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Fast wie vor Corona: 200 Leute bei CSD-Parade im Wendland

| Lesedauer: 14 Minuten
Ein Teilnehmer versprüht Seifenblasen bei der Parade zum Christopher Street Day (CSD) im Wendland. Nach Angaben der Veranstalter handelt es sich um die bundesweit erste Straßendemo zum Christopher Street Day in der Corona-Zeit.

Ein Teilnehmer versprüht Seifenblasen bei der Parade zum Christopher Street Day (CSD) im Wendland. Nach Angaben der Veranstalter handelt es sich um die bundesweit erste Straßendemo zum Christopher Street Day in der Corona-Zeit.

Foto: Philipp Schulze/dpa

Kiez-Kultkneipe öffnet nach Zwangspause wieder. Corona-Neuinfektionen in Hamburg erneut zweistellig. Kreuzfahrtschiff sticht in See.

Hamburg. Die große Corona-Party ist am Freitagabend ausgeblieben. "Wir haben schon schlimmere Nächte erlebt", hieß es am Sonnabendmorgen bei der Hamburger Polizei. Auch in anderen Bereichen scheint sich die Lage zu entspannen. So verzeichnen die Verkehrsunternehmen im Norden einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen. Eine Kultkneipe auf dem Kiez hat nach der ersten Schließung überhaupt wieder geöffnet. Und am Abend hat in Hamburg erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Kreuzfahrtschiff abgelegt. Doch die Zahl der Neuinfektionen gibt Anlass zu Besorgnis.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Sonnabend, den 25. Juli:

Minister Garg demonstriert für Liebe ohne Corona-Grenzen

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hat am Sonnabend am deutsch-dänischen Grenzübergang Ellund für Liebe ohne Corona-Grenzen demonstriert. Zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Gyde Jensen und dem Europaabgeordneten Moritz Körner (beide FDP) forderte er Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, auch unverheirateten Lebenspartnern aus Nicht-EU-Staaten die Einreise endlich zu erlauben.

„Am Anfang war das Abschotten (...) mit Sicherheit notwendig“, sagte Garg. Doch inzwischen sei ein derart rigides Vorgehen unverhältnismäßig. Als Gesundheitsminister müsse er sich in Schleswig-Holstein auch jeden Tag Gedanken darüber machen, ob die getroffenen Corona-Maßnahmen noch verhältnismäßig seien. Das erwarte er auch von Seehofer. Vorbild sei Dänemark, das den Familienbegriff weit auslege und allen Paaren aus Drittstaaten mit negativem Corona-Test keine coronabedingten Grenzen mehr setze. Deutschland lasse dagegen nur verheiratete Paare und eingetragene Lebenspartner wieder einreisen.

Fast wie vor Corona: 200 Teilnehmer bei CSD-Parade im Wendland

Nach Absagen oder neuen Formaten für Christopher Street Days (CSD) ist im Wendland die bundesweit erste Parade fast wie vor der Corona-Pandemie gestartet. Nach Angaben der Polizei reihten sich am Sonnabend rund 200 Menschen – und damit nur etwas weniger als in den Vorjahren – in den bunten Zug von Waddeweitz über mehrere Dörfer. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hatte das unter Einhaltung der Abstandsregeln und dem Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken genehmigt. Ordner der Veranstalter kümmerten sich um die Einhaltung.

Die im Vergleich zu den traditionell riesigen CSD-Paraden in Köln oder Berlin kleine Teilnehmerzahl und mehr Platz auf weiter Fläche spielten den Organisatoren in die Karten. Aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen wurden laut CSD Deutschland die übrigen Paraden bisher abgesagt, verschoben oder in kleineren beziehungsweise neuen Formaten wie Online-Streams und Auto-Demos durchgeführt. „Man könnte sagen, dass in diesem Jahr die kleinen in den Fokus rücken. Die, die man sonst nicht wahrnimmt“, sagte Vorstand Falko Jentsch. Er freue sich, dass so die Vielfalt der rund 90 CSDs in Deutschland abgebildet werde.

Interaktiv – Deutschlands Urlaubsgebiete im Corona-Vergleich:

Mit den Christopher Street Days wird an Ereignisse Ende Juni 1969 in New York erinnert: Polizisten stürmten damals in Manhattan die Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen die Willkür aus.

Vorsichtige Entwarnung nach Corona-Tests bei Lloyd-Werft

Nach 360 Corona-Tests bei Mitarbeitern der Lloyd-Werft wegen einer Infektion in einem Partnerunternehmen sind alle bisher vorliegenden 329 Tests negativ. Die weiteren 31 Ergebnisse werden am Montag erwartet, wie ein Sprecher der Stadt Bremerhaven am Sonnabend mitteilte.

Die Werft war Anfang der Woche informiert worden, dass ein Mitarbeiter einer Partnerfirma bei der Einreise in sein Heimatland positiv auf das Coronavirus getestet wurde – die Firma ist bei Arbeiten in der Werft eingebunden. In Abstimmung mit Werksarzt und Gesundheitsamt wurden daraufhin alle rund 70 Kollegen des Infizierten getestet und sollten vorsorglich in in ihren Wohnungen bleiben. Diese Tests ergaben, dass sich drei weitere Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert haben.

Hamburgs „härteste Kneipe“ beendet Corona-Zwangspause

Hamburgs „härteste Kneipe“, der Elbschlosskeller auf St. Pauli, hat nach gut viermonatiger Corona-Zwangspause wieder geöffnet. „Es ist so weit! Wir haben geöffnet …“, schrieb Wirt Daniel Schmidt auf Facebook. Die Kiezkneipe am Hamburger Berg war vor der Pandemie nie geschlossen, stand ihren Gästen 70 Jahre rund um die Uhr zur Verfügung. Wirt Schmidt musste deshalb Mitte März erst einmal ein neues Schloss einbauen lassen, da der Schlüssel für das alte, nie genutzte Schloss nicht mehr aufzufinden war.

Entsprechend den Corona-Auflagen dürfen nicht mehr als 40 Gäste gleichzeitig in der Kneipe sein. Auch gilt ein Tanzverbot, Plastiktrennwände sollen eine Corona-Infektion der Gäste möglichst verhindern.

Während des Lockdowns hatte sich „Elbschlosskeller“-Wirt Schmidt stark für Obdachlose eingesetzt. Unter dem Motto „Wer, wenn nicht wir“ hatte er die Kultkneipe kurzerhand in eine Suppenküche und Kleiderkammer für Obdachlose verwandelt. „Die Schwächsten in unserer Gesellschaft bekommen derzeit nicht die Hilfe, die sie brauchen“, begründete er damals sein Engagement.

Schleswig-Holstein vermeldet zwölf weitere Corona-Fälle

In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell erfassten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zuletzt innerhalb eines Tages um zwölf Fälle auf 3311 erhöht. Wie die Landesregierung auf ihrer Homepage mit Stand Freitagabend berichtet, blieb die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen unverändert bei 155.

Für Donnerstag waren sieben weitere Fälle im Norden gemeldet worden, für Mittwoch 14. Rund 3100 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt sieben an Covid-19 Erkrankte behandelt.

13 neue Corona-Infektionen in Hamburg

In Hamburg sind seit Freitag 13 neue Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Es ist die dritte zweistellige Zahl an Neuinfektionen nacheinander. Für Mittwoch waren 24 weitere Fälle gemeldet worden, für Donnerstag 16. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie 5303 Menschen in der Hansestadt mit dem Virus angesteckt, wie die Gesundheitsbehörde am Sonnabend mitteilte. Rund 5000 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen aber als genesen angesehen werden.

In der zurückliegenden Woche gab es nach Angaben der Behörde insgesamt 65 Neuinfektionen. Das sind 3,6 pro 100 000 Einwohner. Das Infektionsgeschehen in Hamburg liegt damit nach wie vor weit unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

In Hamburger Krankenhäusern wurden den Angaben zufolge am Freitag 25 Menschen mit dem Coronavirus behandelt, zwei mehr als am Vortag. Sechs von ihnen liegen auf Intensivstationen, das ist einer mehr als am Donnerstag. Bei der Zahl der Todesopfer gab es keine Veränderungen: Laut UKE-Institut für Rechtsmedizin starben in Hamburg bisher 230 Menschen an Covid-19. Das RKI, das unabhängig von der Todesursache alle mit dem Virus infizierten Toten erfasst, kommt unverändert auf 261.

Corona-Cornern: So war die Nacht auf dem Kiez

Tausende vor allem junge Menschen haben auch in der Nacht zum Freitag trotz der Corona-Einschränkungen die Party-Hochburgen auf St. Pauli und im Schanzenviertel aufgesucht. Nicht immer wurden Abstandsregeln beachtet, viele verzichteten auf einen Mundschutz. Die Stadt hatte darauf verzichtet, das angekündigte Verkaufsverbot für Alkohol bereits an diesem Wochenende zu verhängen.

Zu den befürchteten unkontrollierbaren Massenansammlungen kam es allerdings nicht. "Es gab schon deutlich schlimmere Nächte", hieß es am Sonnabendmorgen von der Hamburger Polizei. An der Großen Freiheit wurde der Zugang kontrolliert, um die Zahl der Besucher zu beschränken.

Zu einem Zwischenfall kam es an der Feldstraße. Beamte, die Personalien überprüfen wollten, wurden beleidigt, nach Polizeiangaben kam es zu einem Flaschenwurf. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Corona: Zahl der ÖPNV-Fahrgäste im Norden steigt

Die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Schleswig-Holstein legen wieder zu. Im regionalen Bahnverkehr sei inzwischen etwa 50 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht worden, sagte der Sprecher des Nahverkehrsverbundes Nah.SH, Dennis Fiedel. Während des Lockdowns war die Zahl der Fahrgäste in den Zügen auf bis zu zehn Prozent gesunken. Auch in den Linienbussen in Lübeck, Kiel und im Hamburger Umland gebe es wieder mehr Passagiere, berichteten die Unternehmen.

Bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) sind die Fahrgastzahlen nach Angaben einer Sprecherin wieder auf 60 Prozent der üblichen Nachfrage gestiegen. Während des Lockdowns waren sie auf rund 30 Prozent gesunken. Die Höhe der dadurch entstandenen Einnahmeausfälle lasse sich noch nicht beziffern, sagte die Sprecherin. Das VHH-Verkehrsgebiet umfasst unter anderem das Hamburger Umland von Wedel im Westen über Quickborn im Norden bis nach Lauenburg im Osten.

Prien erwartet wenig Lehrer-Krankschreibungen wegen Corona

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) erwartet zum Schulstart in Schleswig-Holstein am 10. August keine Welle von Lehrer-Krankschreibungen. „Ich vertraue auf die Loyalität der Lehrkräfte und gehe davon aus, dass sie ihre Pflicht erfüllen“, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft GEW hatte kritisiert, dass nur 32 von 780 Lehrern, die ärztliche Atteste als zu Corona-Risikogruppen zugehörig vorgelegt hatten, vom Präsenzunterricht befreit werden. Die meisten Atteste sind laut GEW von der Arbeitsmedizinerin des Ministeriums als hinreichender Grund nicht akzeptiert worden.

Mit dem Schulstart soll es wieder regulären Unterricht geben - aber unter Corona-Bedingungen. An den Grundschulen soll im Klassenverband unterrichtet werden, an den weiterführenden Schulen ist soviel Unterricht wie möglich in kleinen Gruppen vorgesehen.

Coronavirus – die Bilder zur Krise: