Hamburg

Prostatakrebs: Neubau für „Weltklasse-Klinik“ am UKE

Sie feierten am Montag die Grundsteinlegung für die neue Martini-Klinik (v. l.):  Feridun Bircan, Geschäftsführer des Klinik Facility-Management Eppendorf (KFE), UKE-Chef Burkhard Göke, Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne), Hartwig Huland und Markus Graefen (ärztliche Leiter der Klinik) sowie Marya Verdel, Mitglied des UKE-Vorstands.

Sie feierten am Montag die Grundsteinlegung für die neue Martini-Klinik (v. l.): Feridun Bircan, Geschäftsführer des Klinik Facility-Management Eppendorf (KFE), UKE-Chef Burkhard Göke, Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne), Hartwig Huland und Markus Graefen (ärztliche Leiter der Klinik) sowie Marya Verdel, Mitglied des UKE-Vorstands.

Foto: Marcelo Hernandez

Gebäude kostet 70 Millionen Euro. Die hoch spezialisierte Martini-Klinik verfügt ab 2023 über deutlich mehr Betten als jetzt.

Hamburg.  An Selbstbewusstsein herrscht kein Mangel am Uniklinikum Eppendorf (UKE), wenn es um das hauseigene Prostatakrebszentrum geht – die Martini-Klinik. Mit rund 2500 Tumor-Operationen pro Jahr sei die Einrichtung „weltweit führend“, heißt es vom UKE. Zum Vergleich: Andere große Behandlungszentren wie das Uniklinikum San Raffaele in Mailand, das Johns Hopkins Hospital und die Mayo-Kliniken in den USA führten jeweils pro Jahr etwa 700 bis 1000 Prostatakrebs-Operationen durch, sagt Prof. Markus Graefen, ärztlicher Leiter der Martini-Klinik.

Renommee ist demnach kein Pro­blem, wohl aber fehlt es dem Team aus zwölf Chefärzten und 200 Klinikmitarbeitern an Platz: Seit der Eröffnung 2005 ist die Zahl der Betten von acht auf 72 gestiegen, das Gebäude aus den 1960er-Jahren ist zu klein geworden, um der steigenden Nachfrage von Patienten aus aller Welt gerecht zu werden und die von Robotern unterstützten Operationen auszuweiten. Abhilfe schaffen soll ein 70 Millionen Euro teurer Neubau, dessen Eröffnung für 2023 geplant ist.

Neue Martini-Klinik hat 28 Betten mehr

Am Montag feierte das UKE die Grundsteinlegung im Beisein von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) und Klinikdirektor Prof. Burkhard Göke. Während im Hintergrund Handwerker auf der Baustelle hämmerten und sägten, erinnerte Prof. Hartwig Huland, Gründer und leitender Arzt der Martini-Klinik, an die Anfänge der Einrichtung. Die Entscheidung, sich nicht auf eine ganze Disziplin, sondern eine Erkrankung zu konzentrieren, sei damals mit großen Sorgen verbunden gewesen. Doch der Ansatz habe sich bewährt – der Ruf der Martini-Klinik fuße auf ihrer Spezialisierung und der seit 2005 angehäuften Erfahrung. Er „platze vor Glück und Freude“, wenn er an die Möglichkeiten in der geplanten neuen Martini-Klinik denke, sagte Huland.

Das siebengeschossige Gebäude wird eine Nutzfläche von etwa 10.000 Quadratmetern bieten – in dem alten Gebäude stehen etwa 6400 Quadratmeter zur Verfügung. Die Zahl der Betten für privat und gesetzlich versicherte Patienten soll von 72 auf 100 erhöht werden; statt in bisher fünf Operationssälen sollen Eingriffe künftig in acht Räumen stattfinden können, die alle für den Einsatz des Da-Vinci-Chirurgiesystems geeignet sind. Es unterstützt die Operateure dabei, besonders kleine und präzise Schnitte durchzuführen. Im Vergleich zu Eingriffen ohne Roboterassistenz soll der Patient durch die Hightech-Hilfe weniger Blut verlieren, seine Wunden verheilten schneller, wie Klinikleiter Markus Graefen erläutert.

Martini-Klinik ist eine der weltweit führenden Einrichtungen

Stolz sind die Ärzte um Graefen und Huland auch auf das von ihnen eingesetzte Schnellschnitt-Verfahren: Schon während der OP analysiert ein Labor am UKE Gewebeproben, damit die Ärzte wissen, ob sie die von einem Tumor befallene Prostata komplett entfernt haben oder ob an einer Stelle noch millimetergroße Reste übrig geblieben sind. Durch den Nachschnitt während der laufenden OP wollen sie eine Bestrahlung vermeiden, die der Patient über sich ergehen lassen müsste, wenn sich erst später zeigte, dass womöglich von Krebs befallenes Gewebe nicht entfernt worden ist.

„Die Martini-Klinik ist eine der weltweit führenden Einrichtungen bei der Behandlung und Erforschung von Prostatakrebs“, sagte auch Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Gleichzeitig bilde sie eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung am UKE.

UKE finanziert den Neubau komplett aus eigenen Mitteln

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern vor Darmkrebs und Lungenkrebs; pro Jahr gibt es 60.000 neue Fälle in Deutschland. Die meisten Neuerkrankungen treten ab Ende 60 auf, wie Markus Graefen sagt. Etwa 12.000 Männer sterben jährlich an den Folgen der Erkrankung. Abhängig von der Aggressivität des Tumors entfernen Ärzte die etwa kastaniengroße Prostata vollständig. Hat der Krebs noch nicht gestreut, liegt Graefen zufolge die Heilungsrate bei über 90 Prozent. Doch auch wenn sich schon Metastasen gebildet haben, könnten einige Patienten geheilt werden.

Eine grundsätzliche Herausforderung bei der operativen Entfernung von Prostatatumoren besteht Graefen zufolge darin, die Kontinenz und die Erektionsfähigkeit zu erhalten. Die Patienten profitierten auch hier von der enormen Erfahrung der Operateure, die jeweils einige Hundert Eingriffe pro Jahr durchführten, sagte Klinikleiter Huland. Er verwies außerdem auf das besondere Qualitätsmanagement der Martini-Klinik. Behandlungsergebnisse würden systematisch in einer Datenbank erfasst. Auch nach der Entlassung der Patienten versuchten die Ärzte, Auskünfte über den Erfolg von Operationen und medikamentösen Therapien zu erhalten. „Das ist die Grundlage dafür, dass wir uns jedes Jahr verbessern“, sagte Huland.

Das UKE finanziert den 70 Millionen Euro teuren Neubau komplett aus eigenen Mitteln. Der Entwurf stammt von der Architektengemeinschaft AC/HWP (Wien/Stuttgart). Das Vorhaben ist Teil des „Zukunftsplans 2050“ des UKE. Vor zwei Wochen hatte die Klinik bereits die Grundsteinlegung für ein neues, 200 Millionen Euro teures Herz- und Gefäßzentrum mit 388 Betten und neun Operationssälen gefeiert, das voraussichtlich ebenfalls 2023 eröffnet werden soll.