Hamburg

Mission saubere Alster: Gib Müll keine Chance

Macht ja sonst niemand: Klaus-Dieter Menzel und Sylvia Klöpfel sammeln Müll aus der Alster.

Macht ja sonst niemand: Klaus-Dieter Menzel und Sylvia Klöpfel sammeln Müll aus der Alster.

Foto: Michael Rauhe

Sylvia Klöpfel und Klaus-Dieter Menzel fischen den Dreck anderer Leute aus dem Wasser – um die Umwelt zu schützen.

Hamburg. Wenn Sylvia Klöpfel und Klaus-Dieter Menzel den Motor der „Zitronenjette“ anwerfen, sollten Umweltsünder ein schlechtes Gewissen bekommen. Die beiden engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich für den Verein De Fleetenkieker e. V. An mehreren Tagen in der Woche fahren sie auf die Alster, um weggeworfene Verpackungen, achtlos abgestellte To-go-Becher und altes Leergut aus dem Wasser zu fischen. Das Abendblatt hat sie einen Tag begleitet.

Trotz strahlender Sonne ist am Donnerstagmorgen wenig los auf der Alster. Vereinzelt grüßen sich Angler, Kanufahrer und Alsterdampfer. Sylvia Klöpfel und Klaus-Dieter Menzel haben eine andere Mission. Die beiden setzen sich bei den Fleetenkiekern insbesondere für eine saubere Alster und ein nachhaltiges Miteinander zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen ein und befreien Hamburgs Kanäle von Plastik und Glas. Wenn Nester durch Styropor und Bauplanen verunreinigt werden, kann das für die Tiere tödlich enden. Aber auch Menschen können negative Folgen davontragen. „Wenn man gerne Scholle isst, dann doch lieber mit Kräutern als mit Plastik im Magen“, argumentiert Sylvia Klöpfel.

Plastikflaschen sind das größte Problem

Das Einsatzgebiet der Fleetenkieker reicht von der Schaartorschleuse bis nach Wellingsbüttel. In den Sommermonaten sind sie aber vor allem auf Binnen- und Außenalster unterwegs. „Wir wissen, wo hier die Partys gefeiert werden“, meint Klöpfel, „am nächsten Tag sind wir dann vor Ort und räumen auf.“

Die Eimsbüttelerin steuert ihr Boot routiniert durch den Osterbekkanal. Klöpfel ist seit vier Jahren für die Fleetenkieker im Einsatz. Jede Woche ist sie trotz Berufs und Familie auf dem Wasser. Besonders wichtig ist es ihr, den jüngsten Hamburgern einen bewussten Umgang mit der Umwelt zu vermitteln. Denn gerade den Jüngeren, weiß die Medizinerin, mangelt es schon mal an der nötigen Disziplin. So verbrachten während der außergewöhnlich heißen Augustwochen sehr viele Hamburger ihren Feierabend auf der Alster – und das hatte Folgen. „Plastikflaschen sind unser größtes Problem. Die jungen Menschen wollen das Idyll der Alster genießen, hinterlassen aber ihren Dreck. Das geht nicht!“

Ihren Begleiter, der 73 Jahre alte Klaus-Dieter Menzel aus Uhlenhorst, hat insbesondere die Nähe zum Wasser zu den Fleetenkiekern gezogen. Nach dem Beginn seiner Rente wollte er sich ehrenamtlich engagieren und fand so den Weg zu den Müllfischern aus Winterhude. Heute macht er sich für den Erhalt der Natur in Hamburg stark: „Die Alster ist Hamburgs Aushängeschild. Nirgendwo sonst gibt es eine so große Wasserfläche im Zentrum einer Millionenmetropole. Dieses Stück Natur gilt es zu erhalten“.

Begegnung mit Donald Trump

Die „Zitronenjette“ steuert die Binnenalster an. Auf dem Weg grüßen immer wieder Menschen vom Ufer und strecken einen Daumen in die Höhe. „Die Resonanzen auf unsere Arbeit sind durchweg positiv. Die Hamburger wertschätzen unser Engagement. Ich hoffe nur, dass sie das auch in ihren Alltag übertragen“, sagt Sylvia Klöpfel. Auf der Binnenalster dauert es eine Weile, bis die beiden auf Müll stoßen. Doch an der Ecke Ballindamm/Glockengießerwall hat sich ein wahrer Teppich aus Verpackungen und Wodkaflaschen gebildet. Der Wind hat hier die Überreste der letzten Nacht zusammengetragen.

Mit Keschern und Greifzangen versucht Sylvia Klöpfel, einen Großteil davon aufzusammeln. Klaus-Dieter Menzel manövriert das Boot gekonnt in die passende Position. Weiter geht es in Richtung Feenteich – hier nächtigte während des G-20-Gipfels vor drei Jahren US-Präsident Donald Trump. Klöpfel und Menzel erzählen stolz, dass sie ihm wohl am nächsten gekommen sind – die Polizei hatte sie zum Sammeln in den abgesperrten Bereich gelassen. Über versteckte Fleete geht es schließlich zum Kämmerufer: Hier werden die Hinterlassenschaften entsorgt. Sylvia Klöpfel schleppt die heutige Ausbeute in den Lagerschuppen, zwei Eimer, randvoll gefüllt mit Restmüll und Flaschen. Ist das viel? Eher nicht. „Heute ist es lange nicht so viel wie sonst“, sagt Klöpfel.

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Im vergangenen Jahr kamen mehr als 5000 Liter Restmüll und 1400 Kilo Glas zusammen. „Oft finden wir Fahrräder oder technische Geräte, wie Laptops oder Handys. 2019 kamen auch immer mehr E-Scooter dazu, die nachts von den Brücken geworfen wurden.“ Auf bis zu 120 Fahrten kommen die Fleetenkieker im Jahr. Von April bis Oktober nehmen sie mehr als 500 Kinder und bis zu 60 Erwachsene mit an Bord – 2020 war das wegen der Corona-Krise nicht möglich.

Jetzt wird geputzt!

  • Während der World Cleanup Days findet in Hamburg vom 18. bis zum 21. September die große Herbstputzaktion der Stadtreinigung statt. Der Herbstputz ersetzt die alljährliche Veranstaltung „Hamburg räumt auf!“, welche coronabedingt im März ausfallen musste. Den Startschuss zum Herbstputz gibt am kommenden Freitag Umweltsenator Jens Kerstan im Eppendorfer Park. Am Sonntag, dem 20. September, folgt eine Aufräumaktion von Stand-up-Paddlern mit der Hamburger Organisation „Clean Up Your Alster“ am Feenteich.
  • Wem der dreckige Kiez vor der eigenen Haustür oder das verschmutzte Ausflugsziel ebenfalls ein Dorn im Auge ist, kann auch selbstständig aktiv werden.
  • Allein oder in Teams von maximal zehn Personen können sich Freiwillige unter www.hamburg-raeumt-auf.de online für den Herbstputz anmelden. Unter allen TeilnehmerInnen werden interessante Preise verlost. Den Aufräum-Teams winken unter anderem Freikarten für das Planetarium oder ein Nachmittag im TeamEscape Hamburg für sechs Personen im Wert von 150 Euro. hspjs

Für die kommende Woche sind erneut hochsommerliche Temperaturen von bis zu 30 Grad angekündigt. Die Fleetenkieker richten einen Appell an alle Hamburger: „Jeder sollte die Alster im Sommer erleben. Sie bringt diese Stadt näher zusammen. Aber nehmt doch bitte euren Müll wieder mit und schmeißt ihn nicht achtlos ins Wasser.“