Süllberg-"Patron"

Karlheinz Hauser hört auf – mit einer offenen Hintertür

Karlheinz Hauser wird den Süllberg in Blankenese mit seinen Restaurants und seinem Hotel verlassen.

Karlheinz Hauser wird den Süllberg in Blankenese mit seinen Restaurants und seinem Hotel verlassen.

Foto: imago / Lars Berg

Der Spitzengastronom will beruflich kürzer treten und den Pachtvertrag für den Süllberg Ende 2021 auslaufen lassen. Die Hintergründe.

Hamburg. Er gehört zu den wichtigsten Repräsentanten der Hamburger Gastronomieszene und ist nicht nur im Hamburger Westen seit Jahren eine verlässliche Größe: Doch Karlheinz Hauser, erfolgreicher „Patron“ des Süllbergs, will in den kommenden Jahren nicht so weitermachen wie bisher. Ende 2021 hört er am Süllberg auf.

Wie im Abendblatt bereits berichtet, endet dann Hausers Mietvertrag. Monatelang hatte er offen gelassen, ob er eine Verlängerung anstreben wird oder nicht. Lange liefen Gespräche über eine mögliche Verlängerung – ohne Ergebnis. „Es gibt keine zielführenden Verhandlungen“, bestätigt Hauser, den das Abendblatt am Montag auf einer Autofahrt nach Italien erreichte. „Ende 2021 ist Schluss.“

Keine zielführenden Gespräche mit dem Verpächter

Der 53-Jährige betreibt auf dem Süllberg neben dem 5-Sterne-Hotel die Restaurants Seven Seas und Deck 7, einen Biergarten und ein Catering-Unternehmen. Aktuell behält es sich Hauser noch vor, zumindest das Seven Seas weiter zu führen, wie er sagt. Die Gründe für das Aus hoch über der Elbe sind vielschichtig. Unter anderem gab es bis zuletzt Differenzen mit dem Verpächter darüber, wo und in welcher Form man vor Ort renovieren und investieren müsse, um den hohen Standard des 2-Sterne-Restaurants und des 5-Sterne-Hotels zu halten.

Zu Problembereichen gehören unter anderem das Fehlen von Lastenaufzug und Ladezone vor Ort. Nach rund 20 Jahren müsste wieder „Geld in die Hand genommen werden“, um erfolgreich weitermachen zu können. „Meine Gäste haben berechtigte Ansprüche, sagt Hauser, „und der hohe Standard muss auch künftig gewährleistet sein. Das bin ich unseren Besuchern und auch mir selbst schuldig.“

Unterschiedliche Vorstellungen

Sollte es auf dem Süllberg eines Tages einen Besitzerwechsel geben, sei er für Gespräche aber wieder jederzeit bereit. Hauser weiter: „Ich könnte einem neuen Verpächter auch unter die Arme greifen, denn unsere Gastronomie ist ja als Marke eingeführt und hat für viele Menschen eine regelrechte Magnetfunktion. Vielleicht ergibt sich irgendwann wieder ein gemeinsames Projekt.“

Mit dem aktuellen Verpächter sei das „nicht vorstellbar“, so Hauser. Gleichwohl gebe es mit diesem aber keinen Streit. „Unsere Vorstellungen sind unterschiedlich, damit muss man leben können.“ Im Jahr 2010 hatte der Unternehmer Peter Möhrle das denkmalgeschützte Gebäudeensemble übernommen. Eigentümerin ist die von ihm gegründete Holding.

Anfragen aus ganz Deutschland

Schon häufiger hatte Hauser öffentlich verbreitet, dass es Anfragen aus ganz Deutschland an ihn gebe und dass er – sollte es zum Aus auf dem Süllberg kommen – jederzeit andernorts weitermachen beziehungsweise neu anfangen könnte. Gegenüber dem Abendblatt stellte der dreifache Vater jetzt klar, dass er sich „nach 38 Jahren in der Gastronomie und 20 Jahren auf dem Süllberg“ durchaus auch vorstellen könnte, künftig nur noch mit deutlich reduziertem Programm weiterzumachen.

Der hochtourige Einsatz in der vielschichtigen Gastro- und Eventszene sei kräftezehrend, Arbeitstage mit mehr als zwölf Stunden eher die Regel als die Ausnahme. Hinzu kommt die Verantwortung für die vielen Mitarbeiter, die dem erklärten „Teamplayer“ stets wichtig war. „Ich habe über viele Jahrzehnte geschuftet wie ein Verrückter“, so Hauser. „Das soll nicht so bleiben.“

Die zurückliegenden Monate waren aus wirtschaftlicher Sicht hart für Hauser, dem die Corona-Krise wie allen Gastronomen zu schaffen macht. Seit Beginn der Pandemie beklage er einen Umsatzverlust von rund 60 Prozent, außerdem gibt es aktuell Streit mit seiner Betriebsversicherung, von der er sich angesichts der Corona-Krise nicht ausreichend unterstützt sieht.

Karlheinz Hauser hat eine beispiellose Karriere gemacht

Karlheinz Hauser, Jahrgang 1967, hat eine beispiellose Karriere gemacht. Seit den späten 1980er-Jahren ist der gebürtige Baden-Württemberger auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben gestiegen. Einige Beispiele: Von 1988 bis 90 war er unter anderem Demi-Chef bei Feinkost Käfer in München, danach (bis 1992) arbeitete er im Restaurant Aubergine seines Förderers Eckart Witzigmann. Küchenchef im Restaurant Andechser am Dom und Betriebsleiter bei Käfer’s am Hofgarten waren weitere Münchner Stationen. Es folgten fünf Jahre in Berlin: Bis 2002 fungierte Hauser als Küchendirektor und Gastronomischer Leiter im Hotel Adlon. Hauser erfüllt in seinem Alltag viele Rollen – die des Kochs stand und steht für ihn aber immer noch an erster Stelle, wie er auf seiner Homepage schreibt. Diesen Berufswunsch hatte er schon in frühester Jugend – und so lernte er das Handwerk von der Pike auf.

Die vielen Stationen haben ihn und seine Arbeit geprägt. Sein Wissen über Spitzengastronomie verband er zunehmend mit Erfahrungen in Bereichen wie Catering und Bankett. Hauser wurde mit einem beziehungsweise zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet und mit etlichen anderen Ehrungen bedacht.

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Karlheinz Hauser hat auf dem Süllberg nicht nur gastronomische Spuren hinterlassen. Die Kerngebäude der heutigen Hotelanlage (erbaut zwischen 1887 und 1901) hatte in den 1990er-Jahren als Spekulationsobjekt negative Schlagzeilen gemacht. Hauser gelang es dann mit Sanierungs- und Renovierungsarbeiten, von 2002 an, das geschichtsträchtige Ambiente des Hotelkomplexes zu sichern – und mit modernen Elementen zu verbinden.