Fahrradserie

Regeln: Was Fahrradfahrer dürfen – und was nicht

Wann müssen Radfahrer wo fahren? Hier, an der Kreuzung Dammtordamm und Alsterglacis, ist das dank der roten Markierung nicht zu übersehen.

Wann müssen Radfahrer wo fahren? Hier, an der Kreuzung Dammtordamm und Alsterglacis, ist das dank der roten Markierung nicht zu übersehen.

Foto: Andreas Laible

Hat man Vorrechte am Fußgängerüberweg, darf man Kopfhörer tragen und alkoholisiert sein? Das Abendblatt beantwortet wichtige Fragen.

Hamburg.  Wie alle am Straßenverkehr Beteiligten müssen sich auch Radfahrerinnen und Radfahrer an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten. Aber oft hapert es bei deren Umsetzung: Als Hauptursache von Unfällen beim Radfahren gelten nämlich mangelnde Kenntnisse der Verkehrsregeln oder deren falsche Anwendung.

Wann müssen Fahrradfahrer einen Radweg benutzen?

Fahrradfahrer müssen den Radweg nur benutzen, wenn er ausdrücklich durch ein blaues Radwegschild gekennzeichnet ist. Zu ihrer eigenen Sicherheit sollten sie laut Experten aber auf der Straße fahren. Dort könnten die Autofahrer sie viel besser sehen.

Auch einen ausgeschilderten Radweg müssen Radfahrer nur dann benutzen, wenn dieser befahrbar ist. Ist er etwa durch Scherben beeinträchtigt, durch Mülltonnen oder geparkte Autos versperrt, dürfen sie auf die Straße ausweichen. Lastenräder und Räder mit Anhängern, die zu breit für den Radweg sind, dürfen immer auf die Straße.

Dürfen Fahrradfahrer, wenn es rechts keinen Radweg gibt, den auf der linken Straßenseite nutzen?

Wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt für Radfahrer das Rechtsfahrgebot. Einen Radweg auf der linken Seite dürfen sie nur benutzen, wenn das durch ein Schild angeordnet beziehungsweise erlaubt ist. Sonst müssen sie rechts auf der Fahrbahn fahren, wenn es dort keinen Radweg gibt.

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Radspuren?

Ein Radweg ist ein von der Fahrbahn baulich getrennter Weg für Radfahrer. Ein Radfahrstreifen ist mit einer durchgezogenen Linie von der Fahrbahn für Kraftfahrzeuge abgetrennt. Hier dürfen Autofahrer nicht fahren, halten oder parken. Ein Schutzstreifen für den Radverkehr ist durch eine gestrichelte weiße Linie zu erkennen. Hier dürfen Autos nicht parken, aber kurz fahren – etwa, um in einer schmalen Straße Gegenverkehr auszuweichen.

Gegenüber dem Benutzen der Fahrbahn haben Radfahrer auf Radfahr- und Schutzstreifen die Möglichkeit, an beispielsweise vor Ampeln wartenden Autos vorbeizufahren. Ausnahmen für das Halten und Parken auf Radfahr- und Schutzstreifen gibt es laut Innenbehörde nur für Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Scooter.

Haben Radfahrer in einer Fahrradstraße immer Vorfahrt, oder gilt hier „rechts vor links“?

In einer Fahrradstraße gelten die Regeln der Straßenverkehrsordnung. Gibt es keine verkehrsregelnden Zeichen, habe auch auf einer Fahrradstraße die von rechts kommenden Verkehrsteilnehmer Vorfahrt.

Bis zu welchem Alter dürfen Kinder auf dem Gehweg fahren?

Das hängt vom Alter ab. Bis zum achten Geburtstag müssen Kinder auf dem Gehweg fahren, Kinder bis zum zehnten Geburtstag dürfen auf dem Gehweg fahren. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, darf ihn auch ein Kind, das jünger als acht Jahre ist, benutzen.

Fährt es auf dem Gehweg, darf es von einer Aufsichtsperson, die älter als 16 Jahre alt ist (in der Regel also Vater oder Mutter), begleitet werden. Fußgänger dürfen dabei aber nicht gefährdet werden. Vor dem Überqueren einer einmündenden Straße oder Zufahrt sollten Kinder absteigen und ihr Rad schieben.

Müssen Kinder einen Helm tragen?

Laut Auskunft der Innenbehörde gibt es keine Helmpflicht für Kinder. Die Polizei empfiehlt das Fahren mit Helm aber allen Verkehrsteilnehmern. Insbesondere Kinder würden durch Helme vor gravierenden Unfall- oder Sturzfolgen bewahrt.

Haben Radler Mitschuld an einem Unfall, wenn sie ohne Helm fahren?

Das kommt auf den Richter an. In Deutschland müssen laut Gesetz nur Fahrer von Krafträdern – also Mofa-, Moped- und Motorradfahrer – einen Schutzhelm tragen, Radfahrer nicht.

Manche Richter allerdings mindern die Schadenersatzansprüche von Radfahrern, wenn die Kopfverletzung des Radlers durch das Tragen eines Helms weniger schlimm ausgefallen wäre.

Darf man freihändig fahren?

Das Freihändigfahren ist nicht erlaubt, Fahrradfahrer müssen mindestens eine Hand am Lenker haben.

Die Serie:

  • 31. Juli: Wie ein besseres Miteinander auf der Straße gelingt
  • 1. August: Vom Glück und Unglück, in Hamburg Rad zu fahren

Dürfen Radfahrer Kopfhörer tragen?

In der Straßenverkehrsordnung ist das Tragen von Kopfhörern nicht verboten. Laut Innenbehörde sollte die Lautstärke beim Musikhören aber nur so laut sein, dass Warnsignale aus der Umwelt jederzeit bemerkt werden können – die Beats sollten also Martinshorn, Autohupe und Fahrradklingel nicht übertönen.

Ist telefonieren auf dem Fahrrad erlaubt?

Wer das Telefon während der Fahrt in der Hand hält und benutzt, zahlt 55 Euro Verwarnungsgeld, wenn er erwischt wird. Hat man vor Fahrtantritt jedoch die technischen Einstellungen vorgenommen, um per Kabel oder Bluetooth frei sprechen zu können, ist das Telefonieren mit Kopfhörern erlaubt. Auch hier gilt die Verpflichtung, dennoch Warnsignale wahrnehmen zu können.

Darf man alkoholisiert mit dem Fahrrad fahren?

Das hängt vom Grad der Alkoholisierung ab. Wer mit mehr als 1,6 Promille Rad fährt, muss um seinen Führerschein fürchten, denn ab dem Wert gilt man als absolut fahruntüchtig. Die Polizei darf den Führerschein allerdings nicht einkassieren, sondern kann nur eine medizinische psychologische Untersuchung (MPU) anordnen, umgangssprachlich Idiotentest genannt.

Erst wenn der Radler diesen Test verweigert oder durchfällt, muss er seinen Führerschein abgeben. Allerdings kann man sich schon bei einem Promillewert von 0,3 strafbar machen und muss bei einem Unfall haften, wenn es aufgrund des Alkohols zu Fehlern beim Radfahren kommt.

Darf man Personen auf dem Gepäckträger mitnehmen?

Das ist nur dann erlaubt, wenn die Fahrräder für die Personenbeförderung gebaut und eingerichtet wurden, also bei Rikschas oder gewissen Lastenfahrrädern. Kinder bis zu sieben Jahren dürfen in einem geeigneten Kindersitz mitgenommen werden.

Haben Radfahrer beim Überqueren eines Zebrastreifens dieselben Rechte wie Fußgänger?

Nur, wenn der Radfahrer absteigt und sein Rad über den Zebrastreifen schiebt, hat er den Status eines Fußgängers. Wenn er über den Zebrastreifen fahren will, muss er den Autos die Vorfahrt lassen. Tut er das nicht und wird von einem Auto erfasst, trägt er unter Umständen eine Mitschuld am Unfall.

Dürfen Radfahrer Einbahnstraßen in die Gegenrichtung befahren?

Nein, das ist grundsätzlich verboten. Nur das Verkehrszeichen Nr. 267 (schwarzes Fahrrad auf hellem Grund und darunter das Wort „Frei“) erlaubt das Radfahren entgegengesetzt der Einbahnstraßenrichtung.

Muss man an einem Fußgängerüberweg vor einer roten Ampel halten, auch wenn niemand passieren will?

Radfahrer haben die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten und müssen somit an der Haltelinie halten. Davon abweichend können besondere Lichtzeichen für den Radverkehr gelten, die dann zu beachten sind.

Ist es erlaubt, beim Radfahren einen Hund an der Leine zu halten?

Laut Paragraf 28 der Straßenverkehrsordnung dürfen von Fahrrädern aus Hunde an der Leine mitgeführt werden – Schweine oder Pferde dagegen nicht.

Darf man Flipflops tragen, wenn man Fahrrad fährt?

Vorgeschrieben ist ein geeignetes Schuhwerk, bestimmte Schuharten werden aber nicht genannt. „Vom allgemeinen Verständnis her“, heißt es aus der Verkehrsdirektion, „sind Flipflops nicht geeignet.“

Dürfen Radfahrer nebeneinander fahren?

In Fahrradstraßen ist das Nebeneinanderfahren grundsätzlich erlaubt – in anderen Straßen nur, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden.

Müssen Radfahrer beim Abbiegen die ganze Zeit den Arm aus­strecken?

Nein. Wenn man das Handzeichen gegeben­ hat, kann man nach dem Einordnen­ auf einer Linksabbiegerspur den Arm wieder herunternehmen. Auch während des Abbiegens muss man nicht die ganze Zeit den Arm ausstrecken.

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Das Hamburger Abendblatt hat ein eigenes Magazin zum Thema „Hamburg mit dem Rad“ herausgebracht: 108 Seiten, 9 Euro (Treuepreis 7 Euro). Erhältlich in der Abendblatt-Geschäftsstelle am Großen Burstah 18–32 unter Telefon 040/333 66 999, unter abendblatt.de/magazine und bei Amazon.