Hamburg

Wird der U-5-Bau zur Gefahr für Planten un Blomen?

Befürchten Schäden für Planten un Blomen beim Bau der U -5-Station Stephansplatz:  Bernhard von Ehren (links) und Dr. Joachim Schnitter.

Befürchten Schäden für Planten un Blomen beim Bau der U -5-Station Stephansplatz: Bernhard von Ehren (links) und Dr. Joachim Schnitter.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Von der Hochbahn favorisierte Variante für den Neubau des U-Bahnhofs Stephansplatz gefährdet den Park, sagen Experten.

Hamburg.  Noch ist es ein weiter Weg bis zum Betrieb der neuen U-Bahn-Linie 5, doch ist die Planung hinter den Kulissen fortgeschritten. Bis Ende dieses Jahres will die Hamburger Hochbahn entscheiden, wie der künftige, moderne Bahnhof Stephansplatz aussehen soll. Von anfangs neun Modellen des Verkehrsknotenpunktes nahe dem Dammtor stehen noch zwei zur Wahl.

In jedem Fall befürchten Skeptiker massive Eingriffe in die Natur am Wallgraben und im Park Planten un Blomen. Befürchtung: Uralte Bäume mit Seltenheitswert könnten den umfangreichen Baumaßnahmen zum Opfer fallen. Vor Ort wachsen zum Beispiel Sumpfzypressen aus den 1830er-Jahren und einer der ältesten Taschentuchbäume Deutschlands. Ebenso wie beim Japangarten handelt es sich um botanische Raritäten und historische Denkmäler.

Planten und Blomen wird durch U5-Bau "Schaden nehmen"

„Der öffentliche Nahverkehr muss laufen und ausgebaut werden“, sagt der Freiraumplaner Joachim Schnitter auch im Namen der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur. „Aus meiner Sicht kann mit einem Denkmal wie dem Alten Botanischen Garten und teilweise jahrhundertealten Bäumen aber nicht so wurschtig umgegangen werden, wie es die Planvarianten der Hochbahn derzeit darstellen.“

Der Gärtner und Baumschulenunternehmer Bernhard von Ehren sieht die Lage ähnlich: „Wenn man mit schweren Maschinen Erdarbeiten verrichtet, können diese nicht ohne größere Schäden ausgeführt werden.“ Der neue Bahnhof entstehe „am edelsten Teil von Planten un Blomen“. Nach von Ehren wird es unvermeidlich sein, „dass eine Perle der Hansestadt Schaden nimmt“.

U5-Bahnhof Stephansplatz: eine der teuersten Baustellen der nächsten Jahre

Bei einem Lokaltermin mit dem Abendblatt vergewisserten sich die beiden von den konkreten Verhältnissen vor Ort. Heimlichtuerei kann der Hochbahn nicht vorgeworfen werden: Im Internet werden die zur Wahl stehenden Lösungen vorgestellt und zur Diskussion gestellt. In einem offenen Forum haben sich bisher mehr als 100 Hamburger beteiligt.

Auch wenn in den veröffentlichten Skizzen keine Details preisgegeben werden, wird der Sachverhalt klar: Eine der größten Hamburger Baustellen der kommenden Jahre wird auch eine der teuersten sein.

Welche Varianten zur Wahl stehen – und welche Vorteile beide haben

Die offensichtlich von der Hochbahn AG bevorzugte Variante A sieht eine komplett neue Haltestelle etwa zwischen Südausgang des Dammtor-Bahnhofs und Stephansplatz/Esplanade vor. Pluspunkte: komfortable Umsteigemöglichkeiten („bahnsteiggleich“) zwischen den Linien U 1 sowie U 5 mit kurzen Wegen und Zeitersparnis – ähnlich wie an der Station Kellinghusenstraße oder am Berliner Tor zwischen U 3 und U 2/U 4. Nachteile: Umfang der Bauarbeiten, Kosten und eine längere Sperrung der Gleise für die bestehende U 1.

