Astronomie

Komet Neowise kommt Hamburg heute Nacht ganz nah

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Der Sternenhimmel über Hamburg in der Nacht zum Donnerstag.

Der Sternenhimmel über Hamburg in der Nacht zum Donnerstag.

Foto: Grafik: Katja Frauenkron/Thomas Kraupe

Mittwochnacht passiert der Himmelskörper die Erde in 103,5 Millionen Kilometer Entfernung. Das passiert nur alle 5000 bis 7000 Jahre.

Hamburg.  Nur alle 5000 bis 7000 Jahre kommt der Komet Neowise der Erde so nah, dass er mit bloßem Auge zu sehen ist – jetzt ist es wieder so weit: In der Nacht zum Donnerstag, um 3.14 Uhr MESZ wird Neowise der Erde mit 103,5 Millionen Kilometer am nächsten kommen. – und mit Glück am Himmel über Hamburg deutlich zu sehen sein.

Entdeckt wurde der Komet erst am 27. März, und zwar vom Weltraumteleskop „Wise“. Dieser Komet, der aus der fernen Oort-Wolke eisiger Körper stammt, die unsere Sonne umhüllt, „fiel“ in das innere Sonnensystem und schwang sich am 3. Juli in 43 Millionen Kilometer Abstand von der Sonne nordwärts über die Bahnen der Planeten und wurde dabei unerwartet hell. Seit zwei Wochen begeistert er Himmelsbeobachter auf der ganzen Welt und erreicht nun wohl den Höhepunkt seines Auftritts. Sobald es am Mittwochabend kurz nach 23 Uhr dunkel genug geworden ist, sollte man Richtung Nordwesthorizont Ausschau halten – unterhalb der Sterne des Großen Wagens.

„Klare Sicht vorausgesetzt – findet man den Kometen Neowise dann besonders leicht: Die beiden Sterne der Rückwand des „Großen Wagens“ (Sternbild Großer Bär), die uns nach oben verlängert zum Polarstern führen, weisen uns in der anderen Richtung (nach unten) den Weg zum Kometen“, sagt der Direktor des Hamburger Planetariums Prof. Thomas Kraupe. Der Chef des Sternentheaters beobachtet den herannahenden Kometen bereits seit Tagen am Himmel. „Montagabend war er mit bloßem Auge sehr gut zu sehen“, sagt Kraupe.

Neowise erscheint von einem dunklen Standort wie ein schwach leuchtender Streifen

Neowise erscheint von einem dunklen Standort wie ein schwach leuchtender, diffuser Streifen, ähnlich einer Cirrus-Wolke, die nach „oben“ etwas auffächert. Mit einem Fernglas sieht man den wie ein diffuser Stern leuchtenden Kernbereich im Kopf des Kometen und den dort beginnenden Staubschweif, der das Sonnenlicht streut. Am schönsten ist der Anblick abseits der Stadt, von einem dunklen Ort, ohne störende Lichtquelle. Dort kann man den viele Millionen Kilometer langen Kometenschweif in seiner ganzen Schönheit genießen.

Da der Komet sich an der Sonne und den Planeten vorbeischwingt, sehen wir, wie er sich in Bezug auf die Hintergrundsterne bewegt – Nacht für Nacht und sogar Stunde für Stunde. Aus unserer Sicht von der Erde bewegt sich der Komet in nordwestlicher Richtung. Diese Bewegung hebt den Kometen jede Nacht um fast eine Daumenbreite (oder 2 Grad) höher, was das Betrachten erleichtert.

Vorstellungen:

  • Das Planetarium Hamburg hat nach der Corona-Pause seinen Spielbetrieb wieder aufgenommen: In den Planetariumsvorstellungen „Der Himmel über Hamburg“, die nahezu täglich angeboten werden, wird der Komet Neowise und seine Erscheinung über Hamburg ausführlich dargestellt. Im August-Programm geht es hier dann darüber hinaus auch um das Thema Sternschnuppen und Perseiden.
  • Der Eintritt zu den ca. 60 Minuten langen Vorstellungen kostet 12 Euro (ermäßigt 7,50 Euro). Empfohlen ab 10 Jahren. Die Tickets sind derzeit nur online unter planetarium-hamburg.de oder Tickethotline unter Telefon 040/428 86 52-10 erhältlich.

Allerdings – in den kommenden Tagen entfernt sich Neowise immer weiter von uns und wird immer lichtschwächer werden, bevor er dann für rund 6000 Jahre wieder in die finsteren und eisigen Tiefen des äußeren Sonnensystems verschwindet. Die Umlaufbahn von Neowise wird übrigens durch den Vorbeiflug an den Großen Planeten Jupiter und Saturn noch einmal verlängert – so dass der nächste Besuch des Kometen erst etwa im Jahr 8850 stattfinden wird, erläutert Planetariumsdirektor Thomas Kraupe.

Der Einschlag eines Kometen auf der Erde könnte eine globale Katastrophe auslösen

Auch wenn Astronomen in diesen Tagen dem Vorbeiflug von Neowise hoffnungsfroh entgegensehen – nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns nur ein prächtiges Naturschauspiel. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Hungersnöte, Krieg und Seuchen ankündigen. Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde könnte tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Vom Kometen Neowise – der auch den nüchternen Namen C/2020 F3 trägt – geht jedoch keine Gefahr für unseren Planeten aus. Heute wissen die Forscher, dass Kometen vom Rand des Sonnensystems stammen und sich ihre Gas- und Staubschweife bei der Annäherung an die Sonne bilden. Neowise hinterlässt wie andere Kometen auf seiner Bahn eine Trümmerspur aus Staub am Himmel – und die wird man im August als Sternschnuppen oder Perseiden beobachten kann.

„Nutzen Sie die Gelegenheit, denn seit dem Besuch des Kometen Hale-Bopp vor 23 Jahren gab es keinen Kometen mehr, der so gut zu beobachten war wie der jetzige Besucher!“ – erläutert Prof. Thomas Kraupe – „und der Komet Neowise ist nicht nur wunderschön – er ist für uns Astrophysiker ein unglaublich faszinierendes Forschungsobjekt, denn Kometen sind übrig gebliebene „Bauklötze“ der Entstehung unserer Erde und der anderen Planeten, die vor vier Milliarden Jahren wohl auch Wasser für die Ozeane und die Ursubstanzen des Lebens auf die Erde gebracht haben. Man könnte also fast sagen: Wir sind Kometen…“

Das Magazin:

„90 Jahre Hamburger Plane­tarium“: Das 108 Seiten starke Magazin kostet 9 Euro (Treuepreis 7 Euro), erhältlich in der Abendblatt-Geschäftsstelle, im Handel, unter abendblatt.de/magazine und unter 040 / 333 66 999

( HA/br )

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