Hamburg

Die früheren Bunkerpläne: Ein Udo-Lindenberg-Hotel

Umbaupläne und Entwürfe für den Bunker am Heiligengeistffeld in Hamburg.

Umbaupläne und Entwürfe für den Bunker am Heiligengeistffeld in Hamburg.

Foto: Planungsbüro Bunker

Anwohner und Stadtentwicklungsplaner Mario Bloem kämpft gegen das Projekt. Früher hatte er eigene Pläne für das Gebäude.

Hamburg.  Er zählt zu den größten Kritikern des Grünbunkers auf St. Pauli. Seit Jahren lehnt sich Anwohner und Stadtplaner Mario Bloem gegen die fünfgeschossige Aufstockung auf. Im Viertel erhält er dafür Zuspruch, besonders von jungen Leuten. Sogar vor Gericht ist er gezogen, um das Vorhaben zu stoppen – allerdings ohne Erfolg.

Bloems Hauptargument: Der Stadtteil wurde in die Planungen nicht mit einbezogen. Und: Die Baugenehmigung hätte ohne neuen Bebauungsplan nicht erteilt werden dürfen. Beteiligung und Transparenz – das sind die Hauptthemen, mit denen Bloem als Redner unnachgiebig Diskussionsrunden und Sitzungen besucht und mit Anwohnern und Initiativen spricht.

Der Bunker-Gegner wollte selbst dort bauen

Was nur wenige wissen: Vor rund acht Jahren hatte Mario Bloem selbst die Idee, ein Hotel auf dem Bunker zu bauen. Das geht aus einem „Letter of Intent“, einer Absichtserklärung also, hervor, die dem Abendblatt vorliegt. Weitere Projektbeteiligte: Investor Thomas Matzen, der Erbpachtberechtigte des Hochbunkers, dazu Udo Lindenberg und Kurt Reinken von der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg).

Unterschrieben wurde die Absichtserklärung nicht – aber schon der Vorgang allein wirft Fragen auf. Zumal in dem Dokument als Ziel formuliert ist, den Erbbaurechtsvertrag in einen Kaufvertrag umzuwandeln. Und das ist deutlich weitreichender als das, was Bloem heute kritisiert.

Udo-Lindenberg-Hotel angedacht

Was genau war also damals die Idee? „Ziel des Projektes ist, möglichst kurzfristig am Standort Hochbunker Heiligengeistfeld, Hamburg, ein außergewöhnliches, ökonomisch tragfähiges und öffentlich deutlich wahrnehmbares Bauprojekt zu realisieren“, so steht es im Letter of Intent. Kern des Entwurfes sollte ein von Udo Lindenberg geprägtes Hotel mit 100 bis 120 Betten, ein Fan­artikelshop, ein Veranstaltungsraum sowie ein Bar- und Loungebereich mit Jam-Session-Bühne sein.

Weiter werden die Interessen der Projektbeteiligten dargestellt: Demnach sollte Investor Thomas Matzen die Möglichkeit erhalten, die „bisherige Nutzung des Standortes inhaltlich und baulich über das derzeitige Baurecht hinaus erheblich zu erweitern und durch Investitionen die Rentabilität und Struktur der Immobilie langfristig weiter zu verbessern“. Zusätzlich bestehe die Absicht, (...) das vollständige Eigentum an der Immobilie zu erwerben und die geplanten Investitionen auf diese Weise abzusichern.

Wie passt das zum unangepassten Stadtteilaktivisten?

Und was waren Bloems Interessen? Laut Absichtserklärung wollte er, dass Lindenberg für seine Kunst und seine Kreativität einen Ort erhält, der langfristig funktionsfähig, belebt und wirkungsvoll ist. Weiteres Anliegen: „Sollte das Projekt erfolgreich sein, möchte er, dass alle Projektbeteiligten gleichberechtigt am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt sind.“ Im Klartext soll das wohl heißen: Jeder sollte ein Viertel bekommen. Hotel mit Merchandising-Shop und eine ordentliche Gewinnbeteiligung? Auf den ersten Blick will das nicht zu dem Bild des unangepassten Stadtteilaktivisten passen, das Bloem vermittelt.

Wie bewertet er die Pläne von damals heute? „Das Projekt war auf Udo Lindenberg ausgerichtet und blieb eine Idee in der Vorphase“, sagt er. Ihm selbst sei es damals vor allen Dingen um Lindenberg gegangen, den er sehr schätzt und der damals einen passenden Raum für seine Bilder und seine Sammlung gesucht habe. „Ein Museum oder eine gewöhnliche Galerie fand ich für diesen Künstler und sein Lebenswerk viel zu steif, der Bunker dagegen wäre meiner Ansicht interessant gewesen, weil Lindenberg als Kriegsgegner die Ambivalenz des Ortes hätte auffangen können.“

Bloem weiter: „Ums Geld ging es mir bei diesem Projekt nicht. Es ging darum, ein gutes Konzept für Udo Lindenberg zu entwickeln. Die Gewinnbeteiligung war als Sicherheit gedacht, damit keiner der Beteiligten mit dem Projekt alleine losziehen kann.“ Das tat bekanntermaßen keiner – aber woran genau ist der Plan gescheitert? Laut Bloem seien die Gespräche mit Investor Matzen ohne Ergebnis verlaufen und von Udo Lindenberg abgebrochen worden. Auch damals schon habe Matzen einen fünfgeschossiger Aufbau ins Gespräch gebracht, den Bloem damals wie heute ablehne.

Warum er die Bunkeraufstockung ablehnt

Auch sei er nicht mit Matzens Plänen einverstanden gewesen, die Erbpacht in einen Kaufvertrag umzuwandeln, so Bloem: „Aus meiner Sicht wäre es auch damals nicht erforderlich gewesen, den Bunker in private Hände zu geben. Das Konzept des Erbbaurechtes wäre sinnvoller gewesen. Es wäre auch möglich gewesen – und sicherlich von Udo Lindenberg positiv unterstützt worden –, eine Stiftung zu gründen oder eine Genossenschaft für das Projekt ins Leben zu rufen.“

Weiter betont Bloem: „Selbstverständlich hätten wir, wenn sich die Projektbeteiligten auf gemeinsame Ziele geeinigt hätten, die Anwohner zur Beteiligung eingeladen und eine offene Diskussion geführt.“ Im Widerspruch zu seiner Ablehnung des aktuellen Projektes zur Bunkeraufstockung mit Eventhalle und fünf Geschossen stehe die damalige Idee nicht. „Ich finde es vor allem schade, dass für den Bunker keine ganz unterschiedlichen Vorschläge entwickelt wurden.“

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Bloem will weiter gegen die Aufstockung kämpfen. Sobald die Urteilsbegründung vorliegt, werde er Schritte einleiten. Langweilig dürfte es ihm bis dahin keinesfalls werden. Denn nicht nur die Bunker-Aufstockung lehnt er ab, sondern auch viele andere Bauprojekte, die aus seiner Sicht auf einem intransparenten Weg und mit zu wenig Bürgerbeteiligung entstanden seien. So engagiert sich Bloem auch gegen den Bau des „Paulihauses“, das die Steg an der Ecke Neuer Kamp/Neuer Pferdemarkt plant. Menschen würden verdrängt werden, es handele sich um einen Wirtschaftsförderungswall mit privaten Firmen.

Er hat junge Gefolgsleute

Unnachgiebig und hartnäckig hält er seine Vorträge, immer perfekt vorbereitet und verständlich formuliert. Und bei besonderen Anlässen, wie neulich vor Gericht, kommt er nicht allein, sondern mit einem Tross junger Leute. Viele andere etwa in der Bezirkspolitik sind inzwischen schwer genervt.