Bei Variante B liegt die künftige U-5-Station nordöstlich der bestehenden U 1-Haltestelle und näher am Bahnhof Dammtor. Demnach würde nahe der heutigen U-1-Haltestelle eine neue Station für die Linie 5 errichtet werden. Auf unterschiedlichen Ebenen müsste ein Übergang gebaut werden. Pluspunkte: weniger Eingriffe in Planten un Blomen, wohl weniger Kosten. Auch könnte die U 1 weiter verkehren. Nachteile: Für Passagiere, die von einer Linie zur anderen wechseln, ist die Passage unbequemer.

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Aussagen zur Anzahl betroffener Bäume noch nicht möglich

Konkrete Angaben zu Beeinträchtigungen in Planten un Blomen und zu Kosten waren von der Hochbahn AG nicht zu erhalten. „Der genaue Umfang der erforderlichen Eingriffe wird aktuell von den Fachabteilungen der Hochbahn sowie der beteiligten Behörden für beide Varianten überprüft und abgewogen“, teilte das Verkehrsunternehmen mit. Daher seien weitergehende Aussagen zum Beispiel zur konkreten Anzahl betroffener Bäume oder bestimmter Baumarten „schlicht noch nicht möglich“. Sicher­gestellt sei, dass der Japanische Landschaftsgarten unberührt bleiben soll.

Darauf wollen sich erfahrene Grünfachleute wie Bernhard von Ehren und Dr. Joachim Schnitter nicht verlassen. „Wo sollen Lagerflächen für ausgebaggertes Erdreich liegen, wo Baumaschinen stationiert werden?“, fragt sich Schnitter. „Was genau würde dem Ausbau geopfert werden?“ Auch das Pro­blem einer möglichen Grundwasserabsenkung mache ihm Sorgen: „Werden der Wasserstand im Wallgraben und die Wasserversorgung der Bäume beeinträchtigt?“ Vor der bis Jahresende angekündigten Entscheidung der Hochbahn müsse die Öffentlichkeit Einzelheiten wissen. Seine Auffassung: „Die Planungsideen müssen von unabhängiger Seite ausgewertet werden.“

Ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg könnte Probleme bereiten

Neben der Natur und dem teilweise uralten Baumbestand am Stephansplatz könnten ein während des Zweiten Weltkriegs gegrabener Röhrenbunker Probleme bereiten. Klaus Pinker, Mitbegründer des Vereins Hamburger Unterwelten, sagte auf Anfrage: „Wahrscheinlich wäre nur der Bunkerteil mit den früheren Eingängen betroffen.“ Dagegen würden die Reste der Notausgänge außerhalb des geplanten Tunnelbereichs liegen.

„Die Gespräche zum Bau der U-Bahn-Station Stephansplatz laufen zwischen Planern und Denkmalschutzamt sehr konstruktiv“, sagte Enno Isermann im Namen der auch für den Denkmalschutz zuständigen Kulturbehörde. Hans-Helmut Poppendieck, Vorsitzender des Botanischen Vereins zu Hamburg und namhafter Buchautor, befürchtet ebenfalls Ungemach: „Auch wenn ich zu den künftigen Umsteigemöglichkeiten nicht viel sagen kann, lege ich Wert darauf, dass der Alte Botanische Garten so wenig wie möglich beeinträchtigt wird“, so Poppendieck. „Dort hat jeder Stein ein Gesicht, ein Oben und ein Unten, eine gute und eine schlechte Seite“, sagt er. Es handele sich um ein „großes Kunstwerk“, dass man nicht einfach mal so abtragen und später wieder aufbauen könne.

Das Gesamtprojekt U 5 über rund 25 Kilometer von Bramfeld via City Nord und Innenstadt bis zu den Arenen in Stellingen ist für die Jahre 2021 bis 2035 geplant. Die Kosten sind noch nicht genau benannt.