Hamburg

Sozialsenatorin will Alleinerziehende stärker unterstützen

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Jens Meyer-Wellmann und Peter Ulrich Meyer
Melanie Leonhard (SPD) ist besorgt über Kinderarmut.

Melanie Leonhard (SPD) ist besorgt über Kinderarmut.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Jedes zweite Kind, das Hartz IV bezieht, lebt in Ein-Eltern-Haushalt. Corona verschärft Lage. Melanie Leonhard (SPD) will reagieren.

Hamburg. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) will Alleinerziehende künftig deutlich stärker unterstützen – zumal alleinstehende Elternteile und ihre Kinder überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind. „Die Situation von Alleinerziehenden verbessert sich zu langsam“, sagte Leonhard mit Blick auf die Ergebnisse der neuen Bertelsmann-Studie zu Kinderarmut in Deutschland.

Danach waren zuletzt (Dezember 2019) insgesamt 19,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Hamburg auf Hartz IV angewiesen. Im Dezember 2014 waren es mit 20,2 Prozent etwa genauso viele. 49,6 Prozent der Kinder, die mit Hartz-IV-Leistungen unterstützt werden, leben in Hamburg in einem Ein-Eltern-Haushalt. Diese Zahlen unterstreichen, dass Alleinerziehende und ihre Kinder ein besonders hohes Armutsrisiko tragen.

Hamburg hat Instrument der Teilzeit-Ausbildung schon ausgeweitet

Der Schlüssel zu einer Verbesserung der Lage sei die berufliche Qualifikation der Eltern, sagte Leonhard dem Abendblatt. „Das wollen wir ausweiten. Wir haben 16.000 Alleinerziehende im Leistungsbezug, überwiegend Frauen. Das ist eine Gruppe, der man sich mit großem Engagement zuwenden muss.“ Die Stadt habe „das Instrument der Teilzeit-Ausbildung schon ausgeweitet, das ist mühsam, aber sehr effektiv“, so Leonhard. „Die Ausbildung wird auf sechs bis sieben Jahre gestreckt, und wir begleiten die Frauen dabei, damit sie nicht aufgeben.“

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Zugleich betonte Leonhard, dass bei der Auswertung der Bertelsmann-Studie die Aufnahme von Flüchtlingen einbezogen werden müsse. „Wenn man die Studie genau betrachtet, sieht man, dass der Anteil der Kinder, die lange in Hartz-IV-Bezug sind, um 21 Prozent zurückgegangen ist“, so Leonhard. „Wir sind nur auf dem Stand von vor fünf Jahren, weil viele geflüchtete Familien neu in den Hartz-IV-Bezug gekommen sind. Und deren Lebenssituation hat sich ja gebessert, dadurch, dass sie in Deutschland sind.“

"Wir würden heute die Kitas nicht mehr als Erstes schließen"

Leonhard, die jetzt auch für die Gesundheitspolitik zuständig ist, hatte bereits darauf hingewiesen, dass die Zahl der von Armut betroffenen Kinder durch die Corona-Krise wachsen könne. Zugleich räumte sie Fehler des Senats zu Beginn der Pandemie ein. „Rückblickend würde ich sagen, dass wir schneller sein sollten bei der Ausweisung von Risiko­gebieten, als wir es im März waren“, sagte Leonhard. „Es hat damals zu lange gedauert, bis Österreich, also vor allem Ischgl und Tirol, offiziell als Risikoregion benannt wurden. Wir hätten vielleicht nicht so lange auf das Robert-Koch-Institut warten und in Hamburg mutiger sein sollen, eher Betretungsverbote etwa für Kitas bei Urlaubsrückkehrern aus diesen Gebieten auszusprechen.“

Gut gewesen sei es dagegen, dass der Senat seine „Maßnahmen der jeweiligen Erkenntnislage angepasst“ habe, so Leonhard. „Als alle der Auffassung waren, Kitas und Schulen sind besonders relevant für die Ausbreitung, mussten wir sie schließen. Als aber deutlich wurde, dass Kinder kein besonderes Verbreitungsrisiko darstellen, haben wir die Schließungen schrittweise gelockert.“

Es sei aber richtig gewesen, dass Hamburg bisweilen Maßnahmen später gelockert habe als andere Länder. „Wir sind eine Metropole mit fast 1,9 Millionen Einwohnern“, so die Senatorin. „Wir müssen vorsichtiger sein wegen der Großstadtdichte. Ich finde inzwischen allerdings, dass wir bei dem Thema Kindertagesbetreuung und Förderangebote nicht bis zum Schluss so zurückhaltend sein müssen. Wir würden heute die Kitas nicht mehr als Erstes schließen.“

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