgewerbes sowie für Polizei und Feuerwehr werde die Schranke geöffnet, für Fußgänger und Radfahrer sei sie kein Hindernis. Jedes Grab und jede Kapelle sei weiter für Besucher mit dem Auto erreichbar, nur müssen sie ihre Einfahrt nun je nach Lage des Ziels wählen.

Für den Besuch des westlichen Friedhofteils mit dem Pkw gilt die Einfahrt Fuhlsbüttler Straße, wer den östlichen Teil besuchen möchte, wählt die Einfahrten Kornweg, Bramfelder Chaussee oder Seehof.

Bei Inbetriebnahme der Schranken am Freitagvormittag kam es jedoch zu ersten Problemen: Die für die Schranken ausgestellten Zugangskarten funktionierten teilweise nicht. Mitarbeiter der zuständigen Service-Zentrale, die den Zutritt steuert, reagierten jedoch nicht auf Anrufe. Man habe aber alles im Griff, heißt es gleichzeitig von einem leitenden Mitarbeiter.

Umwelt-Staatsrat: "Schrankenlösung ist unkompliziert"

"Die jetzige Schrankenlösung ist unkompliziert und praktikabel. Andere technische Möglichkeiten, die in der Diskussion waren, haben wir verworfen, weil sie deutlich einschneidender gewesen wären", heißt es auch von Umwelt-Staatsrat Michael Pollmann (Grüne).

Auch seine Parteikollegin Ulrike Sparr, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, begrüßte die Schranke. "Die jetzt in Betrieb genommene Schranke bringt mehr Ruhe an diesen Ort, der für Trauer und Gedenken steht, aber auch ein einzigartiges Park- und Kulturerlebnis inmitten unserer Großstadt bietet", teilte sie am Freitagmittag mit.

Trotz Schranke: Ohlsdorfer Friedhof weiterhin befahrbar

Komplett autofrei werde der Friedhof jedoch nicht. "Angesichts der Größe des Friedhofs halten wir es für erforderlich, dass dort alle Bereiche auch weiterhin mit dem Auto angefahren werden können. Aber mit dem Durchfahrtsverkehr wird jetzt Schluss sein", so Pollmann. Für viele Besucher seien die durchfahrenden Autos ein Ärgernis gewesen.

"Es war an der Zeit, ein eindeutiges Signal zu setzen und diese Störung effektiv zu unterbinden", sagte der Geschäftsführer der Hamburger Friedhöfe, Carsten Helberg. Er fügte hinzu: "Bitte glauben Sie mir, dass alle gerne auf eine Schranke verzichtet hätten, aber sie ist leider notwendig."

Knapp 450.000 Euro kostete allein der Aufbau der Schranke, wie Lutz Rehkopf, Sprecher der Hamburger Friedhöfe mitteilte. Zudem rechnen die Betreiber mit etwa 25.000 Euro Betriebskosten im Jahr.

Bund der Steuerzahler kritisiert hohe Kosten

Anlässlich der Vorstellung der neuen Durchfahrtsbeschränkung übte Lorenz Palte, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler in Hamburg, Kritik aus: "Gut gemeint ist leider nicht gut gemacht!".

"Für Friedhofsbesucher, die von der östlichen Seite des Friedhofs kommen und zu einem Ort auf dem westlichen Teil des Friedhofs wollen, verdreifacht sich die Strecke auf der Hin- und auf der Rückstrecke", so Palte. Die neue Umfahrung des Friedhofs löse nicht nur mehr Emissionen aus, sie komme den Hamburger Steuerzahler auch teuer zu stehen.

"Knapp eine halbe Million Euro lässt sich der Senat eine Schrankenlösung kosten, die mehr Verkehr auslöst", kritisiert Palte. Eine intelligentere Schrankenlösung wäre nach Einschätzung des Steuerzahlerbundes deutlich "smarter" und günstiger gewesen.

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Eine Verkehrszählung hatte ergeben, dass über 60 Prozent der täglich 8600 Autos den Friedhof nur durchfuhren. Laut Hamburger Bestattungsverordnung ist das allerdings verboten.

Die Umweltbehörde verwies auf das Beispiel des Wiener Zentralfriedhofs, wo bereits vor einigen Jahren ein Schrankensystem eingeführt worden sei. Der Ohlsdorfer Friedhof ist nach Angaben der Verwaltung der größte Parkfriedhof der Welt.

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( dpa/cjl/lag/esh )