Verkehr in Hamburg

Streik in Hamburg: Kaum U-Bahnen und Busse am Morgen

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Streikende Mitarbeiter der Hochbahn vor einem Busdepot in Hamburg – der Ausstand hat den U-Bahn- und Busverkehr in der Stadt zum Erliegen gebracht.

Streikende Mitarbeiter der Hochbahn vor einem Busdepot in Hamburg – der Ausstand hat den U-Bahn- und Busverkehr in der Stadt zum Erliegen gebracht.

Foto: Bodo Marks / dpa

Warnstreik bei Hochbahn und VHH sorgte am Dienstagmorgen für lange Staus besonders in der Stadt. Gewerkschaft: hohe Beteiligung.

Hamburg. Nach der Stadtreinigung, den Kitas und Krankenhäusern sind am Dienstagmorgen auch die Mitarbeiter der Hamburger Nahverkehrsbetriebe in den Warnstreik getreten. Die Arbeitsniederlegung begann um 3 Uhr morgens und wurde um 12 Uhr beendet.

Bei der Hochbahn wurde der Betrieb fast vollständig eingestellt – ab 9 Uhr wurde die Linie U3 im im Zehn-Minuten-Takt wieder aufgenommen, "um zumindest die innerstädtische Mobilität in Teilen zu gewährleisten", wie die Hochbahn mitteilte.

Seit dem Streikende um 12 Uhr wird der normale Verkehr auf allen U-Bahn- und Buslinien wieder aufgenommen, zwei Stunden später läuft der Verkehr der U-Bahnen "wieder stabil und wie gewohnt", bis 15 Uhr sollen laut Hochbahn auch alle Busse wieder fahrplangemäß unterwegs sein. Auch die ebenfalls bestreikten Verkehrsbetriebe Hamburg (VHH) haben ihren Busbetrieb wieder aufgenommen.

Warnstreik bei der Hochbahn: Lange Staus besonders in der Stadt

Zwar verkehrten die nicht von dem Warnstreik betroffenen S-Bahnen normal, dennoch kam es auf Hamburgs Straßen am Morgen zu deutlich längeren Staus als üblich: Während die Verzögerungen auf den Autobahnen laut Verkehrsleitzentrale auf normalem Niveau gelegen hätten, war die Verkehrslage im gesamten Stadtgebiet "angespannt", hieß es.

Am größten Betriebshof der Hochbahn in Alsterdorf hatten sich am Morgen rund 300 Streikende versammelt: "Der Warnstreik war für uns ein voller Erfolg. Wir hatten über 1000 Menschen in Bewegung. Wir hätten nie gedacht, dass wir so eine große Beteiligung haben werden“, sagte der Hamburger Verdi-Fachbereichsleiter Verkehr, Natale Fontana.

Verdi will bessere Arbeitsbedingungen in Verkehrsbetrieben

Zu dem Warnstreik hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen, um mit Blick auf neue Tarifverträge für die Branche bundesweit den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. „Es geht uns nicht ums Geld, sondern um die Arbeitsbedingungen“, sagte Fontana weiter. Deshalb habe die Gewerkschaft im Frühjahr bundesweit die Tarifverträge gekündigt. Neben einem 13. Monatsgehalt fordert ver.di unter anderem eine Erhöhung der Zulagen für belastete Dienste und Schichten und einen Standardsatz an 30 Urlaubstagen für alle Angestellten. Fontana erklärt dazu: "Die Arbeitsplätze sind wenig attraktiv und folglich ist der Fachkräftemangel enorm. Die Belastungsgrenze für die Angestellten wird mittlerweile deutlich überschritten."

Fontana und die stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi, Sieglinde Frieß, machen sich aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen vor allem Sorgen um den Nachwuchs an Auszubildenden. "Der ÖPNV ist eine der wichtigsten Säulen der Mobilitätswende. Dafür muss man auch in das Personal investieren", so Frieß.

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Bereits in den vergangenen Tagen hatten in Hamburg im Rahmen der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst unter anderem die Stadtreiniger sowie Mitarbeiter des Hafens, von Kindergärten, Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen die Arbeit niedergelegt.

Solidarität mit den Streikenden

Für den Warnstreik im Nahverkehr haben auch viele der direkt Betroffenen Verständnis: Diana Yaghouty ist Schülerin des Wirtschaftsgymnasium City Nord nimmt normalerweise die Buslinie 118 auf ihrem Weg zur Schule. Auch wenn Sie wegen des Warnstreiks verspätet zum Unterricht erschien, unterstützt sie die Forderungen der Streikenden: „Die Busfahrer arbeiten so hart und bekommen meiner Meinung nach viel zu wenig Gehalt dafür. Deswegen finde ich es gut, dass sie heute ein Zeichen setzen.“

Auch die Bürgerschaftsfraktion der Linken erklärte ihre Solidarität mit den Streikenden. David Stroop, der gewerkschaftspolitische Sprecher der Fraktion, erklärte: „Wir solidarisieren uns mit den Streikenden des öffentlichen Nahverkehrs und unterstützen ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen! Die Krise darf jetzt nicht als Argument für eine Nullrunde herhalten. Die Beschäftigten wehren sich zurecht dagegen, dass sie jetzt für die Krise zahlen sollen, während die Reichen und Superreichen kräftige Gewinne machen.“

Unternehmerverband kritisiert Warnstreik

Für die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord) kam der Streik zum falschen Zeitpunkt. „Das Streikrecht ist ein hohes Gut der in Deutschland gelebten Sozialpartnerschaft. Das vorausgeschickt fehlt mir aber völlig das Verständnis für den heutigen Streik im öffentlichen Dienst. Gerade jetzt ist für die pandemie-geplagten Bürger und Arbeitgeber*innen das Funktionieren der öffentlichen Infrastruktur unverzichtbar. Ein Streik zur Unzeit!“, sagte UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz laut Mitteilung.

( dpa/josi/hpjs )

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