Nachruf

Das "Abschiedsinterview" mit Robert Jarowoy muss ausfallen

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Matthias Schmoock
Robert Jarowoy, langjähriger Fraktionschef der Linken im Bezirk Altona, ist im Alter von 67 Jahren an Krebs gestorben.

Robert Jarowoy, langjähriger Fraktionschef der Linken im Bezirk Altona, ist im Alter von 67 Jahren an Krebs gestorben.

Foto: Roland Magunia / HA

Der langjährige Fraktionschef der Linken in Altona hatte erst vor zwei Wochen sein Amt niedergelegt. Nun ist er gestorben.

Hamburg.  Für Donnerstag waren wir zum Gespräch verabredet, Robert Jarowoy nannte es in seiner direkten Art am Telefon ganz offen ein „Abschiedsinterview“. Nun kommt es nicht mehr dazu, denn der langjährige Fraktionschef der Altonaer Linken ist am Montagabend seiner schweren Krebserkrankung erlegen. Nur vier Tage vorher hatten wir gesprochen – zum letzten Mal, wie sich nun zeigt.

Erst vor zwei Wochen hatte Jarowoy, seit 2008 Mitglied der Bezirksversammlung, sein politisches Amt krankheitsbedingt niedergelegt, sich danach weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Schon seit rund zweieinhalb Jahren hatte er an einer seltenen, äußerst tückischen Form von Leberkrebs gelitten, die Krankheit aber tapfer und von den meisten unbemerkt getragen.

Robert Jarowoy: Freundlich, etwas hintersinnig – aber auch konsequent

Jarowoy galt als sozialer, menschlich ansprechender Typ, mit dem auch politische Gegner trotz vieler inhaltlicher Differenzen gut konnten. Seine freundlich-leutselige und etwas hintersinnige Art konnte darüber hinwegtäuschen, dass er seine politischen Positionen konsequent und unnachgiebig vertreten und auch verteidigen konnte. Jarowoy, der von 1973 bis 1979 als „anarchistischer Gewalttäter“ im Gefängnis saß, war politisch auch „linker“, als er auf manche Außenstehende gewirkt haben mag.

Jarowoy schrieb in seiner Freizeit Bücher, in denen er sich vorzugsweise mit politischen Machenschaften beschäftigte. Darunter ist auch der launige Polit-Krimi „Das Diebsteich-Komplott“, den das Abendblatt 2016 groß vorstellte. Den Tod seiner langjährigen Lebensgefährtin Beate Reiß („meine Frau“) vor einigen Jahren konnte Robert Jarowoy nur schwer verkraften.

Jarowoy: "Ich lasse mein Leben jetzt auslaufen, das ist ganz klar"

Vor Kurzem hatte er angekündigt, ein „letztes“ Buch zu schreiben, in dem es, wie er sagte, um die Machenschaften eines namhaften Krankenhauskonzerns und die entmenschlichte, profitorientierte Betreuung von Kranken gehen sollte. Für dieses Buch hatte er sich noch einmal mit der Krankengeschichte seiner verstorbenen Freundin beschäftigt, was ihn psychisch extrem belastete. Wie er in der vergangenen Woche sagte, war das Buch zu zwei Dritteln fertiggestellt, es sei aber fraglich, ob er es noch abschließen könne.

Im Bey’s am Kemal-Altun-Platz wollte sich Jarowoy mit dem Abendblatt treffen. Seine Begründung: „Bei mir zu Hause liegt zurzeit so viel rum, ich mache ja jetzt klar Schiff.“ Und auch das sagte er: „Ich lasse mein Leben jetzt auslaufen, das ist ganz klar.“

Robert Jarowoy wurde 67 Jahre alt.

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