Virtuelle Spiele

Hamburg wird zur eSports-Metropole Europas

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Iris Mydlach
Ein Raum, an dem die Hamburger Gaming-Community zusammenkommen kann: Tomislav Karajica bei der Einweihung von Deutschlands erstem Trainingszentrum für Hobbyzocker am Nobistor.

Ein Raum, an dem die Hamburger Gaming-Community zusammenkommen kann: Tomislav Karajica bei der Einweihung von Deutschlands erstem Trainingszentrum für Hobbyzocker am Nobistor.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Immobilienentwickler Tomislav Karajica will in Bergedorf Campus, Themenpark und Hotel eröffnen. Wie viel er investiert.

Hamburg.  Im Bergedorfer Stadtteil Nettelnburg soll im kommenden Jahr das größte eSports-Zentrum Europas eröffnen. Dies bestätigte der Hamburger Immobilien- und Projektentwickler Tomislav Karajica dem Hamburger Abendblatt. Das „Gaming House“ wird im ehemaligen Tagungshotel der Telekom am Oberen Landweg entstehen. Das 20.000 Quadratmeter große Objekt liegt direkt am S-Bahnhof Nettelnburg und soll zu diesem Zweck komplett renoviert und umgebaut werden. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 50 Millionen Euro.

Unter Gaming versteht man die Beschäftigung mit virtuellen Spielen, entweder im Internet oder mittels digitaler Medien. Menschen, die diese Spiele professionell betreiben, bezeichnet man als eSportler – über 1,5 Millionen gibt es inzwischen geschätzt auch in Deutschland.

eSports: Eröffnung von Gaming House für Ende 2021 geplant

„Das Thema eSports fasziniert mich seit Jahren. Ich begreife Gaming als Sport und möchte all denen, die mit der größten Leidenschaft und Faszination in dieser Welt unterwegs sind, die Möglichkeit einer Verortung geben, so, wie ich es in Wilhelmsburg mit den Hamburg Towers gemacht habe“, sagte der 43-Jährige im Gespräch mit dem Abendblatt. Die Eröffnung ist für Ende 2021 geplant.

Neben einem Hotel für Gaming-Fans, einem Themenpark und einem eigenen eSports-Campus wird das Zen­trum zugleich die neue Heimat der Unicorns of Love (übersetzt: Einhörner der Liebe). Das Hamburger eSports-Team kämpft derzeit im PC-Spiel League of Legends (Liga der Legenden) um den Weltmeistertitel. Erstmals seit ihrer Gründung zog die Mannschaft um den Nettelnburger Trainer Fabian Mallant (26) in die Hauptrunde ein. Die WM wird in Shanghai ausgetragen. 44 Millionen Zuschauer sahen im vergangenen Jahr das Finale – gespielt wird um Preisgelder von rund 1,7 Millionen Euro.

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Angebot beschränkt sich derzeit noch auf „League of Legends“

Wie sich Tomislav Karajica die Umsetzung seines neuen Großprojekts vorstellt, wurde bereits vergangenen Freitag deutlich – als mitten auf dem Kiez Deutschlands erster Trainingsraum für Hobbyzocker eröffnet wurde. „Zu uns kommt man, wenn man Gaming fühlt und eSports lebt“, sagte Sebastian Lampe, Leiter des Projekts, bei der Eröffnung. An 20 Plätzen kann ab sofort im „Hamburger Ding“ am Nobistor 16 gespielt werden, allein oder als Team. Seit heute findet ein Ferienprogramm statt. Das Angebot beschränkt sich derzeit noch auf „League of Legends“, das weltweit erfolgreichste PC-Spiel mit mehr als 100 Millionen Nutzern – im Monat.

Professionelle Trainer können den Besuchern, wenn gewünscht, Hilfestellungen geben oder sogar das Training leiten. „Darüber hinaus wird es aber auch Seminare für Eltern geben, die verstehen möchten, woher die Faszination ihrer Kinder kommt. Denen wollen wir erklären, wie viel ihre Kinder bei diesem Spiel lernen – und dass es nicht gefährlich für sie ist“, ergänzte Karajica.

Hamburger eSports-Organisation „Unicorn of Love“ ist ein Familienprojekt

Am liebsten wäre es dem Unternehmer allerdings, wenn sich Eltern und Großeltern gleich selbst mit vor die Rechner setzen würden. „Gaming betrifft alle“, sagte Karajica dem Abendblatt, „deshalb möchte ich jeder Altersgruppe den Zugang ermöglichen. Auch den Senioren.“ So wird das Spiele-Projekt am Nobistor ab sofort auch den Patienten der gegenüberliegenden Endo-Klinik für die Zeit ihres Aufenthalts ein Gaming-Angebot unterbreiten. Die Kooperation wurde jetzt unterzeichnet.

Die Wahl für Karajicas nächstes großes Hamburg-Projekt ist nicht zufällig auf Bergedorf gefallen: Auch die „Unicorns of Love“ sind seit jeher im Stadtteil Nettelnburg zu Hause. Die 2013 gegründete eSports-Organisation ist ein Familienprojekt. Besitzer ist der Unternehmer Jos Mallant; Sohn Fabian fungiert als Coach des Teams, Tochter Vivien (28) ist General Manager. Die Geschwister befinden sich derzeit in Shanghai. „Wir kannten keinen eSports“, hatte Jos Mallant vor Wochen dem Abendblatt erzählt. Weil sie aber die Leidenschaft ihres Sohnes verstehen wollten, folgten die Eltern ihm auf seinem Weg und unterstützten ihn nach Kräften.

Karajica: “eSport ist ein in allen Bereichen rasant wachsender Markt“

Obwohl es mehrfach Angebote von Investoren und anderen großen Gaming-Organisationen gab, blieb das erfolgreiche Team immer in Familienhand. Im März 2020 stieg schließlich Tomislav Karajica als erster Investor ein. „Was uns im Basketball mit den Hamburg Towers rund um Marvin Willoughby und Jan Fischer gelang, wird uns mit den ,Unicorns of Love‘ und der Familie Mallant in Bergedorf auch gelingen“, sagte Karajica.

In Deutschland gibt es rund 34 Millionen Menschen, die regelmäßig virtuell spielen. Derzeit ist es die Altersgruppe der über 50-Jährigen, die am stärksten wächst. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland mit Videospielen und den dafür benötigten Geräten 3,7 Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Verband der deutschen Games-Branche bekannt gab.

„eSport ist ein in allen Bereichen rasant wachsender Markt. Die Community ist auch in Hamburg stark, es fehlt aber ein Raum, in dem sie zusammenkommen kann. Diesen schaffen wir auf allerhöchstem Niveau“, sagte Tomislav Karajica. „Wenn alle Instanzen an einem Strang ziehen, wird Hamburg schon vom kommenden Jahr an eine führende Rolle im Gaming einnehmen – weltweit!“

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