Hamburg

Die Högenstraße gehört jetzt den Radfahrern

Der Eimsbüttler Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (r.) und Thorsten Rösch (Fachamt Management des öffentlichen Raumes) in der Högenstraße

Der Eimsbüttler Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (r.) und Thorsten Rösch (Fachamt Management des öffentlichen Raumes) in der Högenstraße

Foto: Thorsten Ahlf

Auf der Veloroute 2 von Eidelstedt in die City wurde ein Stück Fahrradstraße eingerichtet. Beschwerden über fehlende Parkplätze.

Hamburg. Mit der Fertigstellung eines wichtigen Abschnitts der Veloroute 2 hat Eimsbüttel einen weiteren Schritt in Richtung Mobilitätswende vollbracht. Die Fahrradstrecke soll in Zukunft Eidelstedt über Eimsbüttel mit der Innenstadt verbinden. Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) möchte mehr Menschen für das Radfahren begeistern. Der 58-Jährige fährt selber jeden Tag mit dem Fahrrad von seinem Haus in Schnelsen nach Eimsbüttel.

Vor einem Jahr hatten Grüne und CDU Gätgens im Kampf um seinen Posten noch vorgeworfen, die Mobilitätswende zu verschlafen. Dabei hat Eimsbüttel in den letzten fünf Jahren mit 20 Kilometern nicht nur die meisten Radwege fertiggestellt, sondern mit 30 Millionen Euro Investitionen auch hamburgweit am meisten bezahlt. Allein in diesem Jahr flossen 20 Millionen Euro in neue Fahrradinfrastruktur.

Högenstraße zur Fahrradstraße umgebaut

Ein zentrales Projekt ist der Bau der Veloroute 2. Hierfür wurden nun die wichtigen Knotenpunkte am Langenfelder Damm und in der Högenstraße fertiggestellt. Der zwei Meter breite Radfahrstreifen am Langenfelder Damm soll insbesondere den Schutz der Radfahrer vor den Bussen der Linie 4 und dem Autoverkehr gewährleisten. Die Högenstraße wurde als der Teil der Veloroute gänzlich zur Fahrradstraße umgebaut. Die Planungen und Bauarbeiten zogen sich über zwei Jahre hin. Wasser- und Stromleitungen, Busverkehr und ein alter Grenzweg machten den Stadtplanern um Thorsten Rösch immer wieder Schwierigkeiten.

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Der Hamburger leitet beim Bezirksamt Eimsbüttel das Fachamt Mobilität. Beim Bau einer Veloroute werde nicht lediglich ein Streifen auf die Fahrbahn gemalt, sagt Rösch: „In Hamburg planen ist in jedem Fall sehr aufregend. Wir bauen schließlich nicht auf der grünen Wiese, sondern im laufenden Verkehr einer Millionenmetropole.“

Bevor Arbeiten beginnen können, müssten über 50 Interessenverbände den Planungen zustimmen, darunter Denkmalschutzamt, Hochbahn und Behindertenverbände. Auch die Anwohner würden über die Planung informiert und können Kritik äußern.

23 Parkplätze fallen weg

Radfahrer erwarten nun einige spannende Neuerungen an der Veloroute. Mit einem innovativen Ablaufsystem für Regenwasser konnte die Bauplanung alte Bäume erhalten und herausstehende Baumwurzeln verschwinden lassen. Zusätzlich sah der Denkmalschutz vor, dass der Verlauf der alten Stadtgrenze zwischen Hamburg und Preußen erhalten bleibt – die Grenze verlief durch die heutige Högenstraße. Die früheren Grenzsteine konnten restauriert und in die neue Fahrradstraße integriert werden.

Während viele Eimsbüttler den Ausbau der Fahrradwege unterstützen, fühlten sich einige ansässige Autofahrer vor den Kopf gestoßen, sagt Rösch. Für den Umbau der Högenstraße mussten 23 der ehemals 100 verfügbaren Parkplätze weichen. Zusätzlich beschwerten sich Anwohner in Zeiten von Homeoffice und Kontaktbeschränkungen immer wieder über den Baulärm vor ihrer Haustür.

Weitere Arbeiten folgen

Kay Gätgens möchte die Wogen glätten. Der 58-Jährige versteht sich als Bezirksamtsleiter für alle Verkehrsteilnehmer – auch Autofahrer. Allerdings ist für ihn klar, dass nicht 100 Prozent aller Wünsche erfüllt werden können: „Wir müssen uns danach richten, welche Lösungen zukunftsgerecht sind“, meint Gätgens. „Daher wird der Umweltverbund aus Fußgängern, Fahrrad und ÖPNV in unseren Planungen zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.“

Für die nächsten Monate kündigt er bereits weitere Arbeiten an. Die Paul-Sorge-Straße in Niendorf wird zu einem Teil der Veloroute 3 umgebaut werden. Nach der Fertigstellung verbindet der Radfahrweg den Stadtteil mit der Innenstadt.

14 Velorouten führen in die City

  • Route 1: City–Altona–Othmarschen–Blankenese–Rissen
  • Route 2: City–Eimsbüttel–Stellingen–Eidelstedt
  • Route 3: City–Rotherbaum/Uni–Niendorf
  • Route 4: City–Harvestehude–Winterhude–Alsterdorf–Fuhlsbüttel–Langenhorn
  • Route 5: City–Uhlenhorst–Barmbek–Bramfeld–Poppenbüttel–Duvenstedt
  • Route 6: City–Hohenfelde–Dulsberg–Farmsen–Berne–Volksdorf
  • Route 7: City–St. Georg–Eilbek–Wandsbek-Markt–Jenfeld–Rahlstedt
  • Route 8: City–Borgfelde–Hamm–Billstedt–Bergedorf
  • Route 9: City–Hammerbrook–Rothenburgsort–Moorfleet–Allermöhe–Bergedorf
  • Route 10: City–HafenCity–Veddel–Wilhelmsburg–Harburg–Neugraben
  • Route 11: City–Alter Elbtunnel–Wilhelmsburg–Harburg–TU Hamburg
  • Route 12: City–St. Pauli-Landungsbrücken–Altona
  • Route 13: Innere Ringroute: Altona–Eimsbüttel–Winterhude–Barmbek–Eilbek–Hamm
  • Route 14: Äußere Ringroute: Othmarschen–Schnelsen–Niendorf–Poppenbüttel–Billstedt