Hamburg

Das Hamburger Abendblatt trauert um eine geschätzte Kollegin

Sylvia Wania war Politikredakteurin des Hamburger Abendblatts.

Sylvia Wania war Politikredakteurin des Hamburger Abendblatts.

Foto: Marcelo Hernandez

Abendblatt-Politikredakteurin Sylvia Wania ist nach schwerer Krankheit gestorben. Ihr Spezialgebiet war der Nahe Osten.

Hamburg.  Wer mit Sylvia Wania arbeitete, erlebte eine perfekt vorbereitete Journalistin, die ebenso behutsam wie beharrlich nachfragte und fair schrieb. Ihr Spezialgebiet war der Nahe Osten.

Sie erwarb sich den Respekt und die Sympathie jedes israelischen Botschafters, den sie im Laufe der Jahre interviewte, sie saß aber auch auf dem Sofa im Hause des berühmt-berüchtigten Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat in Ramallah und sprach mit seiner Frau. Einmal hielt sie sich gerade in Jerusalem auf, als ein blutiger Bombenanschlag in der Nähe ihres Hotels die Stadt erschütterte. Sylvia Wania rannte auf die Straße, fing erschütternde Eindrücke ein und schrieb daraus binnen einer Stunde den Aufmacher für das Abendblatt. Jetzt ist Sylvia Wania nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Wir haben eine sehr geschätzte Kollegin verloren.

Sie kochte so gern gemeinsam mit ihrem Mann

Über viele Jahre betreute sie die „Außenpolitik“ beim Abendblatt. Ein Schwerpunkt ihres journalistischen Interesses war das deutsch-sowjetische Verhältnis. Mehrfach interviewte sie den früheren Botschafter Moskaus in Deutschland, Valentin Falin.

Tagsüber aß sie sehr wenig – weil sie sich jeden Tag unbändig darauf freute, am Abend zusammen mit ihrem Mann zu kochen. Sie war eine hervorragende und fantasievolle Köchin. Nachdem sie aufgrund eines schweren Unfalls auf der Piste ihr geliebtes Skifahren aufgeben musste, wurde sie nahezu zur Leistungssportlerin. An manchen Tagen joggte sie vor der Arbeit zweimal um die Alster – und ging abends noch ins Fitnessstudio.

Oft geriet sie in einen schlimmen Hurrikan

Ihren Jahresurlaub verbrachte Sylvia mit ihrem Mann zusammen meistens auf der Bahamas-Insel Great Abaco, wo das Paar Freunde hatte. Und in der Redaktion wurde jedes Jahr gewettet, ob sie auch diesmal wieder in einen schlimmen Hurrikan geraten und den Kollegen dann spannende Geschichten zu erzählen haben würde – was sehr oft der Fall war.

Sylvia war eine sensible, aber zugleich sehr starke Frau – und dies bis zum Schluss. So mancher unterschätzte sie am Anfang ihrer Karriere aufgrund ihrer sanften Stimme, des stets höflichen Umgangstons und des attraktiven Äußeren. Doch sie wusste stets, was sie wollte – und was nicht. So hat sie sich den Respekt der Redaktion erworben. Sylvia Wania war eine ganz besondere Frau. Und niemand, der die Ehre hatte, mit ihr befreundet zu sein, wird sie jemals vergessen. Sie wurde 59 Jahre alt.

Die Kolleginnen und Kollegen des Hamburger Abendblatts