Hamburg

Die Kunst von Helmut und Loki Schmidt wird ausgestellt

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Das Esszimmer im ehemaligen  Wohnhaus der Schmidts

Das Esszimmer im ehemaligen Wohnhaus der Schmidts

Foto: Michael Rauhe

Gemälde, Grafiken und Plastiken werden restauriert und sollen von Oktober an im Ernst Barlach Haus zu sehen sein.

Hamburg. Das einstige Wohnhaus von Helmut und Loki Schmidt am Neubergerweg gleicht einer Kunstwerkstatt. Drei Restauratorinnen überarbeiten Gemälde, Grafiken und Plastiken für eine Ausstellung. Werke von Emil Nolde, Ernst Barlach, Marc Chagall und Käthe Kollwitz sind hier zu finden.

Die kunstliebenden Schmidts wollten kein Museum und suchten auch keine Geldanlage. „Sie hatten einfach Spaß daran, ihre Kunst zu sehen“, sagt Stefan Herms, Geschäftsführer der Loki und Helmut Schmidt Stiftung. „Kanzlers Kunst“ mit einer Auswahl von rund 150 Werken soll am 4. Oktober im Hamburger Ernst Barlach Haus im Jenisch-Park eröffnet werden. Mit einer dicken Lupe vor den Augen arbeitet Antonia Billib im ehemaligen Esszimmer. Mit einem Mini-Schwamm und Wattestäbchen reinigt sie das Bild „Baumreihe“ von August Haake (1889–1915), ein Motiv aus dem Teufelsmoor bei Worpswede.

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Vor allem der Ruß von Kerzen und dem Kamin hat sich auf der Ölfarbe abgesetzt. Ablagerungen vom Zigarettenqualm der beiden Kettenraucher, sagt Antonia Billib, seien hier nicht intensiver als in Häusern anderer Kunstfreunde. Erst mit Wasser, dann mit einer anionischen Seife trägt sie den Schmutz ab, ohne die Farbe dabei zu beschädigen. Für die beiden Löcher in den oberen Ecken des Bildes hat sie eine Erklärung: August Haake hat in der freien Natur gemalt und sich für den Rücktransport auf dem Motorrad das Gemälde mit einem Band auf den Rücken gehängt. Die Schmidts haben ihre zum Teil sehr kostbaren Werke nicht professionell gepflegt. Drei Gemälde waren nach Einschätzung der Restauratorinnen in einem derart kritischen Zustand, dass sie umgehend gesichert werden mussten.

Etwa 100 Gemälde und rund 50 Kleinplastiken sollen im Barlach-Haus ausgestellt werde

Ein Bild von Emil Nolde musste Restauratorin Silke Beiner-Büth auch neu bespannen. Einige Drucke müssen möglicherweise von der Wand genommen werden, um sie vor dem Lichteinfall zu schützen. Die Bilder wurden offenbar dort aufgehängt, wo noch Platz war und sie sich gut machten.

Genutzt wurden einfache Bilderhaken. Eines hängt sogar direkt über dem Kamin – und der wurde früher auch genutzt. Helmut Schmidt (1918–2015) und Loki Schmidt (1919–2010) haben beide die Lichtwark-Schule besucht, eine Hamburger Reformschule, die viel Wert auf Musik, bildende Kunst und Theater legte.

Etwa 100 Gemälde und rund 50 Kleinplastiken sollen im Barlach-Haus ausgestellt werden. Andrea Weiss hat sie fotografiert, denn zur Eröffnung der Ausstellung soll der Bildband „Kanzlers Kunst“ erscheinen. Sorgen vor Dieben mussten die Schmidts nicht haben: Auch nach seiner Zeit als Kanzler zählte das Schmidt-Haus zu den bestbewachten der Bundesrepublik.

( epd )

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