„Seid nett zueinander“

Asklepios Klinik Altona: Von der Dankbarkeit der Patienten

| Lesedauer: 6 Minuten
Pfleger Meyeregue Berte erzählt vom Krankenhausalltag in der Asklepios Klinik Altona.

Pfleger Meyeregue Berte erzählt vom Krankenhausalltag in der Asklepios Klinik Altona.

Foto: Michael Rauhe

In der Abendblatt-Reihe „Seid nett zueinander“ erzählt ein Mitarbeiter vom Klinikalltag und kraftspendenden Gesten.

Hamburg.  Überstunden und Doppelschichten haben in den vergangenen Monaten immer wieder zum Alltag in der Asklepios Klinik Altona gehört. In dieser Zeit haben Patienten dem Klinikpersonal öfter „Danke!“ gesagt und es mit Gesten wertgeschätzt: Patienten haben auf den Fluren geklatscht oder Aufmerksamkeiten überreicht. Und schon bald wird ein anonymer Spender vier noch unbekannte, alleinerziehende Pflegekräfte zum Urlaub auf Föhr einladen. Das Angebot wurde bereits ausgesprochen, die Teilnehmer müssen nur noch ausgelost werden. Kleine Gesten wurden oft auch nur in Worte gepackt, erzählt Meyeregue Berte (47). Er ist „Patiententransporter“ und erzählt vom Corona-Alltag, den kleinen Aufmerksamkeiten seiner Patienten und was diese in ihm ausgelöst haben.

Berte hilft seinen Patienten in den Rollstuhl oder hakt sich bei ihnen ein, um sie zu Untersuchungen und zurück aufs Zimmer zu begleiten. Außerdem schiebt der Patiententransporter die Betten in Operationssäle und zwischen den Stationen umher. Seit die ersten Covid-19-Fälle in Hamburg festgestellt wurden, trägt er bei der Arbeit einen Mund-Nasen-Schutz und beachtet die Corona-Hygiene. „Wäre die Corona-Zeit vorüber, würde ich Sie zum Dank zu mir nach Hause einladen“, soll ein Patient gesagt haben. Über diese Worte habe sich Berte sehr gefreut. Genauso glücklich sei er über eine andere Begegnung gewesen.

Dankbare Blicke und Aufmerksamkeiten

„Ich kann mich ganz genau daran erinnern, dass eine Patientin gefragt hat: ‚Haben Sie noch Kekse?‘ Aber alle Stationsverstecke waren schon geplündert.“ Wegen des Besuchsverbots durften Angehörige nicht kurz vorbeischauen, um Süßigkeiten mitzubringen. Deshalb habe Berte ihr nach Dienstende eine Packung Kekse gekauft. Er sagt, als sie ihm das Geld wiedergeben wollte, aber mittellos wirkte, lehnte er ab. Ihre Augen hätten daraufhin noch mehr gestrahlt. „Diese Dankbarkeit kommt von Herzen, und das berührt mich“, sagt er und zeigt auf die Gänsehaut an seinem Arm. Der Klinikmitarbeiter schätzt ein Lächeln oder kleine Aufmerksamkeiten mehr als kostspielige Sachgeschenke. Viel wichtiger sei, dass die Gesten von Herzen kämen.

Ohne die dankbaren Blicke und Aufmerksamkeiten hätte er den neuartigen Corona-Alltag weniger kraftvoll meistern können, sagt er. „Egal wie sehr mich meine Arbeit auslaugt, wertschätzende Worte und Taten spenden mir Kraft. Das Klinikpersonal braucht diese Form der Anerkennung, um sich wertvoll und stark zu fühlen.“ Berte und die anderen Teammitglieder führen am Tag bis zu 500 Patiententransporte für die Asklepios Objektbetreuung Hamburg (AOH) durch. Dann laufen sie vom einen in den anderen Klinikflügel, fahren mit dem Aufzug in den obersten Stock und wieder hinunter. An solchen Tagen seien die Kräfte des Transportteams fast erschöpft. Gerade die Anfangszeit der Corona-Krise habe dem Klinikpersonal viel abverlangt, weil alltägliche Handgriffe neu einstudiert werden mussten.

Veränderter Corona-Alltag: Wie sich Patienten bedanken

„Wir waren anfangs sehr vorsichtig. Die Patienten haben das gemerkt und sich deshalb öfter bedankt“, sagt Berte. In dieser Zeit habe er unwissentlich direkten Kontakt mit dem Virus gehabt. Ein Patient sei an Covid-19 erkrankt, aber noch nicht getestet worden. „Er konnte kaum reden, und es ging ihm schlecht. Als ich gefragt habe, ‚möchten Sie etwas trinken?‘, hat er mit seinen Augen reagiert. Da wusste ich, er war durstig“, sagt Berte. Später habe er ihm noch einen Toast mit Käse gebracht, denn hungrig sei er auch gewesen. Dann sei der Patient positiv getestet worden. Berte sagt, zwei Wochen später hat sich die Tochter des Patienten bedankt und Berte eine Einladung übermittelt. Sobald der Vater das Virus besiegt habe, wolle er den Mitarbeiter wiedersehen. Das Lächeln auf Bertes Gesicht verrät, dass ihn diese Begegnung tief berührt hat.

Coronavirus – die Fotos zur Krise

Es scheint, der Patiententransporter erfährt so viel Dankbarkeit, weil er seinen Patienten mit aller Kraft den Aufenthalt in der Klinik so angenehm wie möglich gestalten möchte. „Die Klinik ist meine zweite Familie. Hier verschenke ich Liebe. Bei meiner Arbeit gebe ich etwas, was ich nicht zurückholen kann“, sagt Berte. Er habe meistens sehr gute Laune und wünsche sich das auch von seinem Gegenüber. In Krisenzeiten sei gute Laune unverzichtbar, weil Menschen verunsicherter seien.

Lesen Sie auch:

Beim Gang über den Flur fällt auf, dass er Patienten und Kollegen herzlich bis freundschaftlich behandelt. Berte kennt viele beim Namen – und viele kennen ihn. Er witzelt auf den Klinikfluren und führt noch im Aufwachraum Smalltalk mit den frisch Operierten. Er fragt einen Patienten, den er kaum kennt: „Hallo mein Freund, wie lief die OP?“ Später im Zimmer sagt er: „Mein Freund, ich habe getan, was ich konnte.“ Der Operierte reagiert dankbar und sagt: „Ich weiß, mein Freund. Ich danke dir!“ Es sind solche Momente, die Berte glücklich machen. Momente, in denen das Personal seine Patienten und die Patienten ihr Personal wertschätzen.


Meyeregue Berte arbeitet seit 2007 als Patiententransporter für die Asklepios Objektbetreuung Hamburg, eine Tochtergesellschaft der Asklepios Klinik. Seine Abteilung umfasst etwa 30 Mitarbeiter, die den Patiententransport und die Postzustellung innerhalb der Klinik verantworten.
Der Wahlhamburger lebt mit seiner Tochter, seiner Lebenspartnerin und deren fünf Kindern in Allermöhe. Vor 2006 lebte Berte in der Elfenbeinküste, wo seine restlichen Familienmitglieder bis heute sind.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg