Studieren in Corona-Zeiten

Exklusiv: Ungewöhnlicher Ansturm auf Hamburgs Universität

Viele junge Leute haben sich entschieden, an der Universität Hamburg zu studieren. Doch die Zahl der Bewerbungen ist wesentlich höher als die Zahl der verfügbaren Studienplätze (Archivbild).

Viele junge Leute haben sich entschieden, an der Universität Hamburg zu studieren. Doch die Zahl der Bewerbungen ist wesentlich höher als die Zahl der verfügbaren Studienplätze (Archivbild).

Foto: picture alliance / dpa Themendienst / Bodo Marks

Mehr als 31.000 Studienanfänger haben sich für das Wintersemester beworben. Einige Fächer sind besonders begehrt.

Hamburg. Die Universität Hamburg erlebt zum kommenden Wintersemester einen ungewöhnlichen Ansturm. So gingen für die grundständigen Studiengänge 31.285 Bewerbungen ein – das sind 5,6 Prozent mehr als im vergangenen Wintersemester. Bei den weiterführenden Masterstudiengängen fiel der Anstieg sogar noch höher aus. Um diese begehrten Studienplätze bewarben sich 11.731 junge Menschen, das ist ein Plus von enormen 8,5 Prozent.

An der Hochschule selbst mag man nicht über die Gründe für den Ansturm spekulieren. Es liegt aber nahe, dass er mit der Corona-Pandemie zu tun hat. Denn viele Schulabgänger können derzeit das Jahr nach dem Abschluss nicht wie geplant mit Reisen oder Auslandsaufenthalten verbringen, auch Praktika werden gegenwärtig weniger angeboten.

Und Ausbildungsplätze sind angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ebenfalls schwerer zu bekommen als in anderen Jahren. Viele junge Leute dürften sich deshalb lieber und sofort für ein Studium entscheiden. Nach dem Motto: Reisen oder ein Praktikum machen können wir auch später noch.

Uni Hamburg: Diese Fächer sind 2020 besonders begehrt

Besonders begehrte Studienfächer sind an der Universität Hamburg neben Jura und Betriebswirtschaftslehre mit großem Abstand Psychologie und Lehramtsstudiengänge. Offenbar hat sich bei den Schulabgängern herumgesprochen, dass Lehrer in allen Bundesländern händeringend gesucht werden – und die Jobaussichten gut sind. Zum Wintersemester bewarben sich an der Uni Hamburg 4558 Studierwillige für einen Lehramtsstudiengang, im Vorjahr waren es 4346.

Zu den weiteren Spitzenreitern unter den Fächern zählen auch Psychologie mit 4889 Bewerbern (WS 2019: 4513), Jura mit 2554 Bewerbern (WS 2019: 2436) sowie Betriebswirtschaftslehre mit 2246 Aspiranten (WS 2019: 2157). Um einen Studienplatz in Medien- und Kommunikationswissenschaften bewarben sich 1629 Studierwillige (WS 2019: 1546). Alle Top 5 unter den Fächern verzeichnen also steigende Bewerberzahlen.

Nur ein Bruchteil von ihnen wird allerdings an der Universität Hamburg tatsächlich auch zum Zuge kommen. In den Lehramtsstudiengängen stehen zum Wintersemester 935 Studienplätze zur Verfügung, in Betriebswirtschaftslehre 361 und in Jura 350 Plätze. Besonders krass ist das Missverhältnis in Psychologie, wo sich die 4889 Studierwilligen um 136 Plätze bemühen und in den Medien- und Kommunikationswissenschaften, wo 1629 Bewerber auf nur 136 Plätze kommen.

Uni-Einstieg wird für Studienanfänger wegen Corona schwieriger

Die Hygienebedingungen dürften den Einstieg für die Studienanfänger erschweren, denn die meisten von ihnen werden Hörsäle deshalb seltener als sonst üblich von innen sehen. Digitale Lehre wird angesichts der coronabedingten Abstandsregeln auch im Wintersemester das Lehrangebot an der Universität Hamburg bestimmen. Präsenzveranstaltungen lassen sich nur in sehr großen Räumen oder mit sehr wenigen Teilnehmern organisieren. Die Wissenschaftsminister der Länder haben sich daher auf ein „Hybridsemester“ verständigt mit einer Mischung aus digitaler und Präsenzlehre.

„Insbesondere die Abstandsregeln führen dazu, dass nur wenig nutzbare Raumkapazität zur Verfügung stehen wird und lediglich ein kleiner Anteil der Lehrveranstaltungen in Präsenz durchgeführt werden kann“, heißt es dazu von der Universität Hamburg. „Die knappen Raumressourcen sollen vor allem für Lehrveranstaltungen in der Studieneingangsphase sowie praktisch ausgerichtete Lehrveranstaltungen, beispielsweise Laborpraktika und praktische Übungen, zur Verfügung gestellt werden.“

Die Umsetzung der Abstands- und Hygieneregelungen stelle für die Lehrplanung in allen Bereichen der Universität Hamburg eine große organisatorische Herausforderung dar. Deshalb seien die Planungen in den meisten Fächern noch nicht abgeschlossen.

Partner-Projekte im Netz statt Auslandssemester und Praktika

Das Problem ausfallender Auslandsaufenthalte und Praktika hat die Universität im Blick. „Aufgrund der Pandemie bieten viele Partnerhochschulen betroffenen Studierenden als Ersatz für den Auslandsaufenthalt die Möglichkeit, von Hamburg aus an ihren Online-Lehrveranstaltungen teilzunehmen“, heißt es von der Uni.

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Auch arbeite sie mit ihren Partnerhochschulen am Aufbau kooperativ durchgeführter digitaler Lehrveranstaltungen. Über das von der Universität betriebene interkulturelle Programm Piasta, das ebenfalls digital stattfinden muss, könnten deutsche Studierende Kontakte zu Kommilitonen in anderen Ländern knüpfen und sozusagen zu Hause den interkulturellen Austausch erleben.

Zuletzt bewarben sich zum Wintersemester 2017/18 so viele Studienanfänger wie in diesem Jahr – damals waren es 32.744 Bewerbungen. Anfang des Jahrzehnts lagen die Zahlen deutlich höher, als die Doppeljahrgänge der Abiturienten die Universitäten nach und nach erreichten. Für das Wintersemester 2013/14 erhielt die Universität Hamburg 44.345 Bewerbungen.