Corona-Krise

Schlechte Zeiten für Kanuverleiher an der Alster

| Lesedauer: 7 Minuten
Edgar S. Hasse
Sarjo Darbo vom Supper Club Bootsverleih am Isekai wartet auf Kundschaft. Doch in diesem Jahr läuft das Geschäft nicht so gut.

Sarjo Darbo vom Supper Club Bootsverleih am Isekai wartet auf Kundschaft. Doch in diesem Jahr läuft das Geschäft nicht so gut.

Foto: Michael Rauhe

Lange waren die Betriebe geschlossen. Viele Hamburger haben sich daher in der Zwischenzeit eigene Boote und Paddel-Boards gekauft.

Hamburg. Leinen los! Ein Pärchen steigt bei Thalmann-Boote am Moorfleeter Deich in ein 4,80 Meter langes und 60 PS starkes Terhi-Motorboot. Los geht es mit dem gecharterten Urlaubsschiff Richtung Tatenberger Schleuse und dann in die Stromelbe. So schön kann ein Sommertag auf dem Wasser sein. „Nach dem Lockdown nimmt unser Chartergeschäft langsam wieder Fahrt auf“, freut sich Thalmann-Geschäftsführer Bernard Espelage. „Aber das Niveau vom Vorjahr werden wir wegen der Pandemie nicht erreichen.“

Stattdessen blüht der andere Geschäftszweig: Das Unternehmen verkauft immer mehr Boote. „Wir haben noch nie zuvor so viele Schiffe verkauft wie in diesem Jahr“, sagt Espelage. Je mehr PS sie haben, umso besser.

Corona: Hamburger Bootsvermieter klagen über sinkende Nachfrage

Mitten im Hochsommer, der besten Zeit für Wassersportler, schlagen die Folgen der Corona-Krise an Elbe und Alster spürbar Wellen. Zwar ist das Charter-Geschäft nach den Lockerungen im Mai wieder angelaufen. Aber Bootsvermieter klagen über eine gesunkene Nachfrage und beobachten einen neuen Trend: Die Hamburger steigen lieber auf eigene Schlauchboote und Boote um. So viel Freiheit will man sich dann doch bei begrenzter Reiselust gönnen. Wenn schon nicht das Mittelmeer, wird wenigstens die Alster zum schönen Schlauchboot-Revier für Hobby-Kapitäne.

„Corona hat uns sehr geschadet und viele Hamburger zu neuen Besitzern von Plastikbooten gemacht“, sagt Maze Kahle vom Supper Club Bootsverleih am Isekai. Weil der Betrieb wegen der gesetzlichen Bestimmungen erst sehr spät angelaufen sei, hätten sich viele „Wasserabenteurer“ eigene Schlauchboote zugelegt, sagt er.

Gefragt waren Topseller eines großen Internet-Händlers zum Schnäppchenpreis von 100 Euro und ein Billig-SUP (Stand-up-Paddling-Board) im Angebot einer Supermarktkette. „Das alles hat dem Verleihgeschäft nicht gutgetan“, sagt Maze Kahle, bei dem die Gäste am liebsten Tretboote und SUP-Boards ausleihen.

Hamburger fahren neuerdings auf „aufblasbare Gummiboote“ ab

Marc Sämann, Geschäftsführer von Bobby Reich an der Außenalster, beobachtet ebenfalls, dass die Hamburger neuerdings auf eigene „aufblasbare Gummiboote“ abfahren. Auch die Verbreitung von SUPs sei weiter angestiegen.

„Dies führt nach Rückkehr der Ruderer und Segler zu stark erhöhtem Bootsverkehr auf der Alster“, betont Sämann. Es gebe daher ein „großes Konfliktpotenzial“ zwischen Seglern und Ruderern, die seit mehr als 150 Jahren das Revier neben den Berufsschiffern und Alsterdampfern nutzen, und den neuen Gummiboot-Fahren und SUPs. Abendblatt-Leser berichten zudem von mangelnder Rücksichtnahme der neuen Wassersportler gegenüber einer behördlich geschützten Art – den beliebten Alsterschwänen. Die Ruhezonen der Tiere würden gestört.

Polizei: Verkehr auf der Alster hat wieder normales Maß angenommen

Die Wasserschutz-Polizei bestätigte derweil auf Abendblatt-Anfrage, dass mit Beginn der Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen viele private Wasserfahrzeuge wie Schlauchboote und SUPs auf der Alster und den Kanälen unterwegs waren.

Inzwischen habe der Verkehr auf der Alster und den Kanälen wieder ein normales Maß angenommen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Zeitweise sei die Schifffahrt auch durch Badende behindert worden. Wenn die Wasserschutzpolizei in diesen Tagen einschreiten muss, dann sind es vor allem Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot und die gängigen Vorfahrtsregeln.

Klassischer Bootshandel ist wieder im Aufwind

Während die Boots-Vermieter an Alster und Elbe über Rückgänge klagen, befindet sich der klassische Bootshandel nach Zeiten der Flaute wieder im Aufwind. Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft e. V. sagt: „Es gibt im Bootssektor nichts mehr zu kaufen.“

Gefragt seien alle Bootsklassen, insbesondere Motorsportboote bis 12 Meter Länge. Der Handel berichte von „leeren Ausstellungsräumen. Alles, was irgendwie schwimmen kann, wird verkauft.“ Die Kunden wollten ihre Urlaubsplanung für die nächsten ein bis drei Jahre an Corona anpassen und lieber autark und unabhängig bleiben, betont Stahlhut.

Wer kein Boot kaufen kann, kann eines mieten

Für alle, die nicht viel investieren wollen, ist das Mieten eines Bootes jedoch nach wie vor die beste Alternative. In der Segelschule Pieper (An der Alster) ist der Centaur, eine holländische Jolle neben den Tretbooten besonders gefragt. Bei Bobby Reich sind es Kanus und Holz-Ruderboote. Darüber hinaus vermietet das Unternehmen Segelboote und zwei mehr als 80 Jahre alte gaffelgetakelte Elb-H-Jollen aus Holz. Bei den Motorsportlern sind Partyboote und PS-starke Schiffe im Rennen.

Bei allen Verleihern gelten die gängigen Corona-Regeln. Thalmann in Moorfleet an der Dove Elbe vermietet Boote bis maximal zehn Personen. Jeder Passagier muss sich vorher mit Adresse und Telefonnummer in eine Liste eintragen. Spontan-Charter ist nicht möglich – es bedarf eines reservierten Termins.

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Boote mieten an der Alster – Corona-Regeln gelten

Überall gelten natürlich die strengen Abstandsregeln. „Mit den Markierungen auf dem Steg achten wir beim Vermietungsvorgang sehr stark darauf, dass die Regeln eingehalten werden“, sagt Marc Sämann von Bobby Reich. In der Segelschule und Bootsvermietung Pieper hat Corona zur Folge, dass die Lehrgänge nur noch mit 50 Prozent der verfügbaren Plätze ausgelastet sein dürfen.

Auch das Bundesverkehrsministerium reagiert auf den Boom der privaten Boote. Die Gebühren für die Passage des 125 Jahre alten Nord-Ostsee-Kanals sind unter anderem für Sportboote ab sofort ausgesetzt. Das Ministerium will damit die Attraktivität dieser Wasserstraße steigern. Eigner von bis zu zehn Meter langen Sportbooten sparen nunmehr zwölf Euro.

Hier können Sie ein Boot oder Board leihen:

  • Der Weg zum Charter-Boot ist leicht: Bei Thalmann-Boote (Moorfleeter Deich 316) können auch 15-PS-Boote ohne Führerscheinpflicht ausgeliehen werden. Wer das Schiff der Marke Terhi 450 CC mit 40 PS-Außenbordmotor fahren will, bezahlt werktags 130 Euro, am Wochenende 160 Euro pro Tag (zzgl. Nebenkosten und Treibstoff) und braucht einen Sportbootführerschein.
  • Die Segelschule Pieper (An der Alster/Atlanticsteg) hat sich auf die Vermietung von Tretboten, VB-Jollen, Centauer/Zugvogel sowie Laser 16 spezialisiert. Ein Tretboot kostet pro Stunde 20 Euro und eine VB-Jolle mit maximal vier Personen 25 Euro.
  • Bei Bobby Reich (Fernsicht 2) kosten Ruderboote und Kanus für ein bis zwei Personen pro Stunde je 15 Euro. Für Segelboote sind mindestens 22 Euro fällig.
  • Im Supper Club (Isekai 13) kann man Kanus, Tretboote, Kajaks, Ruderboote, SUPs ausleihen. Kajaks für zwei Personen kosten 18 Euro pro Stunde.

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