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Rapper und Profisportler bringen Kiez-Kindern das Boxen bei

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Gangsterrapper „Reeperbahn Kareem“ holt Kiez-Kinder von der Straße auf den Bolzplatz und bringt ihnen bei, an sich zu glauben.

Gangsterrapper „Reeperbahn Kareem“ holt Kiez-Kinder von der Straße auf den Bolzplatz und bringt ihnen bei, an sich zu glauben.

Foto: Michael Rauhe

St. Paulianer holen junge Menschen von der Straße auf den Bolzplatz. Im Training lernen die Schützlinge, an sich zu glauben.

Hamburg.  Kiez-Größe Syed Kareem Ahmed ist Gangsterrapper und Thaibox-Trainer – besser bekannt unter dem Namen „Reeperbahn Kareem“. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie hat er im Boxstudio trainiert. Doch dann mussten Sportstätten schließen. Erst seitdem Outdoor-Sport in Gruppen wieder erlaubt ist, trainiert er fast täglich auf dem Bolzplatz an der Silbersacktwiete und ist dabei nicht allein. Sein Bruder Jameel Ahmed brachte ihn auf die Idee, junge Menschen mit und ohne Behinderung von der Straße auf den Bolzplatz zu holen und dort zu trainieren. Er rappt auch, veröffentlicht Songtexte unter dem Künstlernamen „BOZ“. Die Brüder werden von Elbschlosskeller-Betreiber Daniel Schmidt und American-Football-Profi Aaron Boadu unterstützt.

Gemeinsam boxt die Kiez-Gruppe montags bis sonnabends gegen 14 Uhr im Takt der Rapmusik von Reeperbahn Kareem und BOZ – kostenlos und ganz ohne Anmeldung. Jeder darf mitmachen, sagen die Rapper. Das Training diene dazu, dem Leben unter Corona-Bedingungen ein Stück weit Normalität zurückzugeben, einen geregelten Alltag zu schaffen, sagen sie. Statt zu Hause vor dem Tablet zu sitzen, würden die Teilnehmer Boxtechniken lernen und sich an der frischen Luft auspowern. Sie sollen an sich glauben, selbstbewusst und selbstbestimmt durchs Leben gehen.

Kinder können ihre Grenzen austesten

Während die beiden Rapper die Teilnehmer im sogenannten Stand-up-Kampf schulen, widmet sich Football-Profi Boadu ihrer Kraftausdauer. „Ich bringe den Kindern bei, ihren Körper zu beherrschen und ihre Grenzen auszutesten“, sagt er. Baodu spielte unter anderem bei den Kiel Baltic Hurricanes und gewann mit ihnen im Juni 2015 den Europapokal-Wettbewerb im American Football (EFAF Cup).

Gerade den jüngeren Teilnehmern möchte der Football-Profi einen kindgerechten Alltag ermöglichen und eine Perspektive bieten. Er sagt, viele kämen aus schwierigen Verhältnissen, weshalb es umso wichtiger sei, kriminelle Energie abzufangen und sie vor dem Weg in den „Jugendknast“ zu schützen.

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„Ich mache das, damit die Kinder nicht auf die schiefe Bahn geraten, sie gar nicht erst anfangen, Autos zu knacken oder mit Drogen zu dealen“, sagt der Football-Profi. „Wenn wir es schaffen, dass die Kinder nicht in den Jugendarrest kommen, haben wir unser Ziel erreicht.“ Er saß selbst wegen Drogenhandels im Gefängnis und möchte den Teilnehmern nun vorleben, dass sie über ihr Leben selbst bestimmen und es zum Positiven ändern können.

Reeperbahn Kareem sucht Sponsoren für eine Sporthalle

Die Teilnehmer sind dankbar für das Training. Jerard Traoré (25) ist einer von ihnen. Er freue sich, dass seine Boxtechnik schon flüssiger und er selbst konditionierter sei. Sein Freund Mo Conateh (28) sieht das auch so und plant die Sporteinheiten als festen Bestandteil seines Lebens ein. „Das ist mein Lifestyle. Ich habe nichts anderes im Leben.“ Die beiden Freunde sitzen unfallbedingt im Rollstuhl, weshalb die Trainer ihnen und weiteren Teilnehmern barrierefreie Sporteinheiten anbieten.

Seit einigen Wochen trainiert die Gruppe nicht mehr nur mit dem eigenen Körpergewicht, sondern nutzt auch Boxhandschuhe und Schlagpolster, welche die Barmbek Basch Fightschool gesponsert hat. Reeperbahn Kareem hofft auf weitere Sachspenden, die der Jugendtreff an der Silbersackstraße 14 entgegennimmt. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag sowie Sonntag von 15 bis 20 Uhr. Darüber hinaus sucht er nach Sponsoren für eine Sporthalle, um auch im Winter weitertrainieren zu können.

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