Glosse

Zwei Krokodile in einer Saison: Ungeheuer im Loch Nass

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Christoph Rybarczyk
Dr. Christoph Rybarczyk ist stellvertretender Leiter des Onlineressorts beim Hamburger Abendblatt

Dr. Christoph Rybarczyk ist stellvertretender Leiter des Onlineressorts beim Hamburger Abendblatt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Gewässer im Norden – reine Schlangengruben. Von Boa constrictors, Würfelnattern und einem Schiet-Sturm in der Güllegrube.

Was wäre unser Sommer ohne die lieben Tiere, die Sachen machen? Und selten hatten wir zwei Krokodile in einer Saison. Eines schwamm Mitte Juli im Fleet in Jork. Bis es entdeckt wurde, verbrachte das Alte Land eine schlaflose Nacht. Das Tier entpuppte sich als 40 Zentimeter langes Gummi-Kroko.

Und weil jeder Witz auch von Wiederholung lebt, fischte der Bauhof in Jever vier Tage später ein bauähnliches, deutlich größeres Krokodil nach dem Hinweis besorgter Bürger aus dem Wasser. In Bad Segeberg schlängelte sich kürzlich eine drei Meter lange Boa con­strictor durch den beschaulichen Ort. Sie war echt, wie der eilends herbestellte Reptilienbeauftragte des Kreises laut Polizei feststellte. Was es für Berufe gibt! Diesen Job hätte man eher in der Schlangengrube SPD vermutet.

Würfelnattern, Schwertfische und tragische Begegnungen von Nutztieren mit Regionalbahnen

Ein Exemplar einer Würfelnatter erspähten Anwohner in Bad Oldesloe. Sie war von den Umständen ihrer Verhaftung so ergriffen, dass sie laut Polizeibericht „in der Obhut des Lübecker Polizisten auch noch insgesamt 14 Eier legte“. Bei Wismar fing ein Fischer einen verirrten Schwertfisch, 2,35 Meter lang, rund 150 Kilogramm schwer. Denkt man an den Klimawandel, könnte es mit diesen hitzigen Nachrichten bis Dezember so weitergehen.

Tragisch verliefen Begegnungen von Nutztieren mit Regionalbahnen. Sie wurden auf den Bahngleisen zerlegt, nicht erst bei Tönnies. Und leider gibt es weitere Abgänge zu beklagen: Kühe, die in Güllegruben fallen, Bauern, die Rehe aus ebendiesen retten. Nicht, dass der Bauer starb. Aber es gab einen üblen Schiet-Sturm, wie der Shitstorm auf Platt heißt: Er habe das Tier doch selbst reingeworfen, um dann das Retter-Video bei Facebook zu posten, hieß es. Sauerei.

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