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Wie Wilhelmsburgs Krankenhaus Groß-Sand gerettet werden kann

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Hamburg: Das finanziell angeschlagene Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg könnte zu einem Gesundheitszentrum umgebaut werden.

Hamburg: Das finanziell angeschlagene Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg könnte zu einem Gesundheitszentrum umgebaut werden.

Foto: Michael Rauhe

Gesundheitskiosk Billstedt als Blaupause für das Krankenhaus? Großes Echo auf Pläne für Umbau zum Stadtteil-Gesundheitszentrum.

Hamburg. Das drohende Aus für das Krankenhaus Groß-Sand in Wilhelmsburg und die Retter-Pläne für den Umbau zu einem Gesundheitszentrum haben ein großes Echo gefunden. Von den Krankenkassen kamen ermunternde Signale: „Es ist toll, dass sich die niedergelassenen Ärzte bei Groß-Sand einbringen wollen“, sagte der Leiter der Hamburger Vertretung der Barmer, Frank Liedtke.

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung, Walter Plassmann, hatte dem Abendblatt gesagt, die Ärzte hätten ein großes Interesse, dass Groß-Sand erhalten bleibe: „Es gibt Möglichkeiten, dort am Standort eine ambulante Versorgung anzubieten, die dem Stadtteil gerecht wird.“

Barmer-Landeschef Liedtke sagte, er bedauere die wirtschaftliche Situation des Hauses. Patienten und Mitarbeiter könnten mit Recht verunsichert sein. „Umso größer ist die Verpflichtung aller Beteiligten, sich jetzt mit Groß-Sand zu beschäftigen.“

Liedtkes Worte zielen in Richtung Senat. Der Sprecher von Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD), Martin Helfrich, sagte dem Abendblatt: In die Bewertung würden die vorliegenden und noch eingehenden Anträge zu Groß-Sand einfließen. Die Senatorin erwarte einen Termin mit dem Träger.

Krankenhaus Groß-Sand: Erzbistum hat faktisch die Verantwortung

Das katholische Erzbistum Hamburg hat faktisch von der St. Bonifatius Gemeinde in Wilhelmsburg die Verantwortung für Groß-Sand übernommen.

Auf dem 200-Betten-Krankenhaus mit 450 Mitarbeitern lasten Pensionszusagen in zweistelliger Millionenhöhe. Liedtke sagte, die Barmer habe ein Interesse daran, dass das Haus vor Ort das medizinisch Erforderliche wirtschaftlich anbiete. „Es geht um die Menschen, die dort leben. Groß-Sand muss Antworten auf die Fragen finden: Welche Patienten kommen zu uns? Wo können wir mit niedergelassenen Ärzten kooperieren und wo mit anderen Kliniken, vor allem mit dem Marienkrankenhaus?“

Liedtke sagte, das Haus könne auch seinen Patienten Ratschläge geben, wo es die Versorgung gebe, die sie aktuell benötigten.

Deniz Celik: Was der Senat jetzt tun muss

Der Gesundheitsexperte Deniz Celik von der Linksfraktion in der Bürgerschaft sieht den Senat in der Pflicht: „In der Corona-Krise sprechen wir von systemrelevanten Bereichen. Groß-Sand gehört dazu.“ Celik sagte, er fordere den Senat auf, in Groß-Sand zu investieren. Das sei der gesetzliche Auftrag in der Krankenhaus-Planung. „Es wurde in der Vergangenheit einiges versäumt. Daran darf jetzt der Erhalt am selben Standort nicht scheitern.“

Es sei das Mindeste, dass in dem angedachten neuen Gesundheitszentrum ausreichend Hausärzte, Kinderärzte und Gynäkologen seien. Celik brachte außerdem eine direkte Beteiligung Hamburgs ins Spiel.

Hamburg: Gesundheitskiosk Billstedt als Vorbild?

Der Geschäftsführer von Groß-Sand und Marienkrankenhaus, Christoph Schmitz, hatte dem Abendblatt gesagt: „Es gibt Pläne, in Groß-Sand ein Stadtteil-Gesundheitszentrum aufzubauen. Dazu ist die bisherige Struktur mit dem Medizinischen Versorgungszentrum als Grundlage hervorragend geeignet.“

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Im Gesundheitskiosk Billstedt gibt es bereits ein Modellprojekt, das als Blaupause für Wilhelmsburg dienen könnte. Dort haben sich Krankenkassen und Praxisärzte mit der Stadt zusammengetan, um in einem sozial schwächeren Viertel mit einem hohen Anteil an Migranten eine Anlaufstelle für medizinische Fragen zu betreiben. Erst hier verstehen viele Stadtteilbewohner – zum Teil auf Türkisch, Russisch, Farsi oder Polnisch – den Weg zum Arzt, ins Krankenhaus, zum Apotheker oder in die Krebs-Nachsorge. Hier gleicht Billstedt Wilhelmsburg: weniger Fachärzte, mehr Alleinerziehende, mehr ungenügend behandelte chronische Erkrankungen.

Doch lässt sich ein mit vielen öffentlichen Geldern gefördertes Projekt eins zu eins auf eine krisengeschüttelte Klinik übertragen? Barmer-Landeschef Liedtke gibt sich zurückhaltend: „Man sollte die wissenschaftliche Evaluation des Gesundheitskiosks in Billstedt abwarten."

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