Eimsbüttel

Pionierin des Urban Gardenings fürchtet Ende ihres Gartens

Garten-Pionierin Rosemarie Lehmann (Archivbild).

Garten-Pionierin Rosemarie Lehmann (Archivbild).

Foto: Genevieve Wood

Der Bezirk Eimsbüttel streicht Sondermittel für Grünfläche neben Grindelhochhäusern. Rosemarie Lehmann ist enttäuscht.

Eimsbüttel.  Es ist ein Idyll inmitten der Großstadt zwischen den Grindelhochhäusern: Der „Garten für alle“ neben dem Bezirksamt Eimsbüttel. Seit 17 Jahren kümmert sich die 87-Jährige Rosemarie Lehmann ehrenamtlich um den Garten, der jedem offensteht. Sie ist damit eine der Pionierinnen des Urban Gardenings in Hamburg. Nun droht der Oase das Aus.

Jahrelang hat das Bezirksamt die alte Dame immer wieder finanziell unterstützt. Doch in diesem Jahr wird es keine Förderung aus den bezirklichen Sondermitteln für die Instandhaltung geben. Einen entsprechenden Antrag hat die grün-schwarze Koalition abgelehnt.

Rote Rosen, jede Menge Wildblumen und viel Grün – derzeit ist das Gärtchen mit dem Pfad der perfekte Ort, um sich im Schatten zu entspannen. Für das Gartenprojekt hatte Rosemarie Lehmann, Eimsbütteler Bürgerpreisträgerin, bezirkliche Sondermittel in Höhe von rund 1300 Euro beantragt.

SPD-Fraktion kritisiert abgelehnte Förderung

Mit dem Zuschuss sollten unter anderem gestohlene Gartengeräte, ein abschließbarer Schrank sowie eine von Unbekannten zerstörte Zypresse ersetzt werden. Eine Förderung wurde jedoch im Haushaltsausschuss abgelehnt. Moritz Altner, Sprecher der SPD-Fraktion Eimsbüttel im Kerngebietsausschuss, kritisiert diese Entscheidung. Er sagt: „Dass dieses tolle Nachbarschaftsprojekt wegen eines vergleichsweise geringen Betrags nun möglicherweise vor dem Aus steht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Frau Lehmann hat mit dem ,Garten Kunterbunt‘ viel mehr geschaffen als nur einen blühenden Blumengarten. Hier ist ein Ort der nachbarschaftlichen Begegnung entstanden.“

Rosemarie Lehmann ist enttäuscht. Nicht nur, dass sie mit Vandalismus und Diebstahl zu tun hat. Jetzt bekommt sie auch kein Geld, um die Schäden zu beheben: „Ich mache mir Sorgen um den Garten.“ Die grüne Ecke sollte in Zukunft für kleinere Veranstaltungen, etwa Lesungen oder Workshops, genutzt werden. Zu diesem Zwecke sollten mehrere Stühle sowie ein Tisch angeschafft werden.

Geringe Rente

In den vergangenen Jahren hatte Frau Lehmann Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe für den Garten bekommen. Mal 200 Euro, mal 700 Euro. Warum dieses Mal nicht? „Dieser Antrag ist in dieser Höhe einfach überdimensioniert, und dieser Zuschuss ist nicht als Dauerfinanzierung gedacht“, sagt Grünen-Fraktionschef Ali Mir Agha.

Nach dem Gleichbehandlungsprinzip müssten auch andere Flächen gefördert werden. Mittlerweile gibt es viele grüne Patenschaften und Urban Gardening in Eimsbüttel. „Und wir wollen Bürgerbeete flächendeckend fördern.“ Mit einem neuen Antrag, so Mir Agha, könne Frau Lehmann es erneut probieren.

Diese weiß nicht, wie sie von ihrer geringen Rente Geld für Pflanzen und Pflege aufbringen soll.