Alkoholexzesse

"Komasaufen" im Norden: immer mehr jüngere Patienten

Laut offizieller Statistik ist die Zahl der sehr jungen "Komasäufer" in Hamburg zuletzt stark angestiegen (Symbolbild).

Laut offizieller Statistik ist die Zahl der sehr jungen "Komasäufer" in Hamburg zuletzt stark angestiegen (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Zahl der wegen Alkoholvergiftungen in Kliniken behandelter Kinder und Jugendlichen bleibt stabil – aber ihr Alter sinkt.

Hamburg. Die Zahl der sehr jungen "Komasäufer" in Hamburg und Schleswig-Holstein steigt: Wie die Krankenkasse DAK mitteilt, ist die Zahl der wegen akuter Alkoholvergiftungen in Kliniken eingelieferten Kinder und Jugendlichen zwar in beiden Bundesländern nahezu konstant geblieben – das Alter der Patienten hat sich jedoch verschoben.

Während im Vergleich zu 2017 im Jahr 2018 fünf Prozent weniger 15- bis 19-jährige Hamburger wegen "Komasaufens" in Krankenhäuser eingeliefert worden waren, stieg der Zahl der 10- bis 14-Jährigen prozentual gesehen deutlich an: 46 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr wurden registriert. In Schleswig-Holstein fällt der Anstieg bei gleicher Tendenz noch drastischer aus: Auch dort sank die Zahl der Jugendlichen um fünf Prozent, die Zahl der Fälle sehr junger Patienten stieg um 45 Prozent – allerdings bei einer deutlich höheren Gesamtzahl.

Mehr als 800 jugendliche "Komasäufer" im Norden im Krankenhaus

Während in Hamburg 19 sehr junge Patienten nach exzessivem Alkoholkonsum im Krankenhaus landeten (2017: 13), waren es in Schleswig-Holstein 109 (2017: 75). Im Alterssegment der 15- bis 19-Jährigen wurden in Hamburg 116 Fälle erfasst (2017:122), in Schleswig-Holstein waren es 577 (2017: 606). Durch eine technische Umstellung in der Datenerhebung bei den Statistischen Landesämtern seien die Daten erst jetzt bekannt geworden, hieß es von der DAK, Zahlen für das Jahr 2019 liegen noch nicht vor.

Bei den sehr jungen Exzess-Trinkern fällt auf, dass in beiden Ländern mehr Mädchen als Jungen medizinisch behandelt werden mussten: In Schleswig-Holstein wurden 49 Jungen und 60 Mädchen gezählt, in Hamburg neun Jungen und zehn Mädchen. Bei den 15- bis 19-Jährigen hingegen überwiegen die volltrunkenen männlichen Teenager: 335 Jungen und 242 Mädchen in Schleswig-Holstein, 64 Jungen und 52 Mädchen in Hamburg.

In den drei Vorjahren war die Gesamtzahl der Fälle in Hamburg kontinuierlich zurückgegangen. Katrin Schmieder, Leiterin der DAK Hamburg, macht in Anbetracht von nur 135 Fällen in Hamburg einen "insgesamt positiven Trend" aus – 2014 lag die Zahl der minderjährigen "Komasäufer" noch bei 214. "Die deutliche Zunahme bei den Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren ist allerdings besorgniserregend", so Schmieder weiter